Aktualisiert 09.07.2010 07:26

Tatort Pensionskasse

So werden Sie zum Rentengeld-Abzocker

Der aktuelle Korruptionsskandal bei der Zürcher Beamtenversicherung zeigt einmal mehr: Pensionskassen bieten sich als Spielplätze für Gauner und Abzocker an.

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scc/oba

Schon wieder zieht ein Pensionskassen-Skandal seine Kreise: Der illustre Investor Rumen Hranov soll Bestechungsgelder in sechsstelliger Höhe an seinen Amigo bei der Zürcher Beamtenversicherung BVK gezahlt haben. Begünstigter seiner grossen diskreten Zuwendungen: Der Ex-Anlagechef der Pensionskasse.

Der Fall BVK fügt eine weitere Episode in eine lange Liste von Pensionskassen-Gaunereien hinzu. Denn seit die berufliche Vorsorge in der Schweiz im Jahr 1983 für obligatorisch erklärt wurde, häuft sich bei den Pensionskassen das Rentengeld. Auf rund 800 Milliarden Franken ist das Vorsorgekapital mittlerweile angewachsen, jahrzehntelang eingezahlt von fleissigen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Entsprechend gross ist die Verlockung für Leute, die mit oder nahe an den Geldtöpfen arbeiten, sich daran selbst zu bedienen.

Verlockung: gross

Denn das Geld muss investiert werden. An der neuralgischen Schaltstelle für Anlageentscheide sitzen die Anlagechefs, oder die Pensionskassenverwalter. Dort machen sie sich zur Zielscheibe für Bestechungen. Einige sind der Versuchung des schnellen Geldes erlegen, wie die Reihe von Betrügereien zeigt, die in den letzten Jahren ans Licht gekommen sind. Die Möglichkeiten sind vielfältig. In der Bilderstrecke finden Sie eine Anleitung zum Pensionskassenbetrug, samt Praxisbeispielen.

Kontrolle: schwierig

Pensionskassenexperte Martin Janssen zeigt sich nicht überrascht von den Skandalen. «Das System der Vorsorge ist anfällig für Missbrauch, weil sehr viel Geld im Spiel ist», so Janssen gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Ausserdem sei die Distanz gross zwischen jenen, denen das Geld gehört und jenen, die damit arbeiteten. Eine Kontrolle sei schwierig: Schliesslich könne man nicht jedem Pensionskassenverwalter einen Polizisten zur Seite stellen und diesen dann durch einen weiteren überwachen lassen.

Abhilfe: langweilig

Um sich gar nicht erst Bestechungsversuchen auszusetzen, soll der Anlagechef soweit wie möglich passiv anlegen, schlägt der Experte vor. Die Pensionskasse soll also nicht in einzelne Titel, sondern in ganze Indizes wie den SMI investieren. Das mache den Job des Anlagechefs aber «sterbenslangweilig», so Janssen. Ausserdem verpasse die Kasse so die riskanten, aber renditestarken Investitionen in aufstrebende KMU. «Eine perfekte Lösung gibt es nicht», so der Experte.

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