Aktualisiert 10.04.2014 15:25

Schluss mit Handys?So will Blackberry wieder in die schwarzen Zahlen

Fokus auf verschlüsselter Kommunikation statt auf Smartphones: Blackberry-Chef John Chen kündigte an, das Mobiltelefon-Geschäft befinde sich auf dem Prüfstand.

von
sts
Blackberry-CEO John Chen will die Verunsicherung der Geschäftskunden nach dem NSA-Skandal ausnutzen.

Blackberry-CEO John Chen will die Verunsicherung der Geschäftskunden nach dem NSA-Skandal ausnutzen.

Der angeschlagene Smartphone-Pionier Blackberry will bald über einen Rückzug aus dem klassischen Geschäft mit den Multifunktionshandys entscheiden. Wenn man in diesem Bereich keine Gewinne schreiben könne, werde man darauf verzichten, sagte Konzernchef John Chen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Viel Zeit für eine Entscheidung bleibe nicht.

Noch 2009 war Blackberry auf einen Marktanteil von 20 Prozent gekommen. Seitdem ist das Unternehmen weit hinter die Branchenführer Samsung und Apple zurückgefallen. Auch Google holt immer weiter auf. Ende 2013 kam Blackberry nur noch auf einen Marktanteil von zwei Prozent. Es mussten in den vergangenen drei Jahren 9500 Stellen gestrichen und die Belegschaft somit mehr als halbiert werden.

Nur noch zwei Millionen Geräte verkauft

Chen hält es nach eigenen Worten für möglich, auch mit zehn Millionen verkauften Mobiltelefonen im Jahr einen Gewinn zu schreiben. Im vergangenen Quartal lieferte Blackberry zwei Millionen aus. Die meisten Geräte verkaufte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2011: Damals waren es 52,3 Millionen.

Blackberry will nach Chens Worten stärker in Branchen vorrücken, die auf eine aufwendig verschlüsselte Kommunikation angewiesen sind, etwa Gesundheitsunternehmen, Banken oder Kanzleien. Dabei wolle der Konzern mit anderen Firmen zusammenarbeiten. Auch kleinere Übernahmen seien möglich, sagte Chen. Seit der NSA-Affäre nach den Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden habe die IT-Sicherheit für Unternehmen und Regierungen einen höheren Stellenwert. Davon wolle Blackberry nun profitieren.

Das Unternehmen stellt nicht nur Smartphones her, sondern betreibt auch das System BlackBerry Messenger (BBM), mit dem sich Nutzer verschlüsselte Nachrichten schicken können. Die Software dafür wird auch für Android-Geräte wie die von Samsung sowie Apples iPhone angeboten. Eine Version für Windows Phone von Microsoft ist geplant. (sts/sda)

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