Aktualisiert 29.03.2011 11:36

Katastrophenjahr

So viele Tote wie seit 1976 nicht mehr

Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Unglücke haben 2010 so viele Leben gefordert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Fast 304 000 Menschen starben - das ist laut dem Rückversicherer Swiss Re die höchste Zahl seit 1976. Die meisten Opfer forderte 2010 das Erdbeben im Karibikstaat Haiti im Januar mit über 222 000 Toten. Mehr als 56 000 Menschen starben durch die sommerliche Hitzewelle in Russland, während Überschwemmungen in China und Pakistan 6200 Menschen den Tod brachten, wie Swiss Re am Dienstag im Rahmen einer Studie für die globale Versicherungsindustrie bekannt gab.

Wie verheerend das vergangene Jahr war, verdeutlicht der Vergleich mit 2009: Damals musste die Welt 15 000 Todesopfer durch Katastrophen beklagen.

Schäden verdreifacht

Die wirtschaftlichen Schäden verdreifachten sich im Vergleich zum Vorjahr auf 218 Mrd. Dollar. Der zweitgrösste Rückversicherer der Welt hat errechnet, dass den Versicherern weltweit Kosten von 43 Mrd. Dollar ins Haus stehen, womit das Niveau 60 Prozent über dem Vorjahr liegt.

Ein Drittel der Katastrophenschäden verursachten Erdbeben. Obwohl die Experten im langfristigen Vergleich nicht mehr Erdbeben als sonst beobachten, fordern sie mehr und mehr Todesopfer und verursachen auch immer höhere Kosten.

Weil gerade an den erdbebengefährdeten Punkten des Planeten die Städte wachsen, geraten auch mehr Menschen in Gefahr, wie Balz Grollimund von der Swiss Re erläuterte. Da durch wachsenden Wohlstand mehr versichert wird, muss die globale Assekuranz für mehr Schadenleistungen aufkommen.

Hohe Kosten auch 2011

Die höchsten Kosten für Katastrophen lösten 2010 im Februar die Erdbeben in Chile und Neuseeland aus, die sich im Februar resp. im September ereigneten: Für die beiden Ereignisse stehen versicherte Schäden von 8 bzw. 4,5 Mrd. Dollar.

Erdbebenschäden werden auch 2011 überdurchschnittlich sein: Nachdem Neuseeland um die Stadt Christchurch im vergangenen Februar zum zweiten Mal getroffen wurde, muss die Schadenbilanz um 6 bis 12 Mrd. Dollar erweitert werden. Die Kosten für das Erdbeben und den anschliessenden Tsunami in Japan von Mitte März werden noch weit darüber liegen.

Während Swiss Re auf Einschätzungen des Gesamtschadens in Japan verzichtet, könnten laut Risikoexperten anderer Unternehmen die Kosten für die Versicherer 30 Mrd. Dollar übersteigen. Die Weltbank hat eine Schätzung mit einer Obergrenze bei 25 Mrd. Dollar veröffentlicht.

Teure Ölkatastrophe

Auf der Swiss-Re-Liste der zehn teuersten Ereignisse rangieren nach den beiden Erdbeben der Wintersturm Xynthia in Westeuropa mit einem Schadenausmass von 2,75 Mrd. Dollar sowie Überschwemmungen, Gewitter und andere wetterbedingte Katastrophen. Diese trafen Australien und die USA, beides hochentwickelte Länder.

In armen Ländern wie Haiti und Pakistan besteht oft wenig Versicherungsschutz. Aufgrund der schlechten Bauart von Häusern und Infrastruktur treffen die Katastrophen auch viele Menschen. Die Swiss Re fordert ein weltweit besseres Katastrophenmanagement, um Menschen vor gefährlichen Naturereignissen zu schützen.

Erst auf Platz zehn der Liste der teuersten Schäden folgt ein von Menschen ausgelöstes Unglück. Die Explosion der Bohrplattform «Deepwater Horizon» vor dem US-Bundesstaat Louisiana und die darauffolgende Ölpest im Golf von Mexiko kostet die Versicherer laut der Swiss Re mindestens eine Milliarde Dollar. (sda)

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