Schweizer Start-up «Rready» will mit digitalen Briefkästen die Innovationskultur fördern
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InnovationSo werden Angestellte bei Swisscom und SBB zu Start-up-Gründern

Die Jungfirma Rready bietet eine Art digitalen Ideen-Briefkasten für Unternehmen an: Angestellte können eigene Ideen entwickeln und vorantreiben. Davon profitieren bereits einige grosse Schweizer Firmen.

von
Dominic Benz
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Viele Mitarbeitende haben eigene Ideen. Doch wie setzt man diese im Unternehmen um?

Viele Mitarbeitende haben eigene Ideen. Doch wie setzt man diese im Unternehmen um?

20min/Taddeo Cerletti

Das Start-up Rready hat eine eigene Software namens «Getkickbox» entwickelt, die eine Art digitaler Ideen-Briefkasten ist. 


Das Start-up Rready hat eine eigene Software namens «Getkickbox» entwickelt, die eine Art digitaler Ideen-Briefkasten ist.

Urs Jaudas
«Jede Angestellte und jeder Angestellte einer Firma kann eine Idee einreichen», sagt Dave Hengartner, CEO und Mitgründer von Rready, zu 20 Minuten. 

«Jede Angestellte und jeder Angestellte einer Firma kann eine Idee einreichen», sagt Dave Hengartner, CEO und Mitgründer von Rready, zu 20 Minuten.

20 Minuten

Darum gehts

  • Das Schweizer Start-up Rready will die Innovationskultur bei Unternehmen fördern.

  • Angestellte können mit der Software des Jungunternehmens eigene Ideen vorantreiben.

  • Entstanden sind so etwa bei der Swisscom viele Projekte und Start-ups.

  • Konzerne wie SBB, Siemens Energy oder Baloise nutzen den digitalen Ideen-Briefkasten.

  • Wie der Arbeitspsychologe Hartmut Schulze sagt, fördere das Verfolgen eigener Ideen in Unternehmen die Motivation.

Viele träumen davon, aus ihrer Idee ein Start-up zu gründen. Doch nur eine Idee zu haben, reicht in der Regel nicht aus. So geht es letztlich um die richtige Umsetzung der Idee.

Wie schwierig das ist, sieht man derzeit wöchentlich in der TV-Sendung «Die Höhle der Löwen»: Nach einem Shitstorm mussten die Gründer der «Pink Gloves» ihre Idee wegen der wenig durchdachten Umsetzung wieder einstampfen.

Auch Arbeitnehmende, die ihre Ideen intern in der Firma weitertreiben wollen, stossen schnell an Grenzen: Entweder kommt man mit der Idee nicht bis zum Chef durch oder weiss gar nicht, ob die vermeintliche Innovation überhaupt Potential für den grossen Wurf hat. Das neu gegründete Schweizer Start-up Rready will das nun ändern.

Digitaler Ideenbriefkasten

Mit der Software «Getkickbox» hat das Jungunternehmen eine Art digitalen Ideenbriefkasten entwickelt. «Jede Angestellte und jeder Angestellte einer Firma kann eine Idee einreichen», sagt Dave Hengartner, CEO und Mitgründer von Rready, zu 20 Minuten.

In einem ersten Schritt können die Mitarbeitenden mit der Software selbständig einen Validierungsprozess für eine Idee durchlaufen. «Anhand spielerischer und einfach anwendbarer Tools prüft und testet der Angestellte seine Idee», so Hengartner.

Am Ende des Prozesses weiss der Angestellte, ob es sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht lohnt, seine potentielle Innovation weiterzuverfolgen und umzusetzen. Fällt die Prüfung positiv aus, entscheidet das Unternehmen über das weitere Vorgehen. Am Ende könnte ein neues Produkt, Projekt oder gar ein Start-up entstehen.

Investoren aus dem Silicon Valley

Das zeigt das Beispiel bei der Swisscom. Der Telecom-Anbieter hat die Software «Getkickbox» ursprünglich entwickelt. Mit der Gründung des Start-ups Rready hat sich das Projekt nun vom Konzern losgelöst. Swisscom ist noch mit einer Minderheitsbeteiligung an der Jungfirma beteiligt. Mittlerweile hat das Start-up Investoren aus dem Silicon Valley an Bord geholt.

In den letzten Jahren wurden bei der Swisscom anhand der Software über 700 Ideen von Mitarbeitenden entwickelt und umgesetzt. Laut Hengartner seien so mehrere Start-ups und interne Projekte entstanden und viele Projekte intern implementiert und eine nachhaltige Innovationskultur geschaffen worden.

SBB lanciert Brunnen-Projekt

Dank der Software ist bei Swisscom etwa das Start-up Help2Type entstanden. Die Firma entwickelt heute einen Aufsatz für Smartphones, mit dem sich Tasten auf dem Touchscreen fühlen lassen. Die Idee dazu kam von einem blinden Mitarbeiter.

Auch die SBB nutzt die Software von Rready. Durch eine Idee eines Mitarbeiters hat die SBB das Pilot-Projekt H2Eau lanciert: An diversen Bahnhöfen können Passagiere nun an neuen Trinkwasserbrunnen ihre eigenen Flaschen auffüllen.

Bis zu 100’000 Franken für Lizenz

Neben Swisscom und SBB setzen auch Implenia, Siemens Energy oder die Versicherung Baloise auf die Ideen-Software. Insgesamt hat Rready rund 20 Grosskunden. Sie erhalten die Software mittels Lizenzvertrag. Dieser kostet je nach Firmengrösse zwischen 40’000 bis 100’000 Franken im Jahr.

Für Hengartner bietet die Software den Vorteil, dass die Mitarbeitenden bei der Entwicklung einer eigenen Idee involviert sind. «So haben die Ideen-Gebenden immer die Kontrolle über ihr eigenes Projekt.» Die Möglichkeit, eigene Ideen zu verfolgen, erhöhe zudem die Motivation der Angestellten.

So wichtig ist die Umsetzung eigener Ideen

Für Hartmut Schulze ist es wichtig, dass Mitarbeitende ihre Ideen bei ihren Arbeitgebern einbringen können. «Alle sollten die Möglichkeit haben, Innovationen voranzutreiben», sagt der Arbeitspsychologe zu 20 Minuten. Dass man eigene Ideen verfolgen könne, sei zudem wichtig für die Motivation der Angestellten. Wichtig sei es aber, dass der Angestellte für seine Ideen-Projekte genug Anerkennung vom Arbeitgeber erhalte. «Der Mitarbeiter muss daher in die Entwicklung einer Idee miteinbezogen werden.» Das eröffne dem Ideen-Geber allenfalls andere Karrieremöglichkeiten.

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