Produkte, Preise, Lieferfristen: So wirken sich die chinesischen Knallhart-Lockdowns auf uns aus
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Produkte, Preise, LieferfristenSo wirken sich die chinesischen Knallhart-Lockdowns auf uns aus

Shanghai ist dicht. Chinas rigorose Corona-Abschattung belastet die globalen Lieferketten. Es  drohen Engpässe bei iPhones, PCs und TVs sowie Schuhen und Möbeln.

von
Fabian Pöschl
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Im Lockdown in Shanghai müssen Millionen Menschen in ihren Wohnungen bleiben. Nachrichten bekommen sie per Megafon.

Im Lockdown in Shanghai müssen Millionen Menschen in ihren Wohnungen bleiben. Nachrichten bekommen sie per Megafon.

REUTERS
Die Menschen bekommen kaum noch Lebensmittel und Medikamente.

Die Menschen bekommen kaum noch Lebensmittel und Medikamente.

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Wegen des Knallhart-Lockdowns steht auch die Produktion in der Stadt und der Region still.

Wegen des Knallhart-Lockdowns steht auch die Produktion in der Stadt und der Region still.

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Darum gehts

  • China riegelt Millionenstädte wegen Corona-Infektionen gnadenlos ab.

  • An vielen Orten steht nun die Produktion still.

  • Jetzt drohen Lieferengpässe bei zahlreichen Produkten.

In der chinesischen Metropole Shanghai sind Millionen Menschen seit Wochen und auf unbestimmte Zeit im harten Lockdown. In der Millionenstadt liegen die Nerven blank, die Menschen haben kaum Zugang zu Essen oder Medikamenten.

Dadurch schmiert auch die Wirtschaft ab. Konsum gibts in Shanghai praktisch keinen mehr: Die Mehrheit der Bevölkerung darf die Wohnung oder Häusersiedlung nicht verlassen und die Läden sind geschlossen, wie Peter Bachmann zu 20 Minuten sagt, der vor Ort ist.

Er ist Executive Director der schweizerisch-chinesischen Handelskammer in Shanghai. Allein die Millionenmetropole macht vier Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas aus. Doch auch in vielen weiteren Städten in der Region gibts Einschränkungen.

Chinas Wachstum bedroht

Die Lockdowns belasten laut Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch auch die Produktion in China. Deshalb erwartet er deutliche Auswirkungen auf die Wirtschafsleistung im Land im laufenden zweiten Quartal. Wegen Chinas Zero-Covid-Politik (siehe Box) sei mit weiteren Lockdowns zu rechnen. Es könnte also noch viel schlimmer kommen und das Wachstum in China merklich belastet werden.

Chinas Zero-Covid-Politik

Der chinesische Parteistaat hält trotz zunehmender Omikron-Infektionszahlen und harten Lockdowns an der Null-Covid-Strategie fest. Der kommunistischen Partei gehe es dabei nicht nur um die Gesundheit des Volkes, sondern auch um grössere wirtschaftliche und vor allem politische Zusammenhänge, sagt China-Experte Ralph Weber vom Europainstitut der Universität Basel zu 20 Minuten. Der Parteisekretär der Nationalen Gesundheitskommission habe klargemacht, dass es um die Sicherung des bisherigen Erfolgs in der Covid-Bekämpfung und um den «Sieg des 20. Nationalen Parteikongresses» im Herbst gehe. An diesem will sich Xi Jinping in Abweichung zur bisherigen Praxis zum dritten Mal als Generalsekretär bestätigen lassen.

Jede Lockdown-Woche kostet die chinesische Wirtschaft gemäss Credit-Suisse-Ökonomin Franziska Fischer etwa 0,05 Prozentpunkte des jährlichen Wachstums. Die Bank korrigierte deshalb ihre jährliche Wachstumsprognose für China von 5,9 Prozent auf 5,3 Prozent.

Schweizer müssen mehr bezahlen

Für die Schweiz bedeutet das weitere Lieferengpässe. Shanghai und die umliegenden Regionen seien dynamische Produktions- und Exportregionen, sagt China-Experte Bachmann. «Es fehlt nicht nur an fertigen Produkten für den Export, sondern auch an Teilen und Zwischenprodukten», so Bachmann.

Viele Firmen, die für den Export produzieren, stünden nun still. Shanghai hat einen der grössten Häfen der Welt. Dort warteten nun Hunderte Containerschiffe. Betroffen sei die Produktion zahlreicher Produkte, vom iPhone über PCs, TVs und Staubsaugern bis hin zu Schuhen und Möbeln.

«Da die Schweizer Wirtschaft viel aus China importiert, wird das für den Konsumenten in den nächsten Monaten spürbare Folgen haben», sagt Bachmann. Es gebe längere Wartezeiten und höhere Preise.

China versuchts mit Arbeitsplatz-Bubbles

Gemäss UBS-Ökonom Alessandro Bee können auch Lieferschwierigkeiten in anderen Ländern auftreten. Etwa, wenn dort die Firmen nicht produzieren können, weil ein Engpass bei chinesischen Vorprodukten herrscht. Schweizer Firmen rechneten bereits im März mit längeren Lieferfristen.

Neben dem Ukraine-Krieg und der weltweit hohen Inflation bedeuteten diese Engpässe weiteren Gegenwind für die Schweizer Wirtschaft. Die bereits stark belasteten globalen Wertschöpfungsketten kämen nun zusätzlich unter Druck, sagt Bee.

Credit-Suisse-Ökonomin Fischer erwartet allerdings nicht, dass die Lieferengpässe derart gravierend werden wie zu Beginn der Corona-Krise. Da China versuche, die Unternehmen von der Umwelt hermetisch abzuriegeln, könne in einigen Betrieben die Produktion aufrechterhalten werden. 

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