Bis die Sonne aufging: So wild war die Basler Meisternacht
Aktualisiert

Bis die Sonne aufgingSo wild war die Basler Meisternacht

Basel unterstreicht seinen Ruf als Fussball-Partyhauptstadt. Ob auf dem Balkon oder im Klub: Ausgelassen feierten die FCB-Kicker bis in die frühen Morgenstunden.

von
Eva Tedesco

Die Sonne war längst wieder aufgegangen und die Vögel zwitscherten, als die Meisterhelden todmüde, aber glücklich in ihre Betten fielen. Bis eine halbe Stunde nach Mitternacht harrten Zehntausende am Barfüsserplatz aus, um noch einen Blick auf ihre Helden und den begehrten Pokal zu werfen. Auch die Prominenz feierte mit: So war der sechsfache Oscar-Preisträger Arthur Cohn extra aus L.A. eingeflogen. Christina Suhrer wurde ebenso gesehen wie die lokale Polit-Prominenz.

Doch im Mittelpunkt standen andere Promis. Beni Huggel «moderierte» das Schaulaufen der Stars auf dem Balkon. Die jubelnde Menge zu übertönen war nicht ganz einfach. Die Etikette und die Reihenfolge einzuhalten – unmöglich. Zwar hatte Medienchef Josef Zindel dem Party-Routinier noch einen «Spick» mit der Reihenfolge gegeben, doch schon beim zweiten Spieler war alles anders. Für Huggel kein Problem: Im Stil eines Messi am Mikrophon dribbelte sich der 33-Jährige durch die Präsentation.

Fink im zweiten (oder dritten?) Hemd

Nicht vergessen ging selbstverständlich das Lieblingslied von Trainer Thorsten Fink, der sich an seiner ersten Meisterfeier im letzten Jahr in den Fansong «Glaubed nit an Geischter, glaubed nit an Geischter, dr FCB wird Schwiizermeister!» verliebt hatte. Der Deutsche schwang dabei nicht nur im Takt, sondern auch den Pokal. Und das bereits in seinem zweiten (oder dritten?) Hemd. Mit dem ganzen Schalk im Nacken. Denn während der Chef nach dem Spiel den Medien an der Pressekonferenz Auskunft gab, füllten Stocker, Frei und Streller ein kleines Plastik-Fass mit Wasser und schlichen sich in den Medienraum. Mitten in der Konferenz platzten die drei herein und bescherten Fink sein zweites Meisterbad à la BVB und Jürgen Klopp. Nur hatte Fink etwas mehr Dusel: Klopp wurde an seiner Medienkonferenz zur Deutschen Meisterschaft mit Bier geduscht...

Den ersten «Gutsch» hatte es für den Trainer schon auf dem Stadionbalkon gegeben, während er neben Captain Franco Costanzo stand, der den Pokal in die Höhe stemmte. Costanzo schwankte ob seiner instabilen Unterlage dermassen beim Schwenken des Kübels, der gut mit Champagner gefüllt war, dass der Trainer nebendran wie im Regen stand und Fink zum ersten Mal gezwungen war, sein Hemd zu wechseln.

Chipperfields Sohn – Steinhöfer als Journalist

Meisterfeiern, eine reine Gewohnheit. Alle Jahre wieder fragt Klein-Liam seinen Papi, wann er endlich wieder auf den Balkon darf. «Er ist schon fast süchtig danach», so Scott Chipperfield. Doch der Australier erfüllte den Wunsch seines Sohnes auch 2011 wieder. Am Mittwochabend winkte Liam stolz vom Arm seines Vaters in die Menge – im Stile eines Routiniers wie sein Vater, der bereits den zehnten Titel in Basel feiern konnte. Vater sein verpflichtet eben.

Wechselspiel: Kein Interview ohne Steinhöfer. Dass man mit Valentin Stocker und Markus Steinhöfer nach einem Spiel, das zum Meistertitel geführt hat, kein bierernstes TV-Interview machen kann, zeigte sich weit nach 22 Uhr. «Steini» schnappte sich kurzerhand das Mikro und übernahm den Part des Interviewers: «Herr Stocker», setzte der Deutsche an, «wie ist Ihre Gefühlslage jetzt?» Stocker: «Hervorragend – wie soll es nach dem fünften Titel im fünften Jahr anders sein?» Steinhöfer: «Wie geht es am heutigen Abend weiter?» Stocker ganz locker: «Wir fahren zusammen nach Hause und gehen ins Bett...»

Party mit Frauen und Freundinnen

Daraus wurde dann aber lange nichts. Nach den Feierlichkeiten auf dem «Barfi» zog die Mannschaft inklusive Frauen und Freundinnen in den Klub «Acqua» weiter, wo die rotblauen Meisterhelden die Hits der Gegenwart schmetterten, das Tanzbein schwangen und sich das eine oder andere «Mineralwasser» gönnten, bis weit nachdem die Sonne aufgegangen war natürlich.

Eine Stadt im Freudenrausch

20'000 und 30'000 Menschen haben in der Nacht auf Donnerstag in der Basler Innenstadt den 14. Meistertitel des FC Basel gefeiert. Das von vielen fieberhaft erwartete spontane Fest verlief friedlich und problemlos, führte aber zu einem riesigen Abfallberg. Rund 15 Tonnen Abfall blieben liegen.

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