Aktualisiert 09.03.2020 19:19

Corona-Angst

So werden Verkäufer am besten geschützt

Trotz Coronavirus können Verkäufer und Schalterangestellte nicht von zu Hause aus arbeiten. Einige Betriebe finden dafür bereits Lösungen.

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cse/dk
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Bei Detailhandels- und Schalterangestellten besteht wegen des Kundekontakts ein höheres Infektionsrisiko.

Bei Detailhandels- und Schalterangestellten besteht wegen des Kundekontakts ein höheres Infektionsrisiko.

Keystone/Martin Ruetschi
In Tourismus-Center Grindelwald setzt man deswegen neuerdings auf Plexiglasscheiben, um die Angestellten zu schützen.

In Tourismus-Center Grindelwald setzt man deswegen neuerdings auf Plexiglasscheiben, um die Angestellten zu schützen.

Grindelwald Tourismus
Gemäss Dagmar Jenni, Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation, müssen Angestellte stets die Möglichkeit haben, sich am Arbeitsplatz die Hände zu desinfizieren.

Gemäss Dagmar Jenni, Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation, müssen Angestellte stets die Möglichkeit haben, sich am Arbeitsplatz die Hände zu desinfizieren.

Keystone/Gaetan Bally

Das Coronavirus verunsichert viele Arbeitgeber. So hat Google am Montag bekannt gegeben, dass rund 4000 Zürcher Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt werden. Für Betriebe mit Verkaufsstellen sind solche Lösungen allerdings kaum möglich.

Eine Mitarbeiterin eines Basler Kleidergeschäfts, die anonym bleiben möchte, sagt etwa: «In meiner heutigen Schicht wurde ich dreimal angeniest. Und eine Kundin bezahlte bar mit einem verrotzten Taschentuch in der Hand.» Egal ob Virus oder nicht – sie könne schliesslich kein Homeoffice machen.

Die Betriebe greifen zum Schutz von Verkaufsangestellten deshalb zu unterschiedlichen Massnahmen.

Plexiglasscheiben zum Schutz

Eine Lösung bietet das Tourismuszentrum in Grindelwald. In deren Infocenter setzt man seit letztem Freitag auf hohe Plexiglasscheiben auf den Tresen. «Sie haben den Effekt, dass die Empfehlung des BAG, Abstand zu halten, besser eingehalten wird», sagt Bruno Hauswirth, Geschäftsführer von Grindelwald Tourismus.

Bei Kunden und Angestellten stossen die Scheiben laut Hauswirth auf Verständnis. «Sollte sich trotzdem noch ein Angestellter wegen des Virus unsicher fühlen, gibt es bei uns die Möglichkeit, dass er administrative Aufgaben im Homeoffice erledigt.» Davon habe aber noch niemand Gebrauch gemacht.

Genügend Abstand an Kasse

Die Swiss Retail Federation, der Verband von mittelständischen Detailhandelsunternehmen, passe die Empfehlungen für ihre Mitglieder im Gleichschritt mit den Empfehlungen des BAG an, sagt Geschäftsführerin Dagmar Jenni. So sollen etwa Kunden an der Kasse darauf aufmerksam gemacht werden, genügend Abstand zu halten. «Gerade beim Kassenpersonal kann man nicht einfach eine Trennwand aufstellen», sagt Jenni. Angestellte müssten jedoch stets die Möglichkeit haben, am Arbeitsplatz die Hände zu desinfizieren, wenn ein Händewaschen nicht möglich ist.

Jenni empfiehlt, besonders gefährdete Mitarbeiter weder an der Kasse noch an der Verkaufsfront einzusetzen. Für diese Angestellten kämen Massnahmen wie zum Beispiel ein anderer Arbeitsplatz oder ein Fernbleiben infrage. Eine Massnahme, die in Zukunft ergriffen werden könnte, wenn sich Kunden nicht an die Regeln des BAG halten, sei etwa die Empfehlung, auf Bargeld zu verzichten und kontaktlos zu bezahlen.

Migros verteilt Desinfektionsmittel an 100'000 Mitarbeiter

Bei Manor heisst es auf Anfrage von 20 Minuten, dass Mitarbeitende mit einer Immunschwäche oder einer chronischen Erkrankungen nicht im Verkauf, sondern etwa im Backoffice-Bereich arbeiten sollen. «Zudem haben wir unsere Mitarbeitenden geschult, Poster aufgehängt, zentrale Dispenser montiert und das Verkaufspersonal mit Desinfektionsmittel ausgestattet.»

Auch bei Coop sei in sämtlichen Verkaufsstellen Desinfektionsmittel aufgestellt worden, bestätigt Sprecherin Marilena Baiatu. Bei der Migros wurden alle Filialen mit Desinfektionsmitteln ausgestattet, wie Mediensprecher Marcel Schlatter sagt. «Im Verlauf dieser Woche erhalten sämtliche 100'000 Mitarbeitende eine weitere Lieferung.»

«Recht, Arbeit zu verweigern»

Die Gewerkschaft Unia sieht für Angestellte mit Kundenkontakt einerseits die Arbeitgeber in der Pflicht. Sprecherin Leena Schmitter erklärt: «Der Arbeitgeber muss alle notwendigen und verhältnismässigen Hygienemassnahmen zum Schutz der Gesundheit seiner Angestellten ergreifen.»

Arbeitnehmer hätten das Recht, die Arbeit zu verweigern, wenn der Arbeitgeber die verlangten Hygienemassnahmen nicht einhält. «Der Arbeitgeber muss dann weiterhin den Lohn zahlen.» Anderseits weist Schmitter auf die Solidarität zwischen Kunden und Angestellten hin: «Kunden und Personal sollen sich gegenseitig schützen.»

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