Basel - «Omikron stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten»

Basel«Omikron stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten»

Masken- und Testpflicht, renitente Eltern und Quarantäne: Die Omikron-Welle ist für das Schulwesen eine Belastungsprobe. Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer, Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger und Kantonsarzt Simon Fuchs ordnen die Lage an den Basler Schulen ein.

von
Lukas Hausendorf
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«Wir setzen auf eine kontrollierte Immunisierung – wann immer möglich mit Impfung», sagt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger.

«Wir setzen auf eine kontrollierte Immunisierung – wann immer möglich mit Impfung», sagt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger.

20 Minuten
Erziehungsdirektor Conradin Cramer spricht von schwierigen Zuständen an Basler Schulen.

Erziehungsdirektor Conradin Cramer spricht von schwierigen Zuständen an Basler Schulen.

20min/Marco Zangger
Während die allermeisten Schülerinnen und Schüler die Massnahmen mittragen, sorgen vereinzelte Eltern mit ihrem Widerstand für viel Aufwand.

Während die allermeisten Schülerinnen und Schüler die Massnahmen mittragen, sorgen vereinzelte Eltern mit ihrem Widerstand für viel Aufwand.

20min/Taddeo Cerletti

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Donnerstag, 20.01.2022

Zusammenfassung

Die Omikron-Welle ist für die Basler Schulen ein Stresstest. Nicht allein wegen der steigenden Fallzahlen. Wie der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer am Donnerstag vor den Medien ausführte, sei die Situation an den Schulen vor allem auch belastend, weil sie ein Abbild der gesellschaftlichen Spannungen im Zusammenhang mit den Massnahmen zur Bewältigung der Pandemie seien.

Obschon die allermeisten die Massnahmen mittragen würden, sorgen eine kleine Minderheit für viel Aufwand. Cramer stellt aber klar: «Die Schulen lassen sich von diesen Eltern nicht auf der Nase herumtanzen.» Wo nötig würden diese auch sanktioniert. Bei den massnahmekritischen Eltern gibt es zwei Lager. Den einen gehen die Schutzmassnahmen nicht weit genug, die anderen verweigerten diese gänzlich.

Trotz der hohen Infektionszahlen, aktuell sind rund 15 Prozent der Klassenpools positiv, werde alles daran gesetzt, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten. «Schulschliessungen sind das allerletzte Mittel», so Cramer. Das käme nur infrage, wenn zu viele Lehrpersonen ausfallen und keine Vertretungen gefunden werden können. In Einzelfällen sei das nicht auszuschliessen. Die Situation sei volatil. In Bezug auf die Massnahmen betont er, dass das Credo gelte, die Massnahmen nur so lange wie nötig aufrecht zu erhalten.

Während Schulen an der Belastungsgrenze operieren, hat sich die Situation in den Spitälern auf hohem Niveau leicht entspannt. «Dieser Befund ist aber nur vorläufig», sagt Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. Ein Anstieg der Patientenzahlen könne auch noch verzögert eintreten. «Wir sind aber weder überlastet noch an der Grenze zum Zusammenbruch.» Die Winterwochen könnten aber als Nadelöhr bezeichnet werden.

Seit Anfang Dezember würden aber die Hospitalisierungen nicht mehr ansteigen. Der neue Kantonsarzt Simon Fuchs mahnt aber zur Vorsicht. «Omikron stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten», so Fuchs. «Es wäre gut, wenn der Peak bald erreicht wäre.»

Mehr als 14 Prozent der Klassenpools positiv

Die Klassen-Positivätsrate steige momentan stark. Zuletzt lag sie bei 14 Prozent und werde diese Woche noch höher sein. Die Laboratorien seien aber nahe an den Kapazitätsgrenzen, daher müsse man einen Systemwechsel ins Auge fassen. «Die Situation ist anspruchsvoll und angespannt bei steigenden Zahlen», so Ledergerber.

«Die Entwicklung der Fallzahlen an den Schulen, Kindergärten und Kitas verläuft parallel zur Gesamtentwicklung im Kanton», sagt Markus Ledergerber, Leiter Kinder- und Jugendgesundheitsdienst beim Erziehungsdepartement. Konkret heisst das: Vergangene Woche wurden an den Schulen täglich über 100 Schülerinnen und Schüler positiv getestet. Im Schnitt fehlten rund vier Prozent der Kinder an den Schulen.

Täglich würden an den Schulen rund 3500 Schülerinnen und Schüler getestet.

«Schulschliessungen bleiben das allerletzte Mittel», betont Cramer. Zurzeit sei die Situation noch nicht so weit. Aber es könnte sein, dass schon nächste Woche vereinzelt Schulen geschlossen werden müssten, wenn zu viele Lehrpersonen ausfallen und keine Vertretungen organisiert werden können. Die Situation sei volatil, so Cramer.

In Bezug auf die Massnahmen betont er, dass das Credo gelte, die Massnahmen nur so lange wie nötig aufrecht zu erhalten.

«Ganz wenige Eltern sind sehr anstrengend»

«Die Schulen sind wie noch nie im Zentrum dieser Pandemie», sagt Erziehungsdirektor Conradin Cramer. Die Schulen müssten die Spannungen, die die Massnahmen mit sich bringen, aushalten. Aktuell sei wohl die belastendste Zeit seit Ausbruch der Pandemie, so Cramer. Auch für die Eltern nage die Situation. Das ständige Testen und Depooling, das könne man für eine gewisse Zeit aushalten, aber nicht auf Dauer.

Es gebe aber auch Positives zu vermelden. Die Massnahmen würden von ganz vielen mitgetragen. «Man zieht am gleichen Strick. Alle wissen, wie wichtig es ist, die Schulen offen zu halten. Nicht mit Begeisterung, aber aus Notwendigkeit», so Cramer. Es gebe aber ganz wenige, die Probleme machten. Es gebe Eltern, die wollen ein Nullrisiko, andere verweigerten Masken und Testen. Diese Fälle seien sehr anstrengend.

«Das ist aber eine kleine Minderheit.» Diese würde im Bedarfsfall auch sanktioniert. «Die Lehrpersonen und Schulen dürfen sich von denen nicht auf der Nase herumtanzen lassen.»

Spitaleintritte seit Dezember stabil

Jetzt hat der neue Basler Kantonsarzt Simon Fuchs das Wort. Er verweist auf Zahlen aus England und Frankreich, wo die Omikron-Welle bereits wieder zurückgeht, während in der Schweiz die Zahlen immer noch stark steigen würden. «Omikron stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten», so Fuchs. «Es wäre gut, wenn der Peak bald erreicht wäre.»

Seit Anfang Dezember würden aber die Hospitalisierungen nicht mehr ansteigen. Aber, warnt Fuchs, die Zahlen der letzten Tage seien mit Vorsicht zu geniessen, da vermutlich Nachmeldungen noch ausstehen würden. Es gebe aber einen grossen Unterschied zwischen den Spitaleintritten und den Infektionen. «Das macht uns Hoffnung», so Fuchs.

Kontrollierte Immunisierung

Das Bild sei aber nicht einheitlich. So sei die Belastung der Spitäler deutlich tiefer. «Dieser Befund ist aber nur vorläufig», sagt Engelberger. Ein Anstieg der Patientenzahlen könne auch noch verzögert eintreten. «Wir sind aber weder überlastet noch an der Grenze zum Zusammenbruch.» Die Winterwochen könnten aber als Nadelöhr bezeichnet werden. Die Belastung sei gross und die Frage sei, könne man der Belastung standhalten?

«Es ist klar, dass die Welle brechen wird und die Zahlen im Frühling rückläufig sein werden», so Engelberger. Im Herbst werde man dann sehen, wie sich die jetzigen Infektionen auswirken. «Wir haben eine Strategie der kontrollierten Immunisierung – wann immer möglich durch Impfung», so Engelberger.

«Wir sind ein Vieltestkanton»

Innert zwei Wochen werde in Basel ein Fünftel der Bevölkerung durchgetestet, sagt Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger eingangs der Medienkonferenz. «Basel-Stadt ist ein Vieltestkanton und Omikron schlägt voll durch.» Zurzeit sei jeder vierte Test positiv, das sei so viel wie noch nie. «Wir sind mitnichten über dem Berg, die Pandemie ist immer noch sehr dominant.»

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