Strategie SBB 2030 - SBB will mit Freizeitfahrplan Weg aus der Corona-Krise finden

Strategie SBB 2030SBB will mit Freizeitfahrplan Weg aus der Corona-Krise finden

Gesteigertes und verändertes Mobilitätsverhalten, Corona-Krise, Digitalisierung: SBB-CEO Vincent Ducrot informiert heute über die Strategie 2030.

von
Daniel Krähenbühl
«Unsere Kunden wünschen differenzierte Angebote am Wochenende»

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Donnerstag, 25.11.2021

Überblick

Die Coronakrise stellt die SBB vor grosse Herausforderungen. Die Bundesbahnen fuhren wegen der Pandemie ein Rekordverlust von 617 Millionen ein. Das Virus werde auch in Zukunft grosse Auswirkungen auf den Bahnverkehr haben, sagt Ducrot: «Wir werden einen Teil des Pendlerverkehrs verlieren.» Dass zahlreiche Leute Homeoffice machen, sei heute Realität, dies werde in naher Zukunft wohl so bleiben.

In der Pandemie legte die Kundschaft auch ein volatileres Mobilitätsverhalten an den Tag, so Ducrot. «Das Reiseverhalten wird weniger berechenbar, mehr Flexibilität ist gefragt.» Gemäss Prognosen des Bundes werde die Mobilität auch weiter zunehmen, zum Teil auch dank klimafreundlichem Reisen. Diesem Umstand wolle die SBB mit einem flexiblen Freizeitfahrplan am Wochenende gerecht werden, sagt Ducrot.

Mehr Auslandreisen

In der Strategie betont die SBB die Wichtigkeit der nachhaltigen Mobilität. Auch daher will das Bahnunternehmen mit neuen Angeboten wie neuen Nachtzügen nach Amsterdam oder Prag eine klimafreundliche Alternative zu Auto oder Flugzeug bieten. Auch der Bahnverkehr mit Frankreich, Italien und Deutschland will man ausbauen, sagt Ducrot.

Auch will die SBB in das Rollmaterial und damit in den Reisekomfort investieren. Geplant ist etwa der Kauf von 286 Triebzügen für den Regionalverkehr und die Modernisierung der bestehenden Zugflotte. Die SBB will Kunden im Störungsfall zudem besser informieren, überall einen barrierefreien Zugang zur Bahn ermöglichen und die Kapazitäten für den Velotransport ausbauen.

Zunächst sei es jedoch wichtig, die Finanzen zu stabilisieren. «Wir müssen jeden Franken dreimal umdrehen, bevor wir ihn ausgeben», so Ducrot. Ob der Spardruck Auswirkungen auf die Billettpreise hat, kann der CEO nicht sagen. «Das liegt in der Kompetenz von Alliance SwissPass, wir sind nur eine von neun Stimmen.» Auf dem Buckel der Angestellten soll die Krise jedoch nicht ausgetragen werden, betont Ducrot. «Wir sind sehr stolz auf unsere Mitarbeitenden und auf die Arbeit, die sie leisten.»

Damit ist die Medienkonferenz beendet. Besten Dank für das Interesse und noch einen schönen Tag.

Ein Journalist stellt die Frage, ob die SBB konkretisieren könnte, was mit der Vereinheitlichung der Preissysteme gemeint ist.

Die Kompetenz für die Preissetzung liege bei der Alliance Swiss Pass. «Wir engagieren uns sehr stark in dem Projekt», sagt Ducrot. Das Ziel sei es, dass nicht mehr in jeder Stadt oder jeder Ortschaft ein separates Tarifsystem gelte. Ducrot rechnet damit, dass das neue System bis Ende 2022 eingeführt wird.

Ein Journalist will wissen, was die SBB mit dem flexiblen Fahrplan meint.

Ducrot antwortet, dass sehr viele Kundinnen und Kunden bereits heute flexible Angebote nutzen – etwa zum Velofahren auf dem Gotthard oder zum Skifahren in die Berge. «Diesen Leuten müssen wir mehr Platz bieten und daher mehr Züge fahren lassen.» Wer fahre – ob die SBB oder ein anderes Bahnunternehmen – spiele keine Rolle. «Wer fährt, interessiert nicht. Was die Kunden wollen, ist ein gutes Angebot.»

«Wir glauben an die Bahn. Die Bahn ist ein gutes und effizientes Mittel für den Transport von Menschen», sagt Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar. Es sei eine sehr effiziente und umweltfreundliche Möglichkeit der Mobilität. Kern der Vision sei: «Pünktlichkeit, Sicherheit, Zuverlässigkeit». Gleichzeitig wolle die SBB eine nachhaltige Bahn sein, flexibel, kundenorientiert und effizient.

Bahnhöfe als Visitenkarten

Im Durchschnitt sei die Pünktlichkeit immer noch gut, sagt SBB-CEO Ducrot. Man habe aber zwei Sorgenkinder: den IC-Verkehr und die Westschweiz. «Dort werden wir in den Fahrplan und in das Rollmaterial investieren.» Eine weitere grosse Herausforderung seien auch die zahlreichen Fahrstellen. «Wir hatten über 150 Baustellen, die sich auf den Fahrplan ausgewirkt haben», sagt Ducrot.

Gleichzeitig müsse die SBB aber auch die finanzielle Lage stabilisieren. «Wir sind aus der Corona-Krise gekommen, die grosse Auswirkungen auf die Finanzen hatte.» Ducrot betont, dass bis 2030 alle SBB-Bahnhöfe barrierefrei sein werden. «Wir müssen die Bahnhöfe als Visitenkarten verstehen.»

Die zunehmende Flexibilisierung habe keine Auswirkungen auf den Tagesfahrplan, sagt Ducrot. «Wir wollen aber darauf aufbauend der Kundschaft mehr Möglichkeiten bieten.» Zudem sollen die Preise und das Sortiment vereinfacht werden.

«Die Folgen der Corona-Krise werden uns sicher noch bis 2030 beschäftigen», sagt Ducrot. «Wir müssen damit rechnen, dass sich die Finanzfrage noch verschärfen wird.» Daher müsse die SBB einen wirtschaftlichen Umgang mit Ressourcen pflegen. Mit optimierter Software sollen die Systeme vereinheitlicht und die Effizienz gesteigert werden. «Das ist ein ganz wichtiger Punkt für uns.»

Ducrot kommt auf die Angestellten zu sprechen: «Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber bleiben.»

Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar spricht über die Corona-Krise und das damit verbundene veränderte Mobilitätsverhalten: «Die Mobilität ist volatiler und weniger berechenbar geworden.» Mehr Flexibilität sei gefragt, diesem Umstand wolle man Rechnung tragen. Gleichzeitig will man auch einen «robusten Fahrplan» sicherstellen, damit Kundinnen und Kunden zuverlässig und pünktlich ankommen. Denn die war in den letzten Jahren weniger gut. «Die Pünktlichkeit ist stark zurückgegangen», sagt Ribar. «Um in Zukunft weiteres Wachstum verkraften zu können, müssen wir das jetzt angehen.»

Die von der SBB vorgestellte Strategie sei keine Revolution, sagt Ribar. «Sie ist eine Evolution, sie baut auf den Stärken unserer Bahn in der Schweiz auf. Eine Bahn, um die uns die Welt beneidet.» Obwohl man kein gewinnorientiertes Unternehmen sei, will man in Zukunft wieder ein «gesundes Unternehmen» werden.

Bis 2030 klimaneutral

In einer heute veröffentlichten Medienmitteilung zeichnet die SBB vor, wie sie die Schiene gegenüber dem motorisierten Individualverkehr attraktiver machen will: So will das Unternehmen bis 2025 die Corona-bedingt «sehr angespannte» finanzielle Lage bewältigen, den Betrieb und Fahrplan stabilisieren und die Kundenorientierung erhöhen.

Unter anderem soll der Taktplan in Zukunft flexibler ausgestaltet werden: «Beispielsweise wird der Fahrplan künftig für Freizeitreisende am Wochenende anders sein als für Pendlerinnen und Pendler unter der Woche oder er wird je nach Jahreszeit punktuell angepasst werden.»

Die SBB gelobt, Kundinnen und Kunden im Störungsfall besser informieren zu wollen, einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, die Züge zu modernisieren und dem zunehmenden Velotransport Rechnung tragen zu wollen. Zudem steckt sich die SBB hohe Ziele: Bis 2030 will das Unternehmen klimaneutral werden, weniger Energie verbrauchen und die Kreislaufwirtschaft stärken.

Die SBB stellt bei einer Medienkonferenz die neue Strategie SBB 2030 vor. SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar und CEO Vincent Ducrot informieren über neue Projekte, momentane Herausforderungen im Bahnverkehr und darüber, was die Corona-Krise für das Unternehmen bedeutet. Um 11.15 Uhr beginnt die Medienkonferenz.

SBB-CEO Vincent Ducrot erklärt, wie sich das Unternehmen für die Zukunft positionieren will.

SBB-CEO Vincent Ducrot erklärt, wie sich das Unternehmen für die Zukunft positionieren will.

Yvain Genevay / Tamedia
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