Franken-Freigabe: So will die Politik den Tourismus retten
Aktualisiert

Franken-FreigabeSo will die Politik den Tourismus retten

Politiker wollen dem leidenden Tourismus mit einer einjährigen Mehrwertsteuer-Befreiung aus der Krise helfen.

von
K. Wolfensberger
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Für den Tourismus (im Bild Zermatt) ist die Aufhebung des Mindestkurses eine Herausforderung.

Für den Tourismus (im Bild Zermatt) ist die Aufhebung des Mindestkurses eine Herausforderung.

Keystone/Jean-christophe Bott
BDP-Nationalrat Hans Grunder fordert daher eine begrenzte Aufhebung der Mehrwertsteuer für Tourismusbetriebe.

BDP-Nationalrat Hans Grunder fordert daher eine begrenzte Aufhebung der Mehrwertsteuer für Tourismusbetriebe.

Keystone/Gaetan Bally
Denn: Die Zeiten, als der Euro noch 1.50 Franken kostete, sind längst vorbei.

Denn: Die Zeiten, als der Euro noch 1.50 Franken kostete, sind längst vorbei.

Keystone/urs Flueeler

Die Freigabe des Schweizer Franken trifft die Tourismusbranche mit voller Härte. Für die ausländischen Gäste ist die Schweiz auf einen Schlag 15 bis 20 Prozent teurer geworden. Noch seien die Buchungsstände zwar gut, sagt Schweiz-Tourismus-Sprecherin Daniela Bär zu 20 Minuten. Bereits vermelden gewisse Hoteliers aber einen Anstieg bei den Stornierungen. Und Sprecherin Bär ergänzt: «Ausserdem treffen kaum noch Neubuchungen ein, was in dieser Jahreszeit und bei den aktuell perfekten Schneebedingungen normalerweise der Fall wäre.»

Wie kann man dem Tourismus helfen? Bei Schweiz Tourismus findet man, es sei für eine definitive Antwort noch zu früh. «Aktuell beraten sich die Spitzenverbände, sie werden sich bald äussern.» Die Situation sei aber tatsächlich dramatisch und eine baldige Einführung von Not- und Sofortmassnahmen daher notwendig.

Keine Mehrwertsteuer

Im Gegensatz zu Schweiz Tourismus lassen die Politiker eindeutigere Statements verlauten. So sagt BDP-Nationalrat Hans Grunder der «Schweiz am Sonntag»: «Ich schlage vor, dass die Mehrwertsteuer für die Tourismus- und Gastronomiebranche befristet auf ein Jahr ausgesetzt wird.» Kosten würde dies zwar ungefähr 800 Millionen Franken, es wäre aber ein starkes Signal an die Gäste. Ausserdem könnten so viele Stellen gerettet werden.

Auch das Staatsekretariat für Wirtschaft (SECO) von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann ziehe zeitlich befristete Steuererleichterungen im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III in Betracht. Ausserdem sollen Regulierungen abgebaut werden. Eine Liste von 30 möglichen Massnahmen, wie zum Beispiel eine Vereinheitlichung der Baunormen, habe das SECO bereits ausgearbeitet.

Allerdings stellt sich bei vielen Massnahmen die Frage der Finanzierung. Schliesslich würden sie zwangsläufig zu Steuerausfällen führen. BDP-Nationalrat Grunder schlägt vor, beim Staatspersonal zu sparen. Sein Argument: In den letzten vier Jahren seien zu viele, nämlich insgesamt 26'000, neue Stellen beim Bund geschaffen worden. Diese Forderung dürfte aber auf Widerstand stossen. Welche Massnahmen zur Stützung des Tourismus schliesslich eingeführt werden bleibt somit vorerst unklar.

Situation in den Bergen

Um zu verdeutlichen, wie dramatisch die Lage in den Tourismusgebieten bereits ist, verweist die «Schweiz am Sonntag» auf Zermatt. Ein durchschnittliches Hotel im Walliser Kurort erwirtschafte heute bereits nur noch fünf bis acht Prozent Gewinnmarge, eines mit Restaurant nur zwei bis drei Prozent. Diese ohnehin schon tiefen Werte dürften nun weiter sinken, weshalb bis zu 50 Prozent der Zermatter Hoteliers ans Aufhören denke.

Mit diesen Ausführungen ist Daniel F. Lauber, der Präsident des Hotelier Vereins Zermatt, allerdings nicht einverstanden. Er könne zwar nicht ausschliessen, dass wenige Hotels in Zermatt allenfalls werden schliessen müssen. Allgemein gelte aber: «Unsere Hotels schneiden auf internationalen Websites wie Tripadvisor ausgezeichnet ab. Trotz der aktuell angespannten Situation blicken wir optimistisch in die Zukunft.»

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