Aktualisiert 22.05.2020 12:18

Über Gletscher nach Italien

Dieses Rennen von Zermatt könnte das Lauberhorn ausstechen

Nach den Schocknachrichten rund um das Lauberhornrennen präsentiert Zermatt Details zu seinen Weltcupplänen. Diese sind spektakulär.

Darum gehts

  • Wegen Differenzen bezüglich der TV-Einnahmen ist das Lauberhornrennen in seiner Existenz bedroht
  • Zermatt will schon länger ein Weltcuprennen durchführen und gibt nun erste Einblicke in die Pläne
  • Die Rede ist von der längsten Rennstrecke der Welt. Sie soll auch über den Gletscher führen

Die Schocknachricht, dass das beliebte Weltcuprennen in Wengen gestrichen werden soll, haben viele noch nicht verdaut. Und doch vermeldet just in diesen Tagen Zermatt, dass es im Weltcupzirkus mitmischen will. Und wie sogar! Die Rede ist von einer Abfahrt mit Rekorddimensionen. Sie soll vom Klein Matterhorn startend mit einer Länge von fast fünf Kilometern über die Grenze nach Italien gehen und im Skigebiet von Cervinia im Aostatal ins Ziel führen. Das sagte der Präsident der Zermatt Bergbahnen AG, Franz Julen, der «Neuen Zürcher Zeitung» am Freitag: «Wir wollen dieses Rennen – und wir werden alles dafür tun.» Die Bestätigung der Pläne kommt zu einem heiklen Zeitpunkt, nachdem vor wenigen Tagen der Streit zwischen dem Schweizer Verband und Wengen eskaliert war. Swiss-Ski hat den Weltcupklassiker aus dem Programm für die Saison 2021/2022 genommen. Die Organisatoren gingen daraufhin mit happigen Vorwürfen an die Öffentlichkeit.

Rennen über den Gletscher

Die Skiverantwortlichen von Zermatt sagten dazu, dass sie das Lauberhornrennen im Januar nicht aus dem Kalender verdrängen wollen, sondern ihre Abfahrt zum Beginn der Saison im November planen. Das Rennen, dessen Premiere im Spätherbst 2022 anvisiert wird, soll auf 3899 Metern Meereshöhe starten und mit knapp fünf Kilometern länger sein als die derzeitige Rekordstrecke im alpinen Weltcup, just die Lauberhornabfahrt von Wengen. Das Rennen, welches auch über den Gletscher führen soll, wird laut den Organisatoren jeweils im November stattfinden. Die Rede ist von tiefen Investitionskosten und «keine grösseren» baulichen Massnahmen am Berg.

Der Weltverband FIS zeigt bereits Interesse an de Plänen aus Zermatt. «Novemberabfahrten in Zermatt – das passt wunderbar in unseren Kalender. Wir stehen voll und ganz hinter dem Projekt», sagte der in Kürze scheidende FIS-Präsident Gian Franco Kasper.

Keine Bedrohung

Ist die Ankündigung aus Zermatt der Todesstoss für das Lauberhornrennen? «Auf keinen Fall», sagt Urs Näpflin, OK-Präsident in Wengen. Swiss-Ski würde derzeit nur die Muskeln spielen lassen: «Aber aufgrund der Reaktionen der letzten Tage gehe ich davon aus, dass wir bald zu einer Einigung kommen. Etliche Parteien hätten sich seit dem Bekanntwerden der Nachricht für das Rennen stark gemacht und seine Wichtigkeit betont. Rund 60’000 Zuschauer werden jährlich beim Rennen in Wegen gezählt, 1 Million verfolgt das Ereignis am Fernseher: «Es ist das wichtigste Sportereignis der Schweiz. Das wird der Verband nicht aufgeben», sagt Näpflin. Er gehe davon aus, dass sich Swiss-Ski und das OK bald an einen Tisch setzen könnten, «um gemeinsam einen gangbaren Weg für die Zukunft zu definieren.»

Die pläne aus Zermatt versteht Näpflin nicht als Angriff auf das Lauberhornrennen: «Es ist ein Speedrennen, das im November stattfinden soll. Das funkt uns nicht drein.» Er wünsche Zermatt viel Glück bei der Realisierung: «Es wäre ein Gewinn für den gesamten Skisport.» Auch der Zermatter Bergbahnenchef Julen sagt, er wolle Wengen nicht schaden: «Der Weltcup ohne Wengen – das wäre ein Eigentor des Skisports, er würde einer Tradition beraubt, undenkbar. Man wird sich einigen.»

Das Lauberhorn auf der Kippe

Swiss-Ski und die Organisatoren in Wengen streiten um die Verteilung der Einnahmen aus den Fernsehrechten. Dieser ist nun so weit eskaliert, dass der nationale Verband beim Internationalen Skiverband (FIS) beantragte, das Lauberhornrennen ab 2021/2022 aus dem Weltcupkalender zu streichen. Das OK reagierte mit Unverständnis, signalisierte jedoch gleichzeitig Gesprächsbereitschaft. Im kommenden Winter steht das Lauberhornrennen bereits im Rennkalender. Unklar ist jedoch die Situation für die Saison 2021/2022 und folgende.

(DPA/CHO)
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48 Kommentare

Rob de Bob

22.05.2020, 12:00

Solche Ausstrahlung und Begeisterung weit über die Landesgrenze hinaus wie die Lauberhornrennen wird Zermatt nie erreichen. Zermatt wird im gleichen Rahmen wahrgenommen werden wie Sölden im Weltcupzirkus gutes Mittelmas aber in die Liga von Kitzbühl und Wengen wirds nicht reichen.

journii

22.05.2020, 12:06

Der Titel ist mal wieder falsch ... Zermatt will Wengen eben NICHT ausstechen. Bin auch Journalistin, aber so Fehler nerven.

Leser

22.05.2020, 12:01

Neue Strecke unbedingt bringen und das Lauberhorn weiterführen!