26.09.2016 17:22

SkurrilSo wohnt das Künstlerpaar im Kieswerk

Skulpturen im Garten, ein Förderband vor dem Fenster, Maschinenteile im Wohnzimmer und ganz viel Licht: So lebt es sich in einem Industriedenkmal.

von
D. Gschweng
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Wohnen im Kieswerk: Für das Künstlerpaar Ania Dziezewska und Volker Scheurer das Normalste der Welt.

Wohnen im Kieswerk: Für das Künstlerpaar Ania Dziezewska und Volker Scheurer das Normalste der Welt.

Frantisek Matous
Volker Scheurer ist Künstler und baut bereits seit 15 Jahren am Kieswerk. Ständig kommt Neues dazu, Altes wird abgebrochen. Das Kieswerk ist ein sich ständig wandelndes Kunstwerk.

Volker Scheurer ist Künstler und baut bereits seit 15 Jahren am Kieswerk. Ständig kommt Neues dazu, Altes wird abgebrochen. Das Kieswerk ist ein sich ständig wandelndes Kunstwerk.

Frantisek Matous
So sieht das auch Ania Dziezewska. Vor sieben Jahren stellte sie ihre Bilder hier aus, kurz darauf machte Volker Ferien in Polen und Ania zog samt Kind und Regenbogenfrisur ins Kieswerk.

So sieht das auch Ania Dziezewska. Vor sieben Jahren stellte sie ihre Bilder hier aus, kurz darauf machte Volker Ferien in Polen und Ania zog samt Kind und Regenbogenfrisur ins Kieswerk.

Frantisek Matous

Dass daheim vor dem Fenster ein Förderband endet, eine Umwälzrolle mitten in der Wohnung steht und sich darunter eine Kunstgalerie befindet, ist ungewöhnlich. Für Ania Dziezewska und Volker Scheurer ist es Normalität. Das Künstlerpaar wohnt in einem umgebauten Kieswerk.

Skurril kann man das Gebäude im deutschen Weil am Rhein schon nennen, vielleicht sogar surreal oder magisch. Die Zusammenstellung aus alten Maschinen, Treppenaufgängen und Wohnräumen ist auf jeden Fall sehenswert. Seit 15 Jahren baut Scheurer daran. In jahrelanger Kleinarbeit, vielen An- und Umbauten wurde aus dem Förderturm im Zentrum der «Kunstraum Kieswerk», der gleichzeitig ein Industriemuseum, eine Galerie und ein Veranstaltungsraum ist.

Glasmöbel, Live-Paintings und ein Balkon wie ein Sprungbrett

Kein Raum in diesem Maschinenorganismus befindet sich auf derselben Ebene. Rund 100 Quadratmeter sind zur Wohnung umgebaut – Platz für eine kleine Küche, ein Bad und mehrere Zimmer. Vor einem der Fenster endet das alte Förderband, in der bunt gestalteten Nische gegenüber liegt die Umwurfrolle.

Dazwischen hängt ein Live-Painting, das Henryk Czesnik, einer von Dziezewskas Professoren, während eines Vortrags gemalt hat. Überall hängen fertige und halbfertige Kunstwerke, stehen Fundstücke, Mitbringsel, hängen farbige Lichterketten.

Vor allem gibt es sehr viel Licht. Durch das Dach kann man die Aussichtsplattform über dem Haus sehen. Im grossen Wohn- und Arbeitszimmer stehen zwei gläserne Schreibtische und ein grosser Wohnzimmertisch, auch dieser aus Glas. Aus dem Wohnzimmer ragt ein Balkon, der aussieht wie ein Sprungbrett: knapp zwei Meter breit, geradeaus ins Grüne.

Die wichtigsten Bewohner: Frau Mops und eine schwarze Katze

Was er zum Förderturm dazu gebaut hätte, seien nur «reine Zweckbauten», sagt Scheurer bescheiden. «Nein, das ist Kunst!», widerspricht Dziezewska. Vor sieben Jahren kam die Malerin im Kieswerk an. Das heisst: Zuerst kamen ihre Bilder zu einer internationalen Gemeinschaftsausstellung, dann kam die gebürtige Polin mit der Regenbogenfrisur selbst. Zwei Wochen später machte Scheurer Ferien in Polen, Dziezewska zog im Kieswerk ein. Ausser dem Künstlerpaar wohnen dort derzeit Dziezewskas 17-jähriger Sohn, der Mops Puga, was so viel heisst wie Frau Mops, und eine schwarze Katze.

«Unsere Privaträume sind eigentlich von Tieren bewohnt», sagt die Malerin. Wenn nicht von lebenden, dann von selbst gestalteten: Etliche Modelle, Skulpturen und Zeichnungen, die an Tiere erinnern, stehen auf den Ablageflächen. Das Paar hat sich für die laufende Schaffensperiode das Thema Tiere gesetzt.

Das liebe Geld – und ein Heizkonzept

Das urtümliche Ding, mit dem die Katze auf dem Wohnzimmertisch spiele, sei das Skelett eines Pfeilschwanzkrebses, vorgesehen für eine neue Skulptur, erklärt der Bildhauer. Wenn sie sich verkauft, wird der Kieswerkturm eine neue Treppe bekommen oder einen neuen Erker. Wenn nicht, dann eben nicht. Sowohl Scheurer als auch seine Partnerin leben von und mit der Kunst.

«Man lebt hier schon nahe an der Natur», sagt der Bildhauer und schaut nach draussen ins Grüne. Und wie stehts in der kühleren Jahreszeit mit Heizen? Mit den zahlreichen Fenstern bestimmt nicht einfach. «Schwierig», gibt Scheurer zu, ein einheitliches Konzept wäre gut. Wirklich kalt, sagt er, werde es im Winter im Kieswerkturm nicht, eher schon im Sommer zu warm, aber das störe wenig.

Scheurer stellt zwei Bronzeskulpturen auf den Tisch, eine futuristische Variante der bekannten Kinderpuppen Barbie und Ken. Dazu gehört ein kurzer Text: «Ken denkt nach …» Wen interessiert da schon ein Heizkonzept?

Den 1. Teil des Porträts lesen Sie hier.

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