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Massive ZunahmeSo viele misshandelte Kinder wie noch nie

Schläge, Beschimpfungen, sexueller Missbrauch: Die Zahl der misshandelten Kinder hat 2014 um 9 Prozent zugenommen. Drei Kleinkinder verstarben sogar.

von
dia
Mädchen werden deutlich häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch als Knaben.

Mädchen werden deutlich häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch als Knaben.

Immer wieder werden Kinder in der Schweiz Opfer von Misshandlungen. Und die Zahl nimmt stetig zu, wie eine Auswertung der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie zeigt. Im vergangenen Jahr sind in 21 Kinderkliniken 1405 Fälle registriert worden – dies entspricht einer Zunahme von 9 Prozent. Das sind so viele wie noch nie, heisst es in einer Mitteilung.

Besonders tragisch: Drei Kinder starben in den Kinderkliniken an den Folgen von Misshandlungen. Zwei Kleinkinder waren jünger als ein Jahr und erlebten körperliche Misshandlungen. Ein zwischen ein und zwei Jahre altes Kind starb an Vernachlässigung.

Körperliche Misshandlung am häufigsten

Die häufigste Form der Kindesmisshandlung ist die körperliche Misshandlung. Sie macht mehr als 28 Prozent aller erfassten Fälle aus. Am zweithäufigsten ist mit 27 Prozent die psychische Misshandlung. Der Anteil der Kinder, die psychisch misshandelt wurden, sei in den letzten Jahren gestiegen, schreibt die Gesellschaft.

Unter den Begriff psychische Misshandlung fallen Fälle, in denen Kinder verbal gedemüdigt, bedroht oder genötigt werden. Auch bei Kindern, die häusliche Gewalt miterleben und dadurch stark verängstigt sind, spricht man von psychischer Misshandlung. Bei 23 Prozent der misshandelten Kinder ging es um sexuellen Missbrauch, bei 22 Prozent um Vernachlässigung.

Eine sehr seltene, nur in vier Fällen erfasste Art der Misshandlung ist das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Dabei erfinden oder verursachen Eltern bei ihren Kindern Krankheiten oder Krankheitssymptome. Es wird vermutet, dass die Eltern Aufmerksamkeit und Zuwendung erreichen wollen, beispielsweise durch die behandelnden Ärzte.

Rund hundert Strafanzeigen

Die Auswertung zeigt, dass Knaben und Mädchen in einem ähnlichen Ausmass körperliche und physische Gewalt sowie Vernachlässigung erleben. Hingegen sind 75% der Opfer von sexuellem Missbrauch weiblich.

Die Täter kommen oft aus dem nächsten Umfeld der Kinder: In 78 Prozent aller Misshandlungsfälle sind es Familienangehörige, bei rund 13 Prozent Bekannte des Kindes. Nur in etwa 3 Prozent aller Fälle ist der Täter ein Fremder. Bei rund 7 Prozent ist er unbekannt.

In jedem fünften Fall entschlossen sich die Ärzte eine Gefahrenmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zu machen. In knapp hundert Fällen musste die Kinderschutzgruppe gar eine Strafanzeige einreichen. Die Fachgruppe kommt zum Schluss, dass Kindsmisshandlungen häufig in Familien, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben, vorkommen.

(dia/sda)

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