Passwort «Elisabeth» – So wurde J.M. (32) unwissentlich zum Laufburschen von Kriminellen

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Passwort «Elisabeth»So wurde J.M.* (32) unwissentlich zum Laufburschen von Kriminellen

Ein Leser wurde beinahe zum Komplizen von Betrügern. Als er bei einer alten, verängstigten Frau einen Umschlag abholen musste, wurde er stutzig und alarmierte die Kantonspolizei Bern. 

von
Raphael Casablanca
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Kriminelle nutzen sogenannte «Money Mules» (dt: Geldesel), um Geld ins Ausland zu befördern.

Kriminelle nutzen sogenannte «Money Mules» (dt: Geldesel), um Geld ins Ausland zu befördern.

Symbolbild/Pexels
Mit diesem Inserat suchten die mutmasslichen Betrüger nach Kurieren.

Mit diesem Inserat suchten die mutmasslichen Betrüger nach Kurieren.

zvg
Leser J.M* wurde aufgetragen, bei einer alten Frau in Wabern Geld abzuholen. 

Leser J.M* wurde aufgetragen, bei einer alten Frau in Wabern Geld abzuholen. 

Symbolbild/Pexels

Darum gehts

  • Leser J.M.* wurde beinahe Komplize von Betrügern.

  • Als er bei einer alten Frau in Bern einen Umschlag abholen musste, informierte er die Polizei.

  • Es kommt häufig vor, dass Kriminelle sogenannte «Money Mules» als Laufburschen anheuern, um Geld ins Ausland zu bringen.

Der 32-jährige Familienvater J.M.* ist auf Jobsuche. Auf der Webseite «tutti.ch» stösst er auf ein Inserat. «Kurierfahrer gesucht: Aufgrund der Pandemie brauchen wir dringend neue Fahrer/innen», steht darin. Der Job verspricht flexible Arbeitszeiten und eine angemessene Bezahlung. «Alles was du brauchst ist ein Führerschein in der Kategorie A1 und ein eigenes Fahrzeug», heisst es weiter. J.M. meldet sich bei der angegebenen Nummer.

«Der Mann nannte sich Stefan und erkundigte sich, wie schnell ich an diversen Orten in der Schweiz sein könnte», sagt J.M. gegenüber 20 Minuten. Daraufhin wurde er aufgefordert, seinen Ausweis und Führerausweis abzufotografieren und dem vermeintlichen Arbeitgeber via Whatsapp zuzuschicken.

Passwort an der Türe: «Elisabeth»

«Alles klar. Ich schau mir die Routen und alles drum herum an. Spätestens nächste Woche kannst du bei uns Probearbeiten», steht im Chatverlauf, der 20 Minuten vorliegt. Am Abend des 5. April bekam J.M. dann plötzlich einen Anruf. «Stefan erklärte mir, dass ein Fahrer ausgefallen sei und ich notfallmässig einspringen soll. Er bot mir 300 Franken», erinnert sich M.

Der Auftrag: An eine bestimmte Adresse in Wabern BE fahren, bei einer Frau K.* klingeln, an der Türe das Passwort «Elisabeth» nennen, die Ware annehmen und schlussendlich zu einer Adresse in Egerkingen SO bringen. An der Türe angekommen öffnete eine alte Frau die Türe und händigte M. einen Umschlag aus, nachdem dieser das vereinbarte Wort nannte. «Sie war total verängstigt, das sah man ihr an. Ich spürte, dass etwas nicht stimmte», sagt M. Daraufhin verständigte er die Polizei.

Vorsicht bei Jobsuche

«Die Polizei kam. Im Umschlag waren 11’500 Franken in bar. Sie sagten mir, dass ich auf Betrüger hineingefallen war», sagt M. Er konnte kaum glauben, dass er beinahe zum Komplizen von Verbrechern wurde: «Ich habe Familie und hätte fast eine Straftat begangen, die mich ins Gefängnis bringen könnte.» Mit seinem Erlebnis will M. andere warnen: «Gerade wenn man auf Jobsuche ist und unbedingt arbeiten möchte, sollte man aufpassen, auf wen man sich einlässt», sagt er.

Das sagt die Polizei

«Wir können bestätigen, dass bei uns Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Betrugsversuch vom Dienstag, 5. April 2022, in Wabern im Gang sind», sagt Isabelle Wüthrich, Mediensprecherin der Kapo Bern zu 20 Minuten. Dabei handle es sich um die Betrugsmasche der sogenannten «falschen Polizisten», wobei es zu keiner Geldübergabe gekommen war, da der Betrug rechtzeitig durchschaut wurde.

«Da es sich dabei um ein laufendes Strafverfahren handelt, machen wir vor diesem Hintergrund und insbesondere um die Ermittlungen nicht zu gefährden, aktuell keine weiteren Angaben», so Wüthrich. 

Falsche Polizisten

Die Betrüger rufen oft von einer gefälschten Telefonnummer aus an. Sie schildern – oft auf Hochdeutsch – unterschiedliche Szenarien, etwa Einbrüche in der Wohngegend, einen Verkehrsunfall von Angehörigen, Unregelmässigkeiten auf der Bank oder fragen um Unterstützung bei polizeilichen Ermittlungen.

Unabhängig vom geschilderten Szenario verlangen die Betrüger früher oder später, dass ihr Opfer Geld oder Wertsachen bereitstellen, auf der Bank abholen, irgendwo deponieren oder überweisen soll. Etwas, das die echte Polizei nie tun würde. Daran erkennen Sie den Betrugsversuch, teilt die Kapo Bern in einer Mitteilung mit. 

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