Judenwitze, Nazi-Memes: So will die Armee Diskriminierung gegenüber Juden vorbeugen
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Judenwitze, Nazi-MemesSo will die Armee Diskriminierung gegenüber Juden vorbeugen

Ein jüdischer Rekrut wechselte zum Zivildienst, weil er um seine Sicherheit fürchtete. Mittlerweile hat die Armee reagiert.

von
Lea Gnos
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Ein jüdischer Rekrut erlebte in der RS Antisemitismus. (Symbolbild)

Ein jüdischer Rekrut erlebte in der RS Antisemitismus. (Symbolbild)

Urs Jaudas / Tamedia
Während eines Spiels wurden Judenwitze gemacht, auf Whatsapp Nazi-Memes geteilt. (Symbolbild)

Während eines Spiels wurden Judenwitze gemacht, auf Whatsapp Nazi-Memes geteilt. (Symbolbild)

Urs Jaudas / Tamedia
Als er sich weigert, Essensboxen alleine zu schleppen, wird er von einem Mitrekruten mit der Faust traktiert und als «Scheissjud» bezeichnet. Benjamin stellt später allerdings fest, dass dieser damals noch gar nichts von seiner Religion wusste.  (Symbolbild)

Als er sich weigert, Essensboxen alleine zu schleppen, wird er von einem Mitrekruten mit der Faust traktiert und als «Scheissjud» bezeichnet. Benjamin stellt später allerdings fest, dass dieser damals noch gar nichts von seiner Religion wusste. (Symbolbild)

Urs Jaudas / Tamedia

Darum gehts

  • Ein 19-jähriger Jude wurde in der Rekrutenschule in Kloten ZH mit Judenwitzen und konfrontiert.

  • Antisemitismus war für den Rekrut an der Tagesordnung.

  • Nun hat die Schweizer Armee reagiert und will mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund SIG Diskriminierung vorbeugen.

Benjamin (19) musste in der RS in Kloten ZH von Anfang an Antisemitismus über sich ergehen lassen. Judenwitze seiner Kameraden waren an der Tagesordnung, wie der «Tages-Anzeiger» anfangs Jahr aufdeckte.

In der Reportage wird ein Spiel erwähnt, in der die Rekruten sich einen Witz ausdenken mussten. «Hollywood! Hollywood!», rief der Wachtmeister auf dem Waffenplatz Kloten-Bülach. Die Rekruten hatten zehn Sekunden Zeit, sich einen Witz auszudenken. Einer von ihnen musste vortreten und seinen Witz vortragen. Wenn der Wachtmeister lachte, war alles gut. Lachte er nicht, musste der ganze Zug Liegestützen machen.

Sie falteten Bieretikette, damit nur noch «SS» zu lesen war

Die beliebteste Witz-Art? Judenwitze. Für Benjamin wurde der Antisemitismus in der RS immer mehr zur Belastung: In einem gemeinsamen Whatsapp-Chat verbreiteten seine Zimmergenossen zudem Nazi-Memes. Ein Rekrut zeichnete im Computerunterricht mit dem Grafikprogramm Hakenkreuze. Im Ausgang falteten Kameraden eine Bieretikette so, dass nur noch «SS» zu lesen war.

Die Schweizer Armee hat nun reagiert. Sie will aktiv Diskriminierung vorbeugen. Gegenüber «Radio SRF» bestätigt die Armee, dass sie in Gesprächen mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund SIG ist. Der Dachverband der Schweizer Jüdinnen und Juden versucht regelmässig mit Veranstaltungen Vorurteilen entgegen zu wirken. Zusammen mit dem Verband will die Armee mit einem Pilotprojekt die Prävention verbessern. Die genaue Form des Projekts ist noch offen.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

Das sagt die Armee

Vom «Tages-Anzeiger» mit den Vorwürfen konfrontiert, findet Korpskommandant Hans-Peter Walser, der oberste Ausbilder der Schweizer Armee, klare Worte: «Bei uns gilt Nulltoleranz. Jeder Diskriminierungsfall ist einer zu viel und tut mir persönlich weh.» Die Regel sei einfach, sagt Walser: «Hinschauen, nicht wegschauen.» Ein Vorfall muss dem Kompaniekommandanten gemeldet werden, und der kann Hilfe holen, bei der Extremismusfachstelle, der Diversity-Fachstelle, der Militärjustiz, der Armeeseelsorge, dem psychologisch-pädagogischen Dienst, dem Sozialdienst.»

Den Fall Benjamin kann Walser nicht kommentieren. Es handelt sich mittlerweile um ein laufendes Verfahren, denn die Militärjustiz ermittelt wegen allfälliger Rassendiskriminierung.

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