14.07.2020 18:51

Polizisten entwaffnet

So wird «Schwarzwald-Rambo» Yves Rausch (31) im Internet gefeiert

Yves Rausch hat am Sonntag vier Polizisten entwaffnet und ist geflüchtet. Seither wird nach ihm in Oppenau (D) – unweit der Schweizer Grenze – gefahndet. Im Internet wird er für seine Aktion gefeiert.

von
Qendresa Llugiqi

«Schwarzwald-Rambo» Yves Rausch (31) wird im Internet gefeiert.

Video: 20 Minuten

Darum gehts

  • Die Polizei sucht seit Sonntag nördlich von Freiburg nach Yves Rausch (31).
  • Er hat vier Polizisten bedroht und entwaffnet und ist anschliessend in den Wald geflohen.
  • Für seine Aktion wird Rausch nun auf Facebook gefeiert.

Seine Anhänger feiern Yves Rausch (31) als den neuen Robin Hood: Der Einsiedler mit Pfeil und Bogen aus dem Schwarzwald hat auf Facebook eine eigene Fan-Community. Am Sonntag entwaffnete er vier Polizisten und floh mit den Waffen in den Wald. Derzeit suchen mehr als 1500 Einsatzkräfte nach Rausch. Auch Helikopter, Notärzte und Suchhunde sind im Einsatz.

Die Faszination und Anerkennung für den «Wald-Rambo» kommt in der eigens für Rausch kreierten Facebook-Gruppe «Yves Rausch Fan Club» zum Ausdruck. Dort heisst es etwa: «Wer ist sein Vater? Chuck Norris? Oder Rambo?» Die Antwort darauf: «Beide.» Auch Anspielungen auf verschiedene Filme, in denen die Hauptrolle jeweils neu mit Rausch besetzt werden soll, finden grossen Anklang in der Gruppe.

«Wir stehen hinter dir, solange du keinem Unschuldigen etwas machst»

Lustig machen sich die User insbesondere über die Entwaffnung der Polizisten. So heisst es unter einem Meme von Rausch: «Er hat ein entwaffnendes Lächeln.» Und ein User fragt schelmisch: «Welche Ausrüstung sollte die Polizei Yves Rausch als nächstes bringen?» Unter den Vorschlägen: ein Dildo – bezeichnet als Gummi-Knüppel, Wasserpistolen und Wasserwerfer.

Interessant dabei: Die Leute scheinen Rausch vor allem dafür zu feiern, dass ihm all das gelungen ist – ohne jemanden zu verletzen. So schreibt ein User: «Ich und die Jungs aus Adelsheim stehen hinter dir, solange du keinem Unschuldigen etwas machst. Call me, Bro. Ich sag dir, wie du es in die Türkei schaffen würdest. Die würden dich auch ins Militär aufnehmen.» Ein anderer Fan hat eine Petition gestartet, die Amnestie für Rausch fordert, «bevor ihn die Polizei erschiesst». Denn: «Er hat niemandem etwas getan.»

«Je grösser ein Verbrechen, desto grösser die Faszination»

Der österreichische Psychiater Reinhard Halle sieht bei Rausch die Faszination in der Ausführung seiner Tat: «Es bedarf Mut und Schlauheit, um vier Polizisten zu entwaffnen und dann zu flüchten.» Solche Szenen würden viele nur aus Filmen kennen – Rausch habe diese nun in die Realität geholt. «Dass die Aktion gegen die Polizei und somit gegen ‹die da oben im System› gerichtet war, imponiert den Leuten. Viele wünschen sich, selbst zu so etwas imstande zu sein. Deshalb sind sie bereit, über eine verwerfliche beziehungsweise strafbare Handlung hinwegzusehen.» Die Faszination für Rausch verstärke sich dadurch, dass bei der Aktion niemand verletzt worden sei: «Sich zur Wehr setzen, ohne Schaden anzurichten, spricht für eine gewisse Meisterhaftigkeit des Verbrechers. Es zeigt, dass er eine gewisse kriminelle Qualität hat und nicht einfach nur brutal ist.»

Verbrechen würden die Menschen generell faszinieren. «Sie lösen Urgefühle aus. Wir wissen, dass in jedem von uns ein gewisses Potenzial an Bösem schlummert. Verbrechen halten uns einen Spiegel vor, wodurch wir uns mit diesem Potenzial auseinandersetzen müssen. Wir denken dann: ‹Das könnte auch ich sein.›» Erwiesen sei: «Je grösser ein Verbrechen, desto grösser die Faszination.» Es gebe immer wieder Fälle, in denen Frauen sich sogar in Serienmörder verlieben.

Wie die Behörden am Dienstagnachmittag an einer Pressekonferenz mitteilte, umfasst das Strafregister von Rausch mehrere Vergehen gegen das Waffengesetz. So schoss er im Alter von 20 Jahren mit einer Armbrust auf seine Ex-Freundin. Auch fanden die Ermittler auf dem Handy von Rausch drei Bilder mit kinderpornografischen Inhalten. Ob die Fans von diesen Straftaten wissen, ist unklar.

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