Konzept präsentiert: So will Bern sein Nachtleben neu regeln
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Konzept präsentiertSo will Bern sein Nachtleben neu regeln

Nach einiger Kritik an der ersten Version hat die Stadt Bern ihr überarbeitetes Nachtleben-Konzept präsentiert. Es setzt deutlich stärker auf Prävention.

Die Berner Stadtregierung hat am Montag ein Konzept fürs Nachtleben präsentiert. Sie hofft, damit den Ausgleich zu schaffen zwischen prickelndem Nachtleben und Ruhe und Ordnung. 18 Massnahmen umfasst das Konzept.

Darunter befindet sich beispielsweise die Absicht, die vor zwei Jahren eingeführten Sicherheitsstandards für Bars und Clubs in Berns Ausgehmeile in der oberen Altstadt auf alle Betriebe mit Überzeit in der ganzen Stadt Bern auszuweiten. Das sagte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause am Montag vor den Medien in Bern.

Die Stadt will auch mehr öffentliche Toiletten, mehr Nachtbusse und eine externe Vermittlungsstelle bei Konflikten. Dazu kommt eine Raumbörse für Zwischennutzungen und - nach Zürcher Vorbild - eine sogenannte Spontanbewilligung für Freiluft-Partys. Sie soll illegalen Feiern im Wald einen Riegel schieben.

Stadtberner Jugendliche sollen auch vermehrt nicht-kommerzielle Angebote nutzen können. Deshalb will die Stadt geeignete Räumlichkeiten selber anbieten. Sie beabsichtigt auch, Klubs und Kulturveranstalter anzufragen, ob sie im Rotationsprinzip Anlässe speziell für 16- bis 18-jährige anbieten könnten.

Kein Thema mehr für die Stadtberner Regierung ist ein Alkoholverkaufsverbot ab 20 Uhr ausserhalb von Gaststätten. In der Vernehmlassung des Konzepts stiess dies auf einhellige Ablehnung. Auch nicht weiterverfolgt wird die Idee, im Zonenplan neu Zonen für Ausgehlokale zu schaffen.

Als untauglich für grössere Städte wie Bern bezeichnete der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät eine allfällige Rückkehr zum System der Polizeistunde. Der Präsident des Schweizer Städteverbands, der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri, hat sich am Wochenende in einem Interview dafür ausgesprochen.

«Tanz dich frei» II sorgte für Schub

Das Berner Nachtlebenkonzept geht einerseits zurück auf die Schliessung von Lokalen nach Lärmklagen aus der Nachbarschaft. Das führte zur Gründung eines Vereins namens «Pro Nachtleben Bern». Vertreter reichten im Dezember 2011 eine Petition mit fast 11'000 Unterschriften für ein «hauptstadtwürdiges Nachtleben» ein.

Anderseits versuchte 2011 der für die Region Bern zuständige Regierungsstatthalter von Bern, das Nachtleben in Bern besser zu regulieren. In diesem Zug verordnete er auch Auflagen für das alternative Berner Kulturzentrum Reitschule. Das führte im Frühsommer 2012 zum grossen Publikumsaufmarsch bei der zweiten «Tanz dich frei«-Kundgebung, die damals weitgehend friedlich blieb.

Im Anschluss daran lud die Stadtberner Regierung zu einem Runden Tisch zum Berner Nachtleben.

Im vergangenen Dezember präsentierte sie ein erstes Nachtleben-Konzept mit damals noch 15 Massnahmen. Es stiess in der Vernehmlassung auf ein grundsätzlich positives Echo. Doch hiess es mehrfach, das Konzept setze zu stark auf Repression und zuwenig auf Prävention.

Auf diese Kritik habe der Berner Gemeinderat reagiert, sagte Sicherheitsdirektor Nause am Montag. So ist nun beispielsweise eine Massnahme «Prävention und Sensibilisierung» ins Konzept aufgenommen worden. Die Stadt Bern will in diesem Bereich mit Rundtischgesprächen die Vernetzung und den Austausch zwischen den bestehenden Anlaufstellen verbessern.

Was halten Sie von den vorgestellten Massnahmen? Glauben Sie, dass die Stadt Bern damit eine Verbesserung erreicht? Diskutieren Sie mit in den Kommentarspalten. (sda)

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