Stadt Zürich : So viele schwerverletzte Velofahrer wie noch nie
Aktualisiert

Stadt Zürich So viele schwerverletzte Velofahrer wie noch nie

110 Velofahrer sind in Zürich bei einem Verkehrsunfall im letzten Jahr schwer verletzt worden. Das sind 14 mehr als im Vorjahr, was einen Höchstwert darstellt.

Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit bei der Dienstsabteilung Verkehr, zu den Velounfällen.

Autofahren ist sicherer geworden, Fussgänger und Velofahrer leben gefährlich: Das zeigt die Verkehrsunfallstatistik 2017. Im ganzen Kanton Zürich haben sich 16'800 Unfälle ereignet, 3350 mit Verletzten. 22 Personen starben. Sorgen bereitet der Polizei die Entwicklung bei den Velofahrern.

Der häufigste Grund für einen Verkehrsunfall ist die mangelnde Aufmerksamkeit der Lenkenden. Frank Schwammberger, Chef Verkehrspolizei der Kantonspolizei Zürich sagte am Dienstag vor den Medien: «Das hat sich seit Jahren nicht geändert und gibt zu denken nach all den Kampagnen, die wir durchgeführt haben.»

Immer noch lassen sich zu viele Verkehrsteilnehmer von Smartphones ablenken. Daneben fahren viele zu schnell oder in fahrunfähigem Zustand. Folgerichtig haben sich 2017 mehr Unfälle ereignet als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre (+13 Prozent).

Es wurden auch mehr Personen verletzt (+11 Prozent), wenn auch nur leicht. Die Anzahl Schwerverletzter ist rückläufig, die Anzahl Verkehrstoter liegt mit 22 unverändert auf dem historischen Tiefstwert von 2016. Die Verhältnisse sind auf Kantonsgebiet in etwa gleich wie in den Städten Winterthur und Zürich.

Fussgänger und Velofahrer stärker betroffen

Bei den Schwerverletzten macht die Polizei eine Verschiebung aus: Neu sind vorwiegend Fussgänger und Velofahrer von schweren Verletzungen betroffen, Autofahrer werden meistens höchstens leicht verletzt. Eine starke Zunahme von Unfällen, wenn auch auf tiefem Niveau, registrierte die Polizei bei den E-Bikern.

In der Stadt Zürich wurden 2017 über 1400 Personen im Strassenverkehr verletzt. Es ereigneten sich rund 5550 Unfälle - im Schnitt wird pro 90 Minuten ein Unfall auf Stadtgebiet gemeldet, alle sechs Stunden verletzt sich eine Person. Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit, sagte, die Stadt wachse, der Verkehr nehme zu und folglich steige auch die Unfallzahl.

Sensibilisierung Repression

Aber die Unfallgefahr steigt nicht für alle gleich: Die meisten Personen bewegen sich in Zürich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber sie machen nur einen kleinen Teil der Verunfallten aus.

Der grössten Unfallgefahr sind die Velofahrer ausgesetzt: Sie machen acht Prozent der Verkehrsteilnehmer aus, doch 2017 waren 46 Prozent aller Schwerverletzten in der Stadt Zürich Velofahrer - so viele wie noch nie.

Kein Wunder, macht sich Brucks Gedanken, wie sich dieser Wert verkleinern liesse. Die Veloinfrastruktur lasse noch zu wünschen übrig und müsse verbessert werden. Davon abgesehen meint Brucks aber auch: «Die Velofahrer tragen eine grosse Selbstverantwortung.»

Und während Zürcher Schulkinder in der fünften Klasse eine Veloprüfung ablegen, haben laut Brucks nicht alle Velofahrer in Zürich dieselbe Kenntnis. «Es wäre wünschbar, wenn alle Erwachsenen die Verkehrsregeln kennen würden», sagte er.

Da die Stadt keine Veloprüfung für Erwachsene verlangen kann, setzt sie auf Repression durch häufigere Velokontrollen der Stadtpolizei und auf Sensibilisierung. Brucks sagte: «Bei verunfallten E-Bikern hat man manchmal den Eindruck, dass sie mit ihrem Fahrzeug nicht klarkommen.»

(sda)

Pro Velo: «Unfallzahlen sind erschreckend»

Pro Velo: «Unfallzahlen sind erschreckend»

Für Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo, sind die neusten Zahlen «äusserst erschreckend.» Leider gebe es nicht wirklich eine Erklärung für den Anstieg von Velounfällen in Zürich: «Ein entspannteres Klima auf den Strassen würde aber schon mal helfen. Alle Verkehrsteilnehmer sollten mehr Rücksicht aufeinander nehmen.» Ebenfalls bräuchte es gemäss Durner dringend bessere Veloverbindungen. Dies sei auch ein Grund, warum viele Velofahrer Selbstunfälle bauten oder Unfälle verursachten: «Die Versprechungen, dass Zürich zur Velostadt wird, lockte viele Unerfahrene aufs Rad, die bei der mangelhaften Infrastruktur überfordert sind.»

Durner hat wenig Hoffnungen, dass es in den nächsten Jahren massiv weniger Unfälle gibt: «So lange der E-Bike-Boom anhält, wird das schwierig.» Präventionsbemühungen wie E-Bike-Schulungen hätten bisher wenig gebracht: «Das Interesse war einfach zu gering.» Zur Unfallbekämpfungen können Polizeikontrollen sinnvoll sein, so Durner: «Leider werden sie oft dort gemacht, wo es weit und breit keine Velowege gibt – etwa im Bereich der Langstrasse.» Er habe den Eindruck, dass die Polizei dort vor allem kontrolliere, weil sie möglichst viele Velofahrer erwische.

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