Wie Lancia das Comeback schaffen will
Unter CEO Luca Napolitano (Bildmitte) und einem Management-Team soll Lancia zurück auf die europäischen Strassen finden.

Unter CEO Luca Napolitano (Bildmitte) und einem Management-Team soll Lancia zurück auf die europäischen Strassen finden.

Lancia
Publiziert

LebenszeichenSo will Lancia das Comeback schaffen

Mit einem neuen Strategieplan will Stellantis die einst so grosse Marke zurück auf die europäischen Strassen bringen.

von
Dave Schneider

Der inzwischen verstorbene Fiat-Chef Sergio Marchionne verkündete 2014, dass er die Marke Lancia innerhalb von zwei Jahren auf ein einzelnes Modell schrumpfen und dieses dann nur noch in Italien verkaufen will. Gesagt, getan – und Lancia war in der öffentlichen Wahrnehmung gestorben. Der seelenlose Kleinwagen Ypsilon blieb als einzig überlebendes Modell übrig und wurde fortan, wie angekündigt, nur noch in Italien vertrieben. Der Rest der Autowelt trauert seither einer grossen Marke nach. Einer Marke voller Emotionen, geliebt von den Schönen und Reichen, angetrieben von legendären Erfolgen im Rallye-Sport. Aus, vorbei, das wars.

Nun ist bei der inzwischen zum Stellantis-Konzern gehörenden Marke wieder ein schwacher Puls zu spüren. «Heute ist ein wichtiger Tag», ruft Luca Napolitano freudig ins Mikrofon. «Lancia ist ‹ready for Europe› und macht nun einen ersten Schritt, um wieder eine glaubwürdige und respektierte Marke im Premiumsegment zu werden!» Mit diesen Worten kündigte der Lancia-Chef an, den bereits im September 2021 beschlossenen Zehnjahresplan nun endlich umzusetzen. Zwar soll er doch erst 2024 beginnen, aber immerhin: Dieser Plan soll die einst so ehrwürdige Marke wieder zurück zum Erfolg, zurück auf die europäischen Strassen bringen.

Ab 2028 nur noch elektrisch

Der Lancia Ypsilon soll 2024 den Anfang machen, in neuer Form und mit elektrifizierten Antrieben. 2026 soll dann ein neues Flaggschiff folgen – ein Elektro-Crossover mit einer Länge von rund 4,60 Metern, über den sonst aber noch nichts bekannt ist. Für 2028 schliesslich ist ein 4,40 Meter langer Nachfolger des legendären Lancia Delta geplant. Es soll sich dabei um ein «muskulöses Schrägheckmodell, das Autofans in ganz Europa begeistern wird», handeln, wie die Italiener verkündeten. Ab 2028 sollen dann nur noch Fahrzeuge verkauft werden, die zu 100 Prozent elektrisch angetrieben werden.

Rallye-Legenden unter sich: Die Modelle Fulvia, Stratos, 037, Delta 4WD und Delta HF Integrale haben sich tief ins Herz der «Lancisti» gefahren.

Rallye-Legenden unter sich: Die Modelle Fulvia, Stratos, 037, Delta 4WD und Delta HF Integrale haben sich tief ins Herz der «Lancisti» gefahren.

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Modelle wie der Aurelia Convertible haben den Schönen und Reichen den Kopf verdreht.

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Der Lancia Beta Spider mit herausnehmbarem Kunststoffdach wurde zwischen 1974 und 1978 gebaut.

Der Lancia Beta Spider mit herausnehmbarem Kunststoffdach wurde zwischen 1974 und 1978 gebaut.

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Darüber hinaus will Lancia mit innovativen Materialien zur Stellantis-Marke mit dem höchsten Anteil an Recycling-Komponenten in der Fertigung werden und somit nach eigenen Aussagen einen Beitrag zum Erhalt der Umwelt für zukünftige Generationen leisten. Auch organisatorisch wird umgebaut: Damit der Schritt raus aus Italien gelingt, hat Lancia neue Landes-Manager für Deutschland, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg ernannt. Etwa 100 Händler in 60 europäischen Städten sollen sich um die Marke kümmern, die künftig aber gut die Hälfte ihrer Autos über Online-Verkäufe absetzen möchte. Was das für die Schweiz bedeutet, ist noch nicht bekannt.

Ja, es ist ein Lebenszeichen von Lancia – doch von Emotionen, von Sportlichkeit und Heritage ist auch nach dieser PR-Offensive nichts zu spüren. Ob die italienische Marke damit wieder Fuss fassen kann im europäischen Markt, wird sich zeigen. Zurück zum alten Glanz wird Lancia mit diesem Plan ganz sicher nicht finden. Und so werden die zahlreichen Fans weiterhin der Marke nachtrauern müssen – einer Marke, zu deren legendärer Pannenanfälligkeit Jeremy Clarkson einmal sagte: «Wenn man eine Bindung zu einem Auto aufbauen will, muss es menschliche Qualitäten haben, und wenn es menschliche Qualitäten hat, muss es auch Fehler haben.» Doch für Fehler gibt es in der heutigen Autowelt keinen Platz mehr.  

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