Schoggi-Dynastie: Darum kann der Salmonellen-Skandal Ferrero nichts anhaben
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Schoggi-DynastieDarum kann der Salmonellen-Skandal Ferrero nichts anhaben

Ferrero sorgt mit einem Salmonellen-Skandal für Schlagzeilen. Doch der Konzern verkauft nicht nur Kinder-Schoggi – dem Milliardenkonzern gehören auch Marken wie Nutella, Mon Chéri und Tic Tac. 

von
Marcel Urech
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Ferreros Vorstandsvorsitzender Giovanni Ferrero hat heute ein Vermögen von über 33,4 Milliarden Franken. Die Geschichte des Süsswarenherstellers begann vor über 75 Jahren – in einer Konditorei im italienischen Alba.

Ferreros Vorstandsvorsitzender Giovanni Ferrero hat heute ein Vermögen von über 33,4 Milliarden Franken. Die Geschichte des Süsswarenherstellers begann vor über 75 Jahren – in einer Konditorei im italienischen Alba.

REUTERS
Kinder Schokolade ist eines der beliebtesten Produke von Ferrero. Die Firma musste sie zurückziehen, da einzelne Chargen kontaminiert waren und Übelkeit auslösten.

Kinder Schokolade ist eines der beliebtesten Produke von Ferrero. Die Firma musste sie zurückziehen, da einzelne Chargen kontaminiert waren und Übelkeit auslösten.

Wikipedia/Donald/CC BY-SA 3.0
Ferrero hätte möglichst offen kommunizieren müssen – um zu zeigen, dass das Unternehmen den Salmonellen-Fall ernst nehme und sofort handle, sagt Bettina Zimmermann, die Chefin von GU Sicherheit, die über 100 Firmen bei der Krisenbewältigung geholfen hat.

Ferrero hätte möglichst offen kommunizieren müssen – um zu zeigen, dass das Unternehmen den Salmonellen-Fall ernst nehme und sofort handle, sagt Bettina Zimmermann, die Chefin von GU Sicherheit, die über 100 Firmen bei der Krisenbewältigung geholfen hat.

GU Sicherheit & Partner AG / Bettina Zimmermann

Darum gehts

  • Ferrero kämpft gegen einen Salmonellen-Skandal und musste diverse Kinder-Produkte zurückrufen.

  • Die Familienfirma, die es seit 1946 gibt, schaffte ihren Durchbruch mit der Nuss-Crème Nutella.

  • Heute liegt Gründer Giovanni Ferrero im Ranking der reichsten Menschen der Welt auf Platz 40.

Ferrero kämpft gegen einen Salmonellen-Skandal: Der Konzern musste Waren der Marke Kinder zurückrufen, weil Schoggi-Fans nach dem Konsum teils mit blutigem Durchfall im Spital landeten. Auch Migros und Coop haben reagiert und Überraschungseier, Geschenktüten und Schoko-Bons aus dem Regal genommen.

Der Salmonellen-Skandal hatte seinen Ursprung in Belgien. Das Land hat nun reagiert: Die Fabrik in Arlon ist zu und die Staatsanwaltschaft ermittelt. «Ferrero hätte sofort einschreiten sollen, um das zu verhindern», sagt Bettina Zimmermann, die Chefin von GU Sicherheit, die über 100 Firmen bei der Krisenbewältigung geholfen hat. Die interne Prüfung sei wohl nicht optimal gelaufen – «sonst wären die Salmonellen heute kein Problem mehr».

Trotzdem geht die Expertin davon aus, dass sich Ferrero erholen wird. Denn der Konzern ist breit aufgestellt:

  • Betroffen vom Salmonellen-Skandal ist nur die Marke Kinder: Unter anderem die Überraschungseier, Mini Eggs, Schoko-Bons und die Happy-Moments-Boxen mit Mini-Schokoladen.

  • Auch Duplo, Giotto, Hanuta, Mon Chéri, Raffaello, Rocher und Ferrero Küsschen sind vom Konzern.

  • Bekannt sind auch die Milch-Schnitten, Tic-Tac-Bonbons, Nutella und der Schokoladenriegel Yogurette.

  • Ferrero produziert zudem den Eistee Estathé und die Marken Pan e Chioc, Pocket Coffee, Rondnoir, Tronky, Fiesta und Garden.

Familien-Clan aus dem Piemont

Die Brüder Pietro und Giovanni Ferrero führten zuerst eine Konditorei im italienischen Alba. Dort erfanden sie Nutella und schafften 1964 den Durchbruch. Heute beschäftigt Ferrero in 32 Produktionsfirmen über 38’000 Angestellte – auch in Zug. 2021 machte der Food-Gigant laut «NZZ» fast 12,9 Milliarden Franken Umsatz.

Ferrero ist ein Familienunternehmen, und das sei normalerweise ein Bonus: In diese sei das Vertrauen oft hoch, sagt Zimmermann. Viele Kundinnen und Kunden würden die Geschichte hinter Ferrero aber nicht kennen. Darum hätte die Firma möglichst offen kommunizieren müssen – um zu zeigen, dass sie den Fall ernst nehme und sofort handle.

Nestlé-Coup machte Ferrero zum Riesen 

Nach Pietros Tod übernahm der streng katholische Sohn Michele. Er schuf in den 50er-Jahren mit den Mon-Chéri-Praline den nächsten Topseller. Die «Financial Times» nannte ihn «Italiens realen Willy Wonka» – in Anlehnung an den Schokoladenbaron aus dem Film «Charlie und die Schokoladenfabrik».

2018 landete Ferrero den nächsten Coup: Der Konzern kaufte Nestlé für 2,8 Milliarden US-Dollar das US-Süsswarengeschäft ab und schnappte sich so Marken wie 100 Grand, Butterfinger, Chunky und Crunch. Das machte Ferrero zum drittgrössten Süsswarenproduzenten in den USA.

Der reichste Mann Italiens

Davor hatte Ferrero bereits diverse Skandale fast unbeschadet überstanden: Alkohol in der Milch-Schnitte und in Kinder Pingui; Eier aus nicht artgerechter Käfighaltung; die Werbung für die Milch-Schnitte als vermeintlich leichte Mahlzeit; der Palmöl-Skandal um Nutella – all das konnte Ferrero nichts anhaben.

Heute ist Giovanni Ferrero gemäss «Forbes» der reichste Mann Italiens. Der 57-Jährige habe ein Vermögen von über 33,4 Milliarden Franken. Weltweit liegt er damit im Ranking der reichsten Menschen auf Platz 40.

«Zweimal kann sich der Konzern das nicht leisten»

Ferrero habe zögerlich kommuniziert und so den Eindruck erweckt, den Salmonellen-Fall unter den Teppich kehren zu wollen, sagt die Marketingexpertin Adrienne Suvada von der ZHAW. Dabei sei es der Worst Case: Kundinnen und Kunden erkrankten – und betroffen seien auch noch Kinder.

Suvada empfiehlt Ferrero, alle Marketingaktivitäten zu stoppen und neu auszurichten. Grosse Werbekampagnen seien nun heikel. Ferrero sei allerdings eine «extrem starke Marke» und nicht existenziell bedroht. «Aber zweimal kann sich der Konzern das nicht leisten», so die Expertin.

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