Aktualisiert 07.10.2014 07:33

Swiss-Chef Harry Hohmeister«So viele neue Strecken, das ist ein Kraftakt»

Die Swiss baut ihr Streckennetz massiv aus. Durch den Umbau der Europaflotte werde der Sitzabstand in der Economy Class aber kleiner, erklärt Swiss-Chef Harry Hohmeister.

von
V. Blank

Herr Hohmeister, ist der Streckenausbau Ihre Antwort auf die Konkurrenz durch europäische Billig-Airlines?

Eine unmittelbare Reaktion auf die Low-Cost-Airlines, die von Zürich aus operieren, ist die neue Strategie nicht. Aber natürlich schauen wir uns die Entwicklung an anderen Flughäfen an. Wir haben Erfahrungen in Genf gesammelt, wie man mit einem anderen Auftritt am Markt die Auslastung steigern kann. Diese Erfahrungen übertragen wir jetzt auf Zürich.

Kann die Swiss auf den neuen Kurzstrecken in Europa überhaupt Geld verdienen?

Dass die neuen Strecken von Anfang an profitabel sein werden, ist nicht realistisch. Aber natürlich haben wir die neuen Destinationen nicht aus Spass ins Angebot aufgenommen. Bei den meisten der neuen Strecken werden wir nach etwa zwei Jahren die Gewinnschwelle erreichen. Auf einen Schlag so viele neue Destinationen ins Angebot aufzunehmen, ist ein Kraftakt.

Wie sieht es bei den bereits bestehenden Destinationen in Europa mit der Profitabilität aus?

Heute erzielen wir in Europa noch keine positiven Ergebnisse. Sobald die neue, energieeffizientere Flotte im Einsatz ist, wird sich das hoffentlich ändern.

Sie planen im Airbus A320 und A321 den Einbau eines neuen Sitzmodells und erhöhen die Sitzplatzkapazität um bis zu 19 Plätze. Wird es in der Economy Class nun noch enger?

Nein. Wir machen es nicht so wie andere Airlines, wo einfach die Sitze zusammengeschoben und anschliessend mehr Sitze eingesetzt werden. Wir bauen die Kabine im hinteren Teil komplett um, was mehr Platz schafft. In der Economy bleibt der Sitzkomfort auf dem heutigen Niveau, in der Business Class wird er vergrössert.

Aber der Sitzabstand in der Economy wird kleiner.

Wenn man es mit dem Massband nachmisst, verkürzt sich der Abstand zum Vordersitz tatsächlich um rund 2,5 Zentimeter. Durch die verbesserte Geometrie der neuen Sitze hat der Passagier aber das Gefühl, dass der Sitzabstand gleich ist.

Was kostet Sie der Umbau der Kabinen?

Zwischen 1 und 1,5 Millionen Franken pro Flugzeug.

Ist das Thema Premium Economy durch die neuen Sitzmodelle nun endgültig vom Tisch?

Wir schauen uns das Thema nach wie vor an, aber im Rahmen der langfristigen Produktentwicklung. Einen finalen Entscheid haben wir dazu aber noch nicht gefällt.

In der Economy wird es eine neue Bordverpflegung geben mit Schweizer Produkten wie warmen Quiches oder frischem Gebäck und Salaten. Wie viel investieren Sie dafür?

Das kann ich heute noch nicht beantworten. Wir sind noch in der Verhandlungs- und Planungsphase. Klar ist, dass wir in die Economy Class investieren wollen mit Produkten, die mehr dem Trend nach Frische und Regionalität folgen.

Wie wichtig ist gutes Essen auf dem Flug, um Kunden zu gewinnen?

Die Qualität unserer Verpflegung in Kombination mit der Swissness ist ein wichtiger Bestandteil unseres Produkts und ein wichtiges Merkmal, mit dem wir uns vom Wettbewerb differenzieren möchten.

Bedeutet besseres Essen auch teurere Tickets?

Besseres Essen heisst erst einmal, ein attraktives Angebot für die Fluggäste zu haben und in der Kaufentscheidung vor anderen zu stehen. Ob wir dadurch höhere Preise umsetzen können, wage ich zu bezweifeln.

Einer Ihrer fünf strategischen Eckpfeiler ist der Fokus auf motivierte Mitarbeiter. Gemäss Medienberichten ist die Stimmung in der Belegschaft derzeit nicht gut. Was unternimmt die Swiss, um ihre Mitarbeiter wieder positiv zu stimmen?

Falls Sie auf die Medienberichte in Zusammenhang mit der Mitarbeiterumfrage anspielen, so verhält es sich so, dass unternehmensweit bis Ende des Jahres in allen Abteilungen Workshops durchgeführt werden, in denen unter anderem die Mitarbeiterzufriedenheit thematisiert wird. Auf Basis der Rückmeldungen aus der Mitarbeiterumfrage und den Workshops werden konkrete Massnahmen definiert, die auf den entsprechenden Teil unserer Strategie einzahlen und die zeitnah umgesetzt werden sollen.

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