Tausende Arbeitsplätze: So viele neue Jobs können durch Solarenergie entstehen
Aktualisiert

Tausende ArbeitsplätzeSo viele neue Jobs können durch Solarenergie entstehen

Umweltfreundlich und ein Jobmotor: Eine neue Studie belegt, dass der Ausbau der Fotovoltaik in der Schweiz 14'000 neue Stellen generieren kann.

von
Stephanie Sigrist
Eine neue Studie der ZHAW Wädenswil zeigt auf, wie viele neue Arbeitsplätze in der Schweiz durch die vermehrte Nutzung der Fotovoltaik kreiert werden können.

Eine neue Studie der ZHAW Wädenswil zeigt auf, wie viele neue Arbeitsplätze in der Schweiz durch die vermehrte Nutzung der Fotovoltaik kreiert werden können.

BEZ

Mit der Annahme der Energiestrategie 2050 hat sich die Schweiz auf den Weg in eine Energiezukunft gemacht, in der Energie effizienter genutzt und nachhaltiger sowie unabhängiger vom Ausland produziert wird. Bis 2035 soll der durchschnittliche Energieverbrauch in der Schweiz pro Person gegenüber dem Basisjahr 2000 um 43 Prozent gesenkt werden, während die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wie Solarenergie, Windkraft, Biomasse und Erdwärme auf 14,5 Terawattstunden gesteigert werden soll. Bis 2050 sollen aus den sogenannt neuen erneuerbaren Energien gar 24 Terawattstunden Strom produziert werden. Aktuell belegt die Schweiz bei der Produktion von Solar- und Windenergie im europaweiten Vergleich einen der letzten Plätze. Mit den Bemühungen im Klimaschutz und der Dekarbonisierung gewinnt jedoch der Stromsektor an Bedeutung. Das heisst, dass mit einem Verzicht auf fossile Energien wie Erdöl der Strombedarf steigt.

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) hat die Pro-Kopf-Produktion von Sonnen- und Windenergie – der sogenannten neuen erneuerbaren Energien – in der Schweiz mit den 28 EU-Staaten verglichen. Hierzulande wurden 2019 pro Einwohner 284 Kilowattstunden Solar- und Windstrom produziert. In Deutschland waren es über 2000 Kilowattstunden, in Österreich immerhin über 1000 Kilowattstunden und in Frankreich und Italien rund 700 Kilowattstunden. Die Schweiz konnte gegenüber dem letzten Jahr einen Rang gut machen und landet neu auf Platz 24 von 29, knapp vor Tschechien, Ungarn, Slowenien, der Slowakei und Lettland. Platz eins belegt Dänemark, gefolgt von Deutschland, Schweden, Irland und Portugal.

Das Produktionspotenzial von Solarenergie wäre hoch

Betrachtet man ausschliesslich Fotovoltaik, liegt die Schweiz auf Rang sieben. Die ersten Plätze bei der Solarenergie belegen Deutschland, Malta, Italien, Belgien und Griechenland. Dass auch nördliche Länder unter den Spitzenreitern vertreten sind, zeigt einmal mehr auf, dass die Verbreitung der Fotovoltaik nur bedingt von der Intensität der Sonneneinstrahlung abhängt. Das Bundesamt für Energie schätzt das Produktionspotenzial auf Schweizer Dächern und Fassaden auf 67 Terawattstunden pro Jahr. Dies bedeutet, dass eine 40-mal höhere Solarstromproduktion als heute möglich wäre. Bei der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) geht man davon aus, dass sogar 80 bis 100 Terawattstunden realistisch sind: «Neben Dächern und Fassaden könnten auch weitere Konstruktionen wie Staumauern oder Lärmschutzinstallationen umweltfreundlich erschlossen und mit Solarpanels ausgestattet werden», sagt Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der SES. Mit einem infrastrukturgebundenen Ausbau können Konflikte mit Umwelt- und Landschaftsschutz vermieden werden.

Eine neue Studie der ZHAW Wädenswil zum Ausbau der Stromproduktion aus Fotovoltaik zeigt nun auf, wie viele neue Arbeitsplätze in der Schweiz durch die vermehrte Nutzung der Fotovoltaik kreiert werden können. Innerhalb von zwei Jahren könnten 7000, innerhalb von fünf Jahren 14'000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. «Wenn wir die am einfachsten nutzbaren Flächen mit Solaranlagen bestücken, ergibt sich ein Bedarf von rund 14'000 zusätzlichen Arbeitsplätzen», erklärt Jürg Rohrer, Studienautor und Leiter der Forschungsgruppe Erneuerbare Energien an der ZHAW. Das Arbeitspotenzial ist gemäss der ZHAW-Studie in kurzer Zeit realisierbar. 12'000 neue Stellen entstünden allein in der Montage, wo die wichtigsten Grundlagen mit einer kurzen Anlehre von wenigen Tagen oder Wochen erlernt werden könnten. Weitere rund 2000 Stellen betreffen Fachplaner, wofür je nach Vorbildung eine etwa halbjährige Weiterbildung nötig ist. Nach 2040 gewinnt dem Studienautor zufolge auch der Ersatz älterer Fotovoltaikanlagen zunehmend an Bedeutung, sodass sich die Anzahl Arbeitsplätze in der Fotovoltaik-Branche auf wesentlich höherem Niveau als heute einpendeln werde. «Jetzt in die Solarenergie zu investieren, trägt dazu bei, die Klimaziele zu erreichen, schafft neue Stellen und stärkt erst noch die Versorgungssicherheit im Strombereich», so Nipkow von der SES.

Deine Meinung

13 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Nick

16.07.2020, 17:51

14'000 neue Arbeitsstellen, die bezahlt werden müssen. Und angeblich kann ja jeder dabei noch Geld sparen. Diese Rechnung geht irgendwie nicht auf.

René

16.07.2020, 16:41

Die Kommentare hier sind alle sehr pessimistisch. Betreffend Subvention usw. kein einziges AKW würde in der Schweiz stehen ohne staatliche Unterstützung. Beim Rückbau werden alle zusätzlich nochmals zur Kasse gebeten. Und ja, PV auf dem Dach funktioniert bestens. Ja klar, in der Nacht wird kein Strom erzeugt, aber wann wird am meisten Strom benötigt? Das PV Potential ist da wir benötigen nun nur noch intelligente Speichermöglichkeiten. Pumpspeicher, Wasserstoff oder Methanol usw.

Bertb

16.07.2020, 12:20

schönrederei, wieviele jobs gehen verloren dadurch?! auf alternativ energien zu setzten die noch in den kinderschuhen stecken ist ein riesen fehler. der gleiche fehler wurde bei der industriellen revolution schon gemacht. nun wird sich dieser fehler wiederholt!