Aktualisiert 21.01.2016 13:12

Hohe Abhängigkeit

So will Sommaruga Jobs für Flüchtlinge fördern

Simonetta Sommaruga will weniger Flüchtlinge in der Sozialhilfe. Damit könne die Schweiz auch viel Geld sparen.

von
daw
«Es ist doch absurd: Unsere Unternehmen rekrutieren im Ausland jedes Jahr Zehntausende Arbeitskräfte, obwohl in der Schweiz Tausende erwerbsfähige Flüchtlinge Sozialhilfe beziehen», sagt Simonetta Sommaruga. Im Bild: Besuch der Asylunterkunft Riggisberg am 2. Juli 2015.

«Es ist doch absurd: Unsere Unternehmen rekrutieren im Ausland jedes Jahr Zehntausende Arbeitskräfte, obwohl in der Schweiz Tausende erwerbsfähige Flüchtlinge Sozialhilfe beziehen», sagt Simonetta Sommaruga. Im Bild: Besuch der Asylunterkunft Riggisberg am 2. Juli 2015.

Keystone/Peter Schneider

«Es ist doch absurd: Unsere Unternehmen rekrutieren im Ausland jedes Jahr Zehntausende Arbeitskräfte, obwohl in der Schweiz Tausende erwerbsfähige Flüchtlinge Sozialhilfe beziehen. Da stimmt etwas nicht!», sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga am Donnerstag bei einem Vortrag am Asylsymposium in Bern gemäss dem Redetext.

Das Gastgewerbe habe 2014 rund 32'000 Personen im Ausland rekrutiert, die Landwirtschaft 9000. Hier brauche es dringend ein Umdenken. Sommaruga fragte rhetorisch: «Will da wirklich jemand behaupten, dass es unter den Flüchtlingen keine entsprechenden Arbeitskräfte gegeben hätte?»

Sommaruga will Hürden abbauen

Die Sozialhilfequote ist im Asylbereich mit über 80 Prozent sehr hoch. Auch von den anerkannten Flüchtlingen hat nur jeder fünfte einen Job. Die Justizministerin will dies mit verschiedenen Massnahmen ändern, die teilweise schon geplant sind:

Mehr Anreize: Heute müssen Asylsuchende und vorläufig aufgenommene Personen zehn Prozent des Lohns an den Bund abgeben. Die Sonderabgabe soll gestrichen werden. Das Ziel: Auch bei tiefen Löhnen soll sich das Arbeiten lohnen.

Weniger Bürokratie: Der Bundesrat will die Arbeitsbewilligungspflicht für Arbeitgeber abschaffen und durch eine Meldepflicht ersetzen. Denn laut Sommaruga stellt sich heute die Frage, weshalb Unternehmen den Aufwand auf sich nehmen sollten, wenn sie ohne weiteres Personen aus Deutschland oder Portugal anstellen könnten.

Statusänderung: «Ein weiteres heisses Thema wollen wir in den kommenden Monaten anpacken: den Status der vorläufigen Aufnahme.» Allein die Bezeichnung ‹vorläufig› halte viele Arbeitgeber davon ab, Personen mit diesem Status einzustellen. Nun werde ein Bericht mit Verbesserungsvorschlägen ausgearbeitet.

Laut Sommaruga rechnen sich verstärkte Bemühungen für die Integration der Asylsuchenden auch finanziell: Allein der Bund spare 18'000 Franken an Sozialhilfebeiträgen, wenn eine Person um ein Jahr früher eine Erwerbsarbeit aufnehme.

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