27.01.2019 02:24

Hohe Auflagen

So viele Täter tragen eine Fussfessel

Erstmals zeigen Zahlen, wie häufig Verurteilte in den jeweiligen Kantonen elektronisch überwacht werden statt hinter Gitter kommen.

von
roy
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Das ist ein Electronic Monitoring Sender, umgangssprachlich Fussfessel genannt.

Das ist ein Electronic Monitoring Sender, umgangssprachlich Fussfessel genannt.

Keystone/Manuel Lopez
Links der Sender selber, rechts die Basisstation. Letztere wird in der Unterkunft des Überwachten angebracht.

Links der Sender selber, rechts die Basisstation. Letztere wird in der Unterkunft des Überwachten angebracht.

Keystone/Manuel Lopez
Das Zürcher Amt für Justizvollzug informierte im Oktober 2016 im Massnahmenzentrum Uitikon über die Erfahrungen des Pilotversuchs mit der Fussfessel.

Das Zürcher Amt für Justizvollzug informierte im Oktober 2016 im Massnahmenzentrum Uitikon über die Erfahrungen des Pilotversuchs mit der Fussfessel.

Keystone/Manuel Lopez

Seit 2018 müssen alle Kantone Fussfesseln statt Freiheitsstrafen anbieten, wenn jemand verurteilt wird. Jetzt zeigt eine Umfrage der «SonntagsZeitung» erstmals die Ausmasse des sogenannten Electronic Monitoring.

Im letzten Jahr wurden 433 Gesuche bewilligt. Die meisten Fussfesseln gewährten Waadt (120), Genf (83), Bern (57) und Basel-Stadt (46). Alles Kantone, die das System schon vor der schweizweiten Einführung getestet haben.

Neue Anbieter wie St. Gallen (5), Zürich (2) oder Luzern (1) verteilten hingegen kaum Fussfesseln. Auch wegen der hohen Auflagen: Kandidaten müssen Aufenthaltsrecht in der Schweiz haben und einer geregelten Arbeit nachgehen. Es darf keine Flucht- oder Rückfallgefahr bestehen. Die Fussfessel darf zudem nur kurze Freiheitsstrafen von bis zu zwölf Monaten ersetzen.

Kantone warnen

«Der Gesetzgeber wählte die Auflagen bewusst restriktiv», sagt Patrick Cotti, Direktor des Schweizerischen Kompetenzzentrum für Justizvollzug. «So ist ausgeschlossen, dass als gefährlich beurteilte Personen mit Fussfesseln herumlaufen.»

Trotzdem warnen einige Kantone deutlich: «Es besteht die Gefahr, dass Electronic Monitoring überschätzt und als vermeintliche Wunderwaffe missverstanden wird», schreiben die Strafvollzugsbehörden der Nordwest- und Innerschweiz laut «SonntagsZeitung» in einem Grundlagenpapier. Fussfesseln erlaubten es technisch nicht, den Aufenthaltsort jederzeit und lückenlos festzustellen. Zudem fehle das Personal, um rund um die Uhr einzugreifen. (roy/20 Minuten)

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