03.06.2020 14:06

Initiative für mehr Lehrstellen

So will die Politik die Lehrstellen sichern

Ständeratspräsident Hans Stöckli sorgt sich wegen der Corona-Krise um die Lehrstellen. Er fordert zusätzliche Massnahmen, von der angehende und derzeitige Lehrlinge profitieren sollen.

von
Fabian Pöschl
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Bundesrat Guy Parmelin hat wegen der Corona-Krise eine Task-Force für Lehrstellen gebildet.

Bundesrat Guy Parmelin hat wegen der Corona-Krise eine Task-Force für Lehrstellen gebildet.

Foto: Keystone
Ständeratspräsident Hans Stöckli befürchtet, dass die Massnahmen nicht ausreichen.

Ständeratspräsident Hans Stöckli befürchtet, dass die Massnahmen nicht ausreichen.

© 2019 Béatrice Devènes
«Zusätzliche Anstrengungen von Bund, Kantonen, Arbeitgebern und Gewerkschaften sind nötig», sagt Stöckli zu 20 Minuten.

«Zusätzliche Anstrengungen von Bund, Kantonen, Arbeitgebern und Gewerkschaften sind nötig», sagt Stöckli zu 20 Minuten.

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Darum gehts

  • Der Bund hat eine Task-Force gebildet, um die Lehrstellen zu sichern.
  • Ständeratspräsident Hans Stöckli befürchtet, dass die Massnahmen nicht ausreichen werden.
  • Der Arbeitgeberverband sieht keinen Lehrstellenmangel.

Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP) sorgt sich um die Lehrlinge. Er befürchtet, dass wegen der Corona-Krise im Sommer nicht genügend Lehrstellen zur Verfügung stehen. «Die Jugendlichen dürfen nicht die Zeche der Corona-Krise zahlen», sagt Stöckli zu 20 Minuten. Er begrüsse, dass Bundesrat Guy Parmelin das Problem erkannt und eine Task-Force für Lehrstellen gebildet habe (siehe Box).

Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» fordert Stöckli eine Initiative für mehr Lehrstellen. «Zusätzliche Anstrengungen von Bund, Kantonen, Arbeitgebern und Gewerkschaften sind nötig», sagt Stöckli zu 20 Minuten. Er wünsche sich etwa, dass die Unternehmen mehr Lehrstellen schaffen, dass die Jugendlichen das bestehende Angebot kennen und davon Gebrauch machen. Zweifellos müssten auch die nötigen Fördermittel zur Verfügung stehen.

Nützliche Coachs

In der Corona-Krise habe man festgestellt, dass viele Jugendliche Ende April noch keine zugesicherte Lehrstelle hatten – insbesondere in der Westschweiz. Es gelte nun, von 2003 zu lernen, als die Lehrstellensituation prekär war. Damals habe sich gezeigt, dass der Einsatz von Coachs für die Lehrstellensuchenden, die sie bei der Suche nach der geeigneten Lehrstelle beraten liessen, sehr nützlich war.

Ausserdem drängt Stöckli zu Massnahmen für Lehrlinge, die in der Ausbildung sind. So befürchtet er, dass Lehrlinge, die diesen Sommer ihre Ausbildung abschliessen, nach der Lehre keine Stelle finden. «Es braucht Unternehmen, die bereit sind, diese jungen Menschen zumindest kurzfristig weiterzubeschäftigen», sagt Stöckli. Zudem hofft er, dass die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit Lehrlingsausbilder auch in Unternehmen mit Kurzarbeit die volle Ausbildung anbieten können.

«Anzahl Bewerbungen regelrecht eingebrochen»

Der Arbeitgeberverband sieht keinen Lehrstellenmangel wegen der Krise. «Zurzeit sind Lehrstellenstreichungen kein Thema in den Betrieben», versichert Nicole Meier vom Schweizerischen Arbeitgeberverband. Interventionen der Politik seien nicht nötig. Die Wirtschaft zähle auf die Jugend für den Wiederaufbau.

Vielmehr sei die Lehrstellen-Nachfrage zu klein. «In der ganzen Schweiz sind die Anzahl Bewerbungen seit dem Lockdown regelrecht eingebrochen», sagt Meier. Sie vermutet den Grund dafür in den geschlossenen Schulen, wodurch die Schüler bei der Lehrstellensuche nicht gleich eng durch die Lehrpersonen betreut werden.

Fonds für Lehrlinge gefordert

Die Gewerkschaft Unia unterstützt die Forderung nach zusätzlicher Unterstützung für Lehrlinge. «Wenn die Politik Massnahmen ergreift, um Lehrstellen zu fördern, ist das per se zu begrüssen», sagt Sprecher Philipp Zimmermann. Es könne nicht sein, dass in der Krise die Ausbildung des Nachwuchses leide. Auch der Kaufmännische Verband zeigt sich erfreut über die Anstrengungen, wie Bildungsleiter Michael Kraft sagt. Er fordert jedoch weitergehende Massnahmen wie einen Fonds für Lernende und Lehrabgänger.

Für nächste Woche wird der Bericht des Bundesamts für Statistik (BFS) erwartet, der aussagt, wie die Lehrstellensituation im Mai war.

Task-Force

So setzt sich der Bund ein

Der Bund setzt sich dafür ein, dass sich das neue Coronavirus so wenig wie möglich negativ auf die Berufsbildung auswirkt. So können die Betroffenen beispielsweise auch in diesem Sommer ihre berufliche Grundbildung abschliessen. In einem weiteren Schritt will der Bund nun dafür sorgen, dass möglichst viele Jugendliche per Anfang August 2020 eine Lehrstelle finden. Gleichzeitig sollen Lehrbetriebe ihre offenen Lehrstellen besetzen und damit ihren späteren Bedarf an qualifizierten Fachkräften decken können. Dafür wurde die Task-Force Perspektive Berufslehre 2020 gegründet. Sie beobachtet den Lehrstellenmarkt und soll bei Ungleichgewicht effizient für geeignete Stabilisierungsmassnahmen sorgen.

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28 Kommentare
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Verflixt und zugenäht

04.06.2020, 10:53

Pfff seit wann braucht man um bei einer Taskforce zu arbeiten eine Lehre? Da genügt ein lumpiges Betriebsökonomenstudium bei weitem...

Schaffhauserin20

04.06.2020, 09:33

Auch für Lehrlinge, die mitten in der Ausbildung stecken, ist die Situation schwierig. Hauptsächlich die Gastro hat grosse Probleme! Da der Ausbildungsbetrieb meiner Schwester pleite gegangen ist, braucht sie nun eine Neue stelle- aber niemand ist gewillt, sie zu übernehmen (trotz ausserordentlich guten Leistungen!) Sie hat schon über 50 Anrufe bei Betrieben gemacht und immer nur Absagen erhalten mit der Begründung, sie hätten nicht das Geld dazu, eine Lehrtochter zu haben.

Heidi

04.06.2020, 05:31

Entschuldigung, aber wer erst kurz vor dem Schulabschluss noch eine Lehrstelle sucht und dafür Corona verantwortlich macht, ist gar nicht interessiert etwas zu lernen. Bis jetzt sind den Jugendlichen die gebratenen Tauben in den Mund geflogen und sie konnten Freitags gegen die Natur demonstrieren. Warum sollten sie nicht weiter das süsse Nichtstun geniessen? Die Ausnahmen haben alle eine Lehrstelle!