Gleichberechtigung? - So wenige Strassen sind in Berner Städten nach Frauen benannt
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Gleichberechtigung?So wenige Strassen sind in Berner Städten nach Frauen benannt

Im Kanton Bern gibt es kaum nach Frauen benannte Strassen. Die Regierung verweist auf die Gemeinden – und dort offenbaren sich grosse Unterschiede.

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Rares Gut: Weibliche Strassennamen haben in vielen Städten eher Seltenheitswert.

Rares Gut: Weibliche Strassennamen haben in vielen Städten eher Seltenheitswert.

Tamedia AG / Franziska Rothenbuehler
In Bern lautet das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Strassennamen etwa 1:5. 

In Bern lautet das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Strassennamen etwa 1:5.

Franziska Rothenbuehler
Damit steht die Bundesstadt unter den grösseren Kantonsstädten am besten da.

Damit steht die Bundesstadt unter den grösseren Kantonsstädten am besten da.

Tamedia AG / Franziska Rothenbuehler

Darum gehts

  • In den grösseren Städten im Kanton Bern sind Frauen bei den Strassennamen stark untervertreten.

  • Die Bestrebungen für ein ausgeglicheneres Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Namen unterscheiden sich zwischen den grösseren Städten.

  • Während in Bern ein «Moratorium» für männliche Strassennamen herrscht, hat man es in Biel und Thun weniger pressant.

Frauen und Männer sind gemäss Bundesverfassung gleichgestellt. Was Strassennamen anbelangt, kann von einer Gleichstellung in der Schweiz allerdings keine Rede sein: Weibliche Namen von Strassen, Plätzen und Brücken sind hierzulande ein rares Gut. Das müsse sich dringend ändern, widerspiegeln Strassennamen doch mitunter gesellschafts- und kulturpolitische Entwicklungen, hält die SP-Kantonsrätin Belinda Nazan Walpoth in einem Vorstoss fest. In der Interpellation will sie vom Regierungsrat wissen, wie er sich konkret dafür einsetze, dass künftig mehr Frauen auf Strassenschildern gewürdigt werden.

Die Antwort ist schnell erzählt: Die Kantonsregierung würde es zwar begrüssen, wenn neue Strassen nach Frauen benannt würden, und zeigt sich bereit, die Gemeinden darauf aufmerksam zu machen. Letztlich sei die Benennung von Strassennamen jedoch Sache der Gemeinden.

Wie also steht es um das Verhältnis bei den Strassennamen in den grösseren Kantonsstädten? Und welche Bestrebungen zur Frauenförderung sind diesbezüglich im Gange? 20 Minuten hat in Bern, Biel und Thun nachgefragt.

Biel

Ziemlich lange nach weiblichen Strassennamen suchen muss man in Biel: Von den rund 400 Strassen und Plätzen sind gerade einmal fünf nach Frauen benannt. Viel mehr als Lippenbekenntnisse, um dies zu ändern, gab es bislang nicht: Die zuständige Gemeinderätin Lena Frank verweist etwa auf eine Postulatsantwort im Jahr 2017, in welcher der Gemeinderat den Wunsch bekräftigt habe, «bei der Benennung von öffentlichen Plätzen ein Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen zu erreichen». Zudem werde die vorwiegende Benennung von Strassen und Plätzen seit dem Frauenstreik im Juni 2019 auch in Biel wieder vermehrt diskutiert.

Handfestere Resultate verspricht der Austausch zwischen Gemeinderat und dem Verein Frauenplatz Biel. «Da es verschiedene Möglichkeiten gibt, die Namen von Frauen bei der Benennung von Strassen und Plätzen in Biel besser zu berücksichtigen, wurde vereinbart, dass der Verein Frauenplatz einen konkreten Vorschlag unterbreiten wird, wie dieser berechtigten Forderung entsprochen werden kann», so Frank.

Bern

Etwas ausgeglichener sieht das Verhältnis in der Stadt Bern aus. Von den 850 Strassen, Wegen und Plätzen sind rund 150 nach Männern benannt, 31 nach Frauen und knapp 50 nach weiteren Personennamen. Der Gemeinderat erachte es als sehr wichtig, dass Frauen auch bei der Bezeichnung von Strassen und Plätzen berücksichtigt werden, heisst es bei der Stadt. Dass es ihr damit ernst ist, hat die Stadtregierung Ende 2019 deutlich gemacht: In der Beantwortung der Motion «Frauen in Berns Strassen sichtbar machen» hat sie entschieden, bei der Strassenbenennung solange Frauen zu bevorzugen, bis mindestens die Hälfte der geehrten Personen Frauen sind.

Relativierend muss erwähnt werden, dass in der Bundesstadt den Frauen vorwiegend Fahrrad- und Fusswege gewidmet sind; die prominenteren Haupt- und Wohnstrassen sind fast gänzlich den Männern vorbehalten, wie der «Bund» kürzlich in Erfahrung brachte.

Thun

Unklar bleibt die Verteilung in Thun. Laut Bauinspektor Reto Pfister führt die Stadt keine Statistik über weibliche und männliche Strassennamen. «Die konkrete Abgrenzung und Definition weiblicher und männlicher Strassennamen gestaltete sich nicht ganz einfach», so Pfisters Begründung.

Die Strassenbenennungen in Thun seien grundsätzlich historisch gewachsen. «Bei den eher seltenen Neubenennungen wird sicherlich ein ausgeglichenes Verhältnis angestrebt, wobei auch andere Bezeichnungen wie zum Beispiel Flur- oder Ortsnamen oder Namen von Bergen immer ein Thema sind», sagt der Bauinspektor.

Am Thunersee dürfte es also noch eine ganze Weile dauern, bis sich männliche und weibliche Strassennamen die Waage halten – zumal bislang keine entsprechenden Projekte lanciert wurden. Die Namensgebung wird laut Pfister «im Einzelfall geprüft», eine «Namensliste auf Abruf» gebe es nicht.

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(sul)

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