Textroboter fordert Luzerner Hochschulen heraus

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Hype um TextroboterSo wollen sich Luzerner Hochschulen gegen die Text-KI ChatGTP wappnen

Ein neuer Textroboter kann Hausaufgaben, Referate und Seminararbeiten schreiben. Das zwingt auch die Universität Luzern und die Hochschule Luzern zum Umdenken. Schnelle Massnahmen müssen nun her.

von
Vanessa Federli
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Künstliche Intelligenz verändert den Hochschulalltag deutlich. 

Künstliche Intelligenz verändert den Hochschulalltag deutlich. 

IMAGO/Westend61
Seit Ende 2022 sorgt die neue Software ChatGPT eines amerikanischen Unternehmens für Aufruhr. Das Programm gibt Textantworten zu Fragen, basierend auf künstlicher Intelligenz.

Seit Ende 2022 sorgt die neue Software ChatGPT eines amerikanischen Unternehmens für Aufruhr. Das Programm gibt Textantworten zu Fragen, basierend auf künstlicher Intelligenz.

IMAGO/NurPhoto
Es werde zurzeit Verschiedenes geprüft. So könne ChatGPT bei Prüfungen oder schriftlichen Arbeiten zum unerlaubten Hilfsmittel erklärt werden, heisst es von der Universität Luzern.

Es werde zurzeit Verschiedenes geprüft. So könne ChatGPT bei Prüfungen oder schriftlichen Arbeiten zum unerlaubten Hilfsmittel erklärt werden, heisst es von der Universität Luzern.

Universität Luzern

Darum gehts

  • Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch und zwingt Bildungsinstitute, Massnahmen zu ergreifen.

  • Seit Ende 2022 sorgt die neue Software ChatGPT für grosse Aufregung. Das Programm wirft umfassende Textantworten zu Fragen aus.

  • Diese Massnahmen unternehmen die Uni Luzern und die Hochschule Luzern.

Die Möglichkeiten des Chatbots ChatGPT sind so gut wie unbegrenzt: Er verfasst mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) Essays, Bewerbungsschreiben oder beantwortet Wissensfragen. Die neue Software ChatGPT des Unternehmens OpenAI sorgt unlängst für Begeisterung. Das zwingt Schulen und Universitäten, sich gegen das maschinelle Ghostwriting zu wappnen. Gesucht sind Lösungen im Umgang mit KI. Was unternehmen die Universität Luzern und die Hochschule Luzern?

Universität toleriert keinen Missbrauch

«Es wird zurzeit Verschiedenes geprüft. So kann ChatGPT bei Prüfungen oder schriftlichen Arbeiten zum unerlaubten Hilfsmittel erklärt werden», teilt Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter der Uni Luzern, mit. «Hinsichtlich Prävention und Kontrolle gibt es an der Universität Luzern zwei Pfeiler: zum einen die frühe Sensibilisierung der Studierenden bezüglich redlichen Verhaltens in der Wissenschaft und zum anderen eine gute und enge Betreuung durch die Dozierenden.» Für Nutzende besteht mit der aktuellen Version von ChatGPT die Gefahr, auf einer inhaltlich und analytisch nicht besonders tiefen Ebene zu verbleiben und ein falsches Gefühl der Kompetenz zu erhalten.

«Wir werden die weitere Entwicklung genau verfolgen. Natürlich gilt auch hier, dass wir zum eigenständigen Denken und Forschen anleiten und möglichen Missbrauch nicht tolerieren», so der Kommunikationsbeauftragte. Dennoch sieht die Universität Chancen durch den Einsatz von ChatGPT. «Wir sollten KI nicht primär als Bedrohung, sondern viel mehr als gute Unterstützung in vielen Bereichen betrachten», sagt Portmann. Beim Schreiben könne KI Ideen liefern für Titel, Themen oder Fragestellungen. ChatGPT könnte auch als Brainstorming verwendet werden, um Vorschläge für Lernmaterialien wie Prüfungsfragen oder Zusammenfassungen zu erstellen. 

HSLU schafft neue Anti-Plagiatssoftware an

«Das Programm ChatGPT und der Umgang damit im Unterricht sind auch an der Hochschule Luzern Thema», sagt Simon Müller, Mediensprecher der HSLU. An einigen Departementen hätten bereits Workshops mit Dozierenden stattgefunden. Erste Erfahrungen und Lösungsansätze werden Ende Januar in einer Ausbildungskonferenz diskutiert. «Ob aufgrund von ChatGPT Prüfungsformen angepasst werden – wie beispielsweise mehr mündliche statt schriftlicher Prüfungen –, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen», so Müller. 

Noch in diesem Frühjahr wird eine neue Anti-Plagiatssoftware eingeführt. Diese soll in der Lage sein, KI-generierte Plagiate zu erkennen. Um Studierende für die Einschätzung von Chancen und Risiken neuer Technologien, wie im Bereich der künstlichen Intelligenz, zu sensibilisieren und einen ebenso kritischen wie sorgfältigen Umgang damit zu pflegen, wurde am Departement Informatik das neue Modul «Critical Thinking» eingeführt.

Hast du schon mal einen Textroboter gebraucht?

Schwierige Unterscheidung zwischen Text und KI

Der Mensch ist schlecht darin, KI-geschriebene Texte von durch Menschen geschriebenen Texten zu unterscheiden. «Weil die Texte so gut sind», erklärt Marc Pouly, Dozent an der Hochschule Luzern, gegenüber «Zentralplus». Er beschäftigt sich seit Jahren mit künstlicher Intelligenz. Spezifische Softwares können erkennen, ob ein Text von einer KI geschrieben wurde. Das Programm erkennt anhand der Struktur des Textes, ob er von ChatGPT oder von einem Menschen geschrieben wurde. Die Krux: Verändert sich ChatGPT, müssen solche Programme neu angepasst werden. Von ChatGPT ist der Dozent begeistert. Teile von Seminararbeiten könne die künstliche Intelligenz «teilweise auf Niveau eines sehr guten Studenten» schreiben. Er ist sich sicher: Bald ist die künstliche Intelligenz so gut, dass sie einen Uniabschluss erhalten wird. 

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