Aktualisiert 23.04.2014 16:57

Neue StrategieSo will Novartis in Zukunft Geld verdienen

Der Basler Pharmakonzern setzt neu auf den Markt für Krebsmedikamente. Der Grund: Die Zahl der Patienten steigt und die Forschung ist schneller und deshalb günstiger.

von
Isabel Strassheim
Novartis-Chef Joe Jimenez Ende Januar auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel.

Novartis-Chef Joe Jimenez Ende Januar auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel.

Der Kampf gegen Krebs bringt Milliarden: Die Onkologie steht darum neu im Fokus von Novartis, die mit ihrem Umbau hinter Roche zur weltweiten Nummer zwei auf diesem Markt aufrückt. Aus mehreren Gründen konzentriert sich Novartis-Chef Joe Jimenez auf diese Krankheit: Die Zahl der Krebskranken steigt. Zudem lassen sich mit Mitteln gegen Brustkrebs oder Hautkrebs hohe Gewinne erzielen, wie Experten sagen. Und: Die Forschung und Entwicklung ist im Gegensatz zu anderen Massenkrankheiten schneller und deshalb günstiger.

«Bei Krebs gibt es nur das eine Ziel, nämlich die Überlebensrate zu erhöhen», sagt der Pharmaspezialist der Zürcher Kantonalbank, Michael Nawrath, im Gespräch mit 20 Minuten. Deswegen laufe die Entwicklung eines neuen Medikamentes schneller und koste so auch weniger. Anders als bei Medikamenten gegen Herzinfarkt oder auch Alzheimer müssten klinische Studien nicht über fünf oder bis zehn Jahre laufen, um eine Wirksamkeit zu belegen.

Höhere Preise für Krebsmedikamente

Attraktiv ist die Krebsforschung jedoch auch, weil sich hohe Preise für Medikamente besser durchsetzen lassen als bei anderen Krankheiten. Denn es geht in vielen Fällen schlicht ums Überleben. «Da besteht sicher ein moralischer Druck auf die Krankenkassen», sagte Paul Rhyn, Sprecher vom Krankenkassenverband Santesuisse. Eine Studie von Helsana zeigt, dass die höchsten Preise und auch Umsätze in der Onkologie mit den neuen personalisierten Arzneimitteln erzielt werden, die auf den Wirkmechanismus eines Krebses abzielen. Die Analyse der Krankenkasse belegt auch, dass die Zahl der Krebspatienten in der Schweiz im Jahr 2012 um 65 Prozent gegenüber 2007 zugenommen hat. .

Schon jetzt macht Novartis allein mit Krebsmedikamenten einen Erlös von 11,2 Milliarden Dollar, das ist rund ein Fünftel vom gesamten Umsatz des Konzerns. Bestseller ist dabei das Leukämiemittel Glivec. Die am Dienstag bekannt gegebene Übernahme des Onkologie-Geschäftes der britischen GlaxoSmithKline für 14,5 Milliarden Dollar wird das Krebsmittelgeschäft zusätzlich ausweiten, und zwar zunächst um 1,6 Milliarden Dollar. Novartis trennt sich zugleich von der wenig profitablen Tiermedizin und seiner Impfstoffsparte.

Grosse Konkurrenz

Der Krebsmarkt ist jedoch nicht nur lukrativ, sondern auch stark umkämpft. Dank dem Zukauf will sich Novartis nun als Weltmarktführer bei Hautkrebs positionieren. Gleich zwei Präparate haben die Basler von den Briten übernommen. Tafinlar und Mekinist sind zwar für die Einzelbehandlung zugelassen, aber dem allgemeinen Trend der Krebstherapie entsprechend als Kombinationstherapie geplant. Zusammen könnten sie zu einem Blockbuster werden mit mehr als einer Milliarde Dollar Jahresumsatz, wie Analysten schätzen.

Und: Novartis könnte damit seinen Basler Heimkonkurrenten Roche ausstechen. Eine derzeit noch laufende Studie soll zeigen, ob die Tandembehandlung wirksamer ist als Roches bislang führendes Hautkrebsmittel Zelboraf.

Afrika im Visier

Geografisch peilt Novartis Afrika als neuen Wachstumsmarkt an – auch für Krebsmedikamente. Der Konzern geht davon aus, dass sich dort Zivilisationskrankheiten ausbreiten. Bis zum Jahr 2030, so die Schätzung, dürften dort mehr als 1,5 Millionen Menschen neu an Krebs erkranken.

Der profitabelste Markt für die Pharmaindustrie sind jedoch die USA. Aus einem einfachem Grund: Dort gibt es keine staatlich festgesetzten Medikamentenpreise. Die Konzerne sind frei, sie selbst zu bestimmen und können sogar Preise für ältere Arzneien erhöhen.

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