31.07.2020 15:07

Kaum Ansteckungen in Clubs

«Was wird uns das BAG morgen erzählen?»

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat falsche Zahlen zu den Ansteckungsorten veröffentlicht. Jetzt zeigt sich: Das Risiko, sich im Club anzustecken, ist deutlich kleiner.

von
Daniel Graf/Nicolas Saameli
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Das BAG hat falsche Zahlen zu Ansteckungen in Clubs veröffentlicht.

Das BAG hat falsche Zahlen zu Ansteckungen in Clubs veröffentlicht.

iStock
Doch nicht so gefährlich: Eine Party im Hallenstadion in Zürich.

Doch nicht so gefährlich: Eine Party im Hallenstadion in Zürich.

KEYSTONE
Obwohl sich an Partys viele Menschen auf engem Raum aufhalten, haben sich nur 1,9 Prozent der Neuinfizierten in einem Club angesteckt.

Obwohl sich an Partys viele Menschen auf engem Raum aufhalten, haben sich nur 1,9 Prozent der Neuinfizierten in einem Club angesteckt.

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Darum gehts

  • Das BAG hat falsche Zahlen zu den Ansteckungsorten publiziert.
  • Die korrekten Zahlen zeigen: Die Gefahr, sich bei einem Familienmitglied anzustecken, ist deutlich höher, als im Club.
  • Auch in Bars stecken sich kaum Menschen mit Covid-19 an.

Jeden Tag veröffentlicht das Bundesamt für Gesundheit Zahlen zur Anzahl der laborbestätigten Infektionen, Hospitalisierungen und Todesfällen. SRF hat am Freitag erstmals nationale Zahlen zu Ansteckungsorten veröffentlicht. Die Daten dazu hat SRF vom BAG erhalten.

Nun zeigt sich: Das BAG hat falsche Zahlen publiziert. In einer Mitteilung schreibt das BAG am Sonntag auf seiner Homepage: «Die Daten sind einem falschen Ansteckungsort zugeordnet worden. Das BAG entschuldigt sich für diesen Fehler!»

Ansteckung im Ausgang

Die Korrektur des BAG bringt völlig neue Zahlen zum Vorschein: Hiess es in der ursprünglichen Fassung noch, 41,6 Prozent der ausgewerteten Fälle gingen auf einen Clubbesuch zurück, schrumpft diese Zahl mit den korrekten Zahlen auf 1,9 Prozent. Die Ansteckungen in einer Bar oder in einem Restaurant betragen gemäss BAG nicht 26,8 Prozent, wie am Freitag publiziert, sondern lediglich 1,6 Prozent.

Deutlich grösser als im Club oder in der Bar ist gemäss den korrigierten Zahlen die Gefahr, sich bei einem Familienmitglied anzustecken. Von den 793 untersuchten Fällen waren 216 auf eine Infektion innerhalb der Familie zurückzuführen. Das entspricht 27,2 Prozent.

BAG

Die Veröffentlichung der falschen BAG-Zahlen kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für Alexander Bücheli, den Mediensprecher der Zürcher Bar & Club Kommission. Am Freitagnachmittag hatte er an einer Pressekonferenz an die Behörden appelliert, mit den Clubs zusammenzuarbeiten, und davor gewarnt, dass bis zu 50 Prozent der Betriebe in der Region Zürich vom Konkurs bedroht seien, sollte es keine weitere Unterstützung geben.

Gleich darauf sei er vom SRF, das die BAG-Zahlen als erstes veröffentlicht hatte, darauf angesprochen worden und aus allen Wolken gefallen. Die Zahlen des BAG seien im Widerspruch zu den Daten der Kantone gestanden. «Das stimmt einem nachdenklich», sagt Bücheli. Gestört habe ihn auch, dass SRF die Zahlen als öffentlich rechtliches Medium ungeprüft verbreitet habe.

Dadurch werde ein ganzer Wirtschaftszweig an den Pranger gestellt – und das in einer Zeit, in der man ohnehin leide. «Wir sind die Branche, die am härtesten von der Pandemie betroffen ist. Ein öffentliches Anprangern hilft niemandem.»

Traurig mache ihn, dass das BAG zuvor auf Kontaktanfragen der Veranstaltungsbranche nicht eingetreten sei. Es gebe viele ungeklärte Fragen – etwa im Bereich der Club-Lüftungen und der Schutzkonzepten. Man habe mehrfach versucht, mit der Behörde in Kontakt zu treten und sei auf die Hilfe der Forschung angewiesen. Eine Antwort sei aber bis heute ausgeblieben. «Kein Wunder fühlt man sich nun im Stich gelassen.»

«Was wird uns das BAG morgen erzählen?»

Jetzt wolle er aber nicht auf dem BAG herumhacken, sondern hoffe, endlich eine Reaktion vom BAG zu bekommen. «Vielleicht kommt es ja nun endlich zur Zusammenarbeit. Es ist nur schade, dass es so lange gedauert hat.»

Reaktionen gibt es auch aus der Politik: «Was wird uns das BAG morgen erzählen?», schrieb die Zürcher Alt-Nationalrätin Kathy Riklin (CVP) am Sonntagabend auf Twitter. «Nach Maskengeschichten...nun diese ‹Richtigstellung›. Oh je!»

«Peinlich peinlich....», schrieb auch Grüne-Schweiz-Parteichef Balthasar Glättli. Er sei froh, habe er sich nicht «aufgrund völlig falsch zugeordneter Zahlen» in eine hitzige inhaltliche Debatte eingemischt.

Eigentlich tue es der Politik ja gut, «evidenzbasiert zu arbeiten», so Glättli weiter. Umso mehr werde es aber «zum echten Problem, wenn Zahlen aus der Bundesverwaltung in relevanten Bereichen immer wieder falsch sind».

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1084 Kommentare

keahnig

05.08.2020, 13:53

jeder macht mal Fehler, ist nicht so schlimm, oder? Mich würde vielmehr interessieren, ist dies nun der einzige Fehler, oder gibt es da noch mehr. Sind wirklich alle an Covid gestorben oder mit? Wurden eine Autopsie gemacht? Wo sind die Studien, dass die Masken wirklich schützen? Ich vertraue mal darauf, dass wir irgendwann alles korrekt beantworten können.

Robert

03.08.2020, 18:06

Endlich erfährt man, wie oft es im öffentlichen Verkehr zu Ansteckungen kommt. (iron)

Skeptiker

03.08.2020, 15:07

Was erzählt uns das BAG morgen? Sich hätten sich geirrt und das Coronavirus sei lediglich ein Grippevirus? Und die einzigen ernsthaft Erkrankten seien diejenigen, die eine schimmlige Maske getragen hätten?