Aktualisiert 31.01.2012 15:29

Die Timeline als Video

So wird Facebook zum Kino

Mit der Facebook-Timeline verwandelt sich das Profil in einen umfassenden Lebenslauf. Die App Timeline Movie Maker setzt noch einen drauf. Sie erstellt aus den geteilten Inhalten den Film des Lebens.

von
owi

Mark Zuckerbergs soziales Netzwerk hat einen neuen Weg gefunden, den Mitgliedern die umstrittene Facebook-Timeline schmackhaft zu machen.

Wem diese Art der Selbst-Darstellung noch nicht reicht, kann nun mit der Facebook-App Timeline Movie Maker sein Leben in einem einminütigen Video verfilmen. Das Gratis-Programm fügt auf Facebook geteilte Bilder und Videos automatisch zu einem kurzen Filmchen zusammen. Das Video mit den Höhepunkten seines Facebook-Lebens zu erstellen, ist somit denkbar einfach.

So funktionierts

Mit der Timeline – zu Deutsch Chronik – verwandelt sich das Profil in einen einzigen, grossen Lebenslauf. So lässt sich rasch und bequem durch Fotos, Status-Meldungen oder Kommentare aus den letzten Facebook-Jahren scrollen.

Der Movie Maker wählt die «besten» Inhalte der Chronik für das Timeline-Video aus, indem die App untersucht, welche Bilder oder Videos von zahlreichen Kontakten empfholen (geliked) oder kommentiert wurden. Ist der Film erstellt, lassen sich nachträglich einzelne Inhalte auswechseln und das fertige Werk kann auf Facebook den Freunden präsentiert werden.

Die App der Firma Definition 6 verlangt vor der Installation Zugriff auf zahlreiche Profil-Informationen wie Aktivitäten, Wohnort, Likes, Beziehungsstatus, politische Einstellung und Arbeitgeber. Natürlich braucht die App auch Zugriff auf die veröffentlichten Fotos, Videos, Kommentare und Ereignisse. Wer der App diese Informationen anvertrauen will, erhält nach wenigen Minuten sein Timeline-Video.

Ausgefuchste Werbekampagne

Die Filmchen sind anscheinend ein Versuch, die Timeline auch bei den kritischen Facebook-Nutzern beliebter zu machen. Letzte Woche hat Facebook angekündigt, die Timeline schrittweise für alle Mitglieder verpflichtend zu machen, was viel kritisches Echo ausgelöst hat.

Dass der Timeline Movie Maker genau jetzt erscheint, ist kein Zufall. Mit den persönlichen Videos animiert das soziale Netzwerk seine Mitglieder dazu, selbst Werbung für das neue Facebook zu machen.

Facebook informiert

Bei den Faceook-Nutzern löst die rollende Verbreitung der Timeline grosse Unsicherheit aus. Das soziale Netzwerk ging deshalb am Freitag vergangener Woche in die Offensive und verschickte «ein Pfund an Informationen» an die Medien. «Das Gerücht, dass die Chronik für alle am 1. Februar 2012 kommt, ist falsch», sagt Facebook.

Die Chronik wird in den nächsten Wochen Schritt für Schritt für alle Nutzer weltweit verfügbar sein. Wenn Nutzer die Facebook Chronik erhalten haben, sehen sie dies ganz deutlich am oberen Rand auf ihrer Facebook Startseite. Erscheint die Chronik, hat man nach der «Einführungstour» sieben Tage Zeit, um sie zunächst individuell anzupassen, bevor sie für andere sichtbar wird. Diese Zeit sollte man sich nehmen, um besondere Beiträge hervorzuheben, andere vielleicht von der Chronik zu entfernen oder individuell neu einzustellen, wer verschiedene Statusmeldungen und Fotos sehen soll.

Im Weiteren teilt Facebook mit: «Bereits gelöschte Beiträge tauchen in der Chronik nicht wieder auf. Es werden keine Informationen sichtbar, die vorher nicht sichtbar waren. Wer seine alten Beiträge nicht überprüfen möchte, kann auch ganz einfach das Publikum für alle alten Beiträge in seinen Privatsphäre-Einstellungen beschränken.» Besonders den letzten Satz sollten sich alle zu Herzen nehmen, die nicht all ihren Kontakten den Lebenslauf auf dem Serviertablett präsentieren wollen. (owi)

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