3 mit Sex - «So wurde ich (nicht) entjungfert»
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3 mit Sex«So wurde ich (nicht) entjungfert»

Ella sieht in der Badi ihren Entjungferer. Und erinnert sich an ihr erstes Mal – und vor allem an die Nacht, in der es fast passiert wäre, aber zum Glück dann doch nicht geschah.

von
Ella
Zora Schaad
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Ella hätte ihr erstes Mal fast mit Liam gehabt. Davon abgehalten hat sie ein schlechtes Bauchgefühl – und Kinderfotos.

Ella hätte ihr erstes Mal fast mit Liam gehabt. Davon abgehalten hat sie ein schlechtes Bauchgefühl – und Kinderfotos.

Illu: Anna Deér
Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Deér
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Ella trifft in der Badi Kai – ihren Entjungferer.

  • Das erinnert sie an den Abend mit Liam, an dem sie fast ihr erstes Mal gehabt hätte.

  • Ella hat sich aber kurzfristig noch umentschieden. Heute ist sie froh darüber.

  • Trotzdem denkt sie noch hin und wieder an Liam.

Neulich, beim Anstehen am Badi-Kiosk, als mir fast die Füsse auf dem Asphalt wegschmolzen, sah ich Kai. Er hatte ein neues Tattoo über der Schulter und ein paar Falten mehr im Gesicht, aber immer noch den gleichen schlenkernden Gang wie damals, als er mich nach der Party in seiner WG entjungfert hatte. Ich mag das Wort übrigens nicht, weil es ausdrückt, dass Menschen mit Vaginas einen Mensch mit Penis brauchen, um von ihm von der Jungfrau zur Frau gemacht zu werden. Gleichzeitig gefällt mir das Brutale, das beim Wort Entjungferung mitschwingt, auch wenn ich weiss, dass das mit dem durchstochenen Häutchen mehr Mythos als real anatomy ist. Jedenfalls sagte ich zu Juno und den anderen Frauen, die mit mir ihre Füsse vor dem Kiosk grillierten: «Guckt, da vorne läuft mein Entjungferer!», und bäm, hatte ich ihre volle Aufmerksamkeit.

Die Geschichte um mein erstes Mal ist übrigens recht langweilig: Kai war acht Jahre älter und hatte sexuell schon viel Erfahrung, ich hatte keine Ahnung, getrunken hatten wir beide genug, aber doch nicht so viel, dass er keinen mehr hochgebracht oder das Kondom vergessen hätte. Sanft, aber halt doch bestimmt, versuchte er, seinen gummierten Penis in mich einzuführen, es tat weh, aber war aushaltbar. Geblutet hatte ich nicht, Spass auch nicht, das kam erst mit der Zeit, aber ich genoss das Knutschen und das Streicheln und dass ich es hinter mir hatte. Kai und ich waren dann noch ein halbes Jahr ein Paar und das war ganz gut, aber doch nicht so gut, dass ich ihm zehn Jahre später im Bikini um den Hals fallen wollte. Whatever.

«Liam schickte mir romantische Sprachnachrichten auf Berndeutsch»

Kurz vor Kai datete ich Liam. Mann, war ich verschossen in Liam! Ich hatte ihn über Insta kennengelernt, er war mir aufgefallen, weil seine Bilder gleichzeitig eine Leichtigkeit und eine Deepness ausstrahlten, was mir imponierte. Was war ich happy, als ich merkte, dass auch Liam an mir interessiert war. Bald schickte er mir romantische Sprachnachrichten auf Berndeutsch, Poetisch-Pathetisches in schönem Singsang, und mehr als einmal telefonierten wir die halbe Nacht.

Dann endlich das erste Treffen, ein Lichtjahr lang schminken und frisürlen, dann bin ich zu ihm gefahren. Am Bahnhof holte er mich ab und küsste mich innig, dann brachte er mich in eine Bar, wo seine Jungs-Clique versammelt war. Das fand ich ein bisschen schräg, ich hatte eigentlich erwartet, dass wir den Abend zu zweit verbringen würden, aber okay. Er stellte mich vor und ich versuchte, mich am Gespräch zu beteiligen, aber so richtig gut flutschte das nicht. Hätte Liam mich in den Arm genommen oder mich zwischendurch geküsst, wäre alles aushaltbar gewesen, aber Liam verhielt sich plötzlich nicht mehr wie verliebt, sondern eher wie ein random Kumpel, der mir zufällig über den Weg gelaufen war.

«Schläfst du bei mir, Ella?»

Ich gähnte mich durch den Abend und lief immer wieder mal aufs Klo, um mir den Eyeliner nachzuziehen und die Hände kalt zu waschen. Ich war nervös und ängstlich und hoffte sehnlichst darauf, dass endlich mal was passierte. Liam und ich waren doch verliebt, ein Paar eigentlich schon? Meinen letzten Zug hatte ich verpasst, das Whatsapp an meine Mama, dass ich bei «einer Freundin» schlafen würde, verschickt. Ich wartete und wartete und endlich erlöste mich Liam. «Ich gehe langsam. Schläfst du bei mir, Ella?», fragte er.

Ich nickte, er warf mir meine Jacke zu, eine andere Wahl hatte ich nicht. Kaum aus der Bar, änderte sich Liams Verhalten. Den ganzen Heimweg hielt er mich fest umschlungen und zwischendurch blieben wir stehen und küssten uns. Es war so romantisch, ich hätte ewig weiterlaufen können. Liam liebte mich also doch! Als wir beim Einfamilienhaus seiner Eltern ankamen, schlichen wir die Treppe rauf in den ersten Stock, wo sein Zimmer war. Liam legte Coldplay auf und baute einen Joint. In meinem Freundeskreis galt kiffen als boomerig, aber ich fand alles voll spannend und sah mich fasziniert im Zimmer um. Ich sah viele Bücher und Kerzenständer, ein Rennvelo in der Ecke, an der Wand Hippietücher und Kinderfotos: Eine herzverzierte Collage von Schnappschüssen eines Kleinkinds in einem Kinderplanschbecken, auf der Rutschbahn, am Hasen füttern.

«Warum hatte er Kinderfotos aufgehängt?»

Liam hatte inzwischen fertig geraucht, er zog mich an sich, wir küssten uns, seine Zunge schmeckte anders nach dem Joint. Er liess die Hand unter meinen Pulli fahren, streichelte meine Brüste, ich hatte Gänsehaut vor Anspannung. Liam zog zuerst sich, dann mich aus. Nur noch in Slips und Boxershorts sassen wir da, seine Hand glitt in mein Höschen, suchte tastend nach meiner Klitoris. Meine Gedanken rasten, Liam wusste nicht, dass ich noch Jungfrau war, ich hatte Angst, seine Finger könnten mich verletzen, plötzlich ging mir alles zu schnell, und immer wieder musste ich diese Kinderfotos anschauen. Warum hatte er Kinderfotos aufgehängt?

«Nimm ihn in die Hand», stöhnte Liam, und unsicher befreite ich seinen Penis aus der Unterhose, noch nie hatte ich einen in der Hand, und machte ein paar Auf- und Abbewegungen. Er war gross und hart, die Haut aber glatt und weich, die Eichel leicht glänzend und der Geruch, sorry Liam, leicht fischig. Ich wollte das alles nicht! Nach ein paar Minuten miserablen Handjobs fasste ich mir ein Herz und sagte zu Liam. «Ich habe noch nie, Liam. Und heute ist irgendwie nicht der richtige Moment. Tut mir leid.»

«Von wegen Ex!»

Liam versuchte noch kurz, mich zu überzeugen, dass er ein sehr sanfter Liebhaber für mich sein werde, dann gab er auf und drehte einen weiteren Joint. «Was sind das für Kinderfotos?», fragte ich ihn. Er erstarrte einen Moment, dann sagte er: «Ah, das ist Corinne, meine Ex, als Kind. Hat sie mir geschenkt.» Warum die Collage immer noch da hing, fragte ich nicht. Am nächsten Tag schliefen wir aus, dann begleitete mich Liam die Treppe runter und brachte mich zur Bushaltestelle.

Im Garten trafen wir seine Mutter. Sie musterte mich skeptisch, grüsste aber freundlich. «Wohin gehst du?», fragte sie Liam. «Ich bringe Ella zum Bahnhof und bleibe dann noch ein bisschen in der Stadt», entgegnete er. «Okay», sagte seine Mutter. «Aber vergiss nicht, um 18 Uhr kommt Corinne zum Znacht.» Von wegen Ex! Die Fahrt zum Bahnhof und der Abschied fielen beinahe wortlos aus. Im Zug weinte ich. Heute tut die Erinnerung an Liam nicht mehr weh, vergessen kann ich ihn trotzdem nicht. Manchmal stalke ich ihn auf Insta. Mit Corinne ist er immer noch zusammen.

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Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

3 mit Sex

Sex-WG

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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