Hotel und Luxuswohnungen: So wohnt Zürichs Upper Class im Tower
Aktualisiert

Hotel und LuxuswohnungenSo wohnt Zürichs Upper Class im Tower

Das zweithöchste Hochhaus Zürichs ist bezugsbereit: Unten im Mobimo-Tower logieren künftig «moderne Weltenbummler», in den Stadtresidenzen oben gutbetuchte Urbanisten.

von
J. Bedetti und D. Galka

So sehen die Luxuswohnungen von innen aus und Projektleiter Marc Pointet im Gespräch.

Die Welt der Wohlhabenden ist auch in der Schweiz eine Insel, die vom Rest der Gesellschaft zu einem gewissen Mass abgeschottet ist. Heute Morgen, am Medientermin zur Eröffnung des Mobimo-Towers bei der Grossbaustelle Zürich-West, konnte man einen Blick hinter die Fassaden erhaschen.

Empfangen wurden die Pressevertreter von krawatten- und funkgerätbehangenen Securitymännern, bewirtet wurden sie mit einem Fünfsternebüffet und Champagner. In der Eingangshalle glänzten das Glas, der Marmor und die Bataillone von Weingläsern im Hotelsteakhouse.

Businesspeople

Der Mobimo-Tower ist eine Kombination aus einem «Lifestyle-Hotel fürs gehobene Segment», wie eine PR-Frau sagte, und einem «vertikalen Villenviertel», wie die «NZZ» schrieb. Auf den unteren 15 Stockwerken logieren die Gäste des Hotels «Renaissance», in den Stockwerken 16 bis 23 sind 53 luxuriöse Eigentumswohnungen entstanden. Und mit seinen 81 Metern (nur noch der Prime Tower mit 126 Metern überragt ihn) setzt der Mobimo Tower in der Zürcher Skyline eine neue Marke.

Das «Renaissance», welches die sonst mit Kantinen beschäftigte SV Group betreibt, bietet rund 300 Zimmer, darunter eine 160 Quadratmeter grosse «Presidential Suite», an. Als Kunden erwartet die PR-Frau weniger Familien («sind natürlich auch herzlich willkommen») als «moderne Weltenbummler, Explorer und Discoverer», sprich Businesspeople. Das aufwändige Interieur besteht aus Ecken, dunklem Holz, Stahl, Glas, cremefarbenen Möbeln, mediokrer Kunst und violetten Kissen mit kitschigen Mustern. Das Hotel ist (trotzdem) bis September ausgebucht, wie Philippe Echenard, Chef der SV-Group, sagte. Am 15. August öffnet es seine Pforten.

Lokalpatrioten

Noch ein paar Ticks exklusiver geht es in den Stockwerken oberhalb des «Renaissance» zu. Ab Oktober werden dort die Mieter der Eigentumswohnungen einziehen. Erst rund zwei Drittel der 53 Stadtresidenzen seien verkauft, sagt Projektleiter Marc Pointet. «Hochpreiswohnungen in einem Hochhaus sind etwas Neues in der Schweiz», erklärt er. Ungewohnt sei auch das Serviceangebot: Die Bewohner können fast alle Dienste des Hotels - von der Sauna bis zum Zimmerservice - in Anspruch nehmen, gegen Entgelt natürlich.

Zu haben gibt es die Wohnungen in zwei Versionen: Die 100 Quadratmeter-Appartements verkauft man laut Pointet vor allem an Geschäftsleute von ausserhalb, die einen Zweitwohnsitz in Zürich wollen. Die grossen bis zu 300 Quadratmeter grossen Residenzen hingegen würden von älteren Menschen, die bisher in einer Villa gewohnt haben, als Hauptwohnsitz genutzt. «Vor allem hat uns gefreut, dass viele Zürcher unter den Käufern sind - die Wohnungen werden also kaum leer stehen», sagt Pointet.

«Mobimo Tower gibt Zürich Identität»

Der Mobimo Tower ist das Werk des bekannten Basler Architekten Roger Diener. Herr Diener, was zeichnet den Mobimo Tower aus?

Der Mobimo Tower ist das Werk des bekannten Basler Architekten Roger Diener. Herr Diener, was zeichnet den Mobimo Tower aus?

Roger Diener: Trotz 81 Metern Höhe wirkt er nicht aufdringlich und gibt der Stadt Identität. Aufgrund der verschieden grossen Fenster ist gut zu erkennen, wo sich das Hotel befindet und wo gewohnt wird.

Warum gibt es keine Balkone?

Balkone in Hochhäusern sind nicht unproblematisch und auch nicht sehr geschätzt. Gefragt sind wie hier beim Mobimo Tower grosse Wohnräume und grosse Fenster, die sich übrigens öffnen lassen.

Hochhäuser sind wieder im Trend, weshalb?

Es hat ein Umdenken stattgefunden. Gerade in einer Stadt bieten Hochhäuser attraktive Wohnqualität mit einem tollen Ausblick. Die Zeiten sind vorbei, als es hiess, eine Wohnung müsse in Spielplatz-Rufweite liegen.

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