Oklahoma im Elend: So wütete der Monster-Tornado

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Oklahoma im ElendSo wütete der Monster-Tornado

Der Tornado, der vergangene Nacht über den US-Staat Oklahoma fegte, riss alles mit sich: Häuser, Tiere, Autos. 24 Menschen fanden den Tod. Überlebende erzählen, wie sie plötzlich vor dem Nichts stehen.

von
kub

2 Kilometer breit, 320 Stundenkilometer schnell – einer der schlimmsten Tornados, die je über den Mittleren Westen der USA hinweggefegt sind, hat viele Leben zerstört und Leid ausgelöst. Er hinterlässt eine 32 Kilometer lange Schneise der Verwüstung. 40 Minuten dauerte angeblich der Horror. Das Städtchen Moore, ein Vorort von Oklahoma City, wurde vom Tornado am härtesten getroffen. Moore sieht aus wie nach einem nuklearen Angriff: Kein Stein steht mehr auf dem andern. Es gibt keine Elektrizität mehr, Wasser- und Telefonleitungen sind kaputt.

Viele Bewohner haben hier innerhalb weniger Minuten ihr ganzes Hab und Gut verloren. Eine Grundschule wurde vollständig zerstört. Mindestens sieben Kinder starben in dem Gebäude, wie Medien berichteten. Weitere Kinder wurden vermisst. 75 meist jüngere Schüler und Lehrer hätten in der Schule Zuflucht gesucht, als der Tornado am Montagnachmittag die 55'000 Einwohner zählende Stadt traf. Eine zweite Grundschule in Moore wurde stark beschädigt. Ein Augenzeuge schildert die verzweifelten ersten Rettungsversuche: «Ich habe zusammen mit vier anderen Personen eine Lehrerin aus den Trümmern gezogen. Sie lag auf Kindern und war ziemlich verletzt.»

«Unser Haus wurde einfach weggefegt»

Diejenigen, die den Sturm überlebt haben, berichten von fürchterlichen Szenen. «Wir dachten, wir würden sterben.» Ricky Stover kämpft mit den Tränen. «Wir waren im Keller, als der Tornado kam. Es wurde immer lauter. Wir sahen durch die offene Kellertür, wie unser Haus einfach weggefegt wurde.»

Tornado-Jäger und andere Augenzeugen haben den zerstörerischen Sturm in seinen verschiedenen Stadien gefilmt (alle Videos: YouTube)

Eine Familie flüchtete während des Sturms in ihren Keller. Mit einer Handykamera filmten sie den Moment, als sie die Kellertüre öffnete. Der Sturm hatte sich verzogen, gespenstische Ruhe herrschte. Vor ihren Augen die Apokalypse (siehe LiveLeak Video unten).

(Video: LiveLeak)

Lando Hites steht vor seinem Zuhause, oder besser - was davon übrig geblieben ist: Ein Häufchen seiner Habseligkeiten. Sein Gesicht ist verschmiert. Während des Sturms wurde er mit Schutt und Dreck überschüttet. «Ich hatte ziemliches Glück», sagt er erleichtert, aber immer noch geschockt in die Kamera. Seine ganze Farm ist zerstört. Es war unglaublich laut, wie im Film «Twister». Irgendwann sei er zum Stall gelaufen und habe seine 80 Pferde freigelassen. «Damit sie eine Chance haben zu überleben.»

Eine Frau konnte noch ein paar Fotos und ein paar Kochtöpfe retten. «Alles ist weg. Wir müssen von Neuem beginnen. Aber wir leben und sind gesund.» Ihr Lächeln ist gequält, ihr Blick schweift über die Trümmer der Häuser, über die umgekippten Autos, über die kaputten Strassen und Brücken.

Es war wohl nicht der erste Tornado, den die Frau aus Oklahoma erlebt und überlebt hat. Aber es war einer der schlimmsten, der je seit Beginn der Messungen registriert wurde. Selbst Hartgesottene wie der TV-Reporter Scott Hines sind geschockt. «In all den Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt.»

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(Video: ABC News)

Im Mai 1999 ging Moore bereits einmal durch die Hölle. Ein monströser Tornado fegte mit 486 Stundenkilometern durch das Städtchen. 36 Menschen kamen damals ums Leben. Eine Milliarde Dollar kostete der Wiederaufbau. Doch Hines ist überzeugt: Der heutige Sturm war noch viel gewaltiger. «Dies ist bis jetzt der Schlimmste.»

Video: Der Tornado von 1999 mit 48 Toten (YouTube)

(Quelle: YouTube/AssociatedPress)

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