Aktualisiert 18.05.2020 16:42

Mietzinsreduktion

So zahlst du in der Krise weniger Miete

Kurzarbeit, weniger Lohn und kaum Geld für die Miete? Der Vermieter könnte eine Mietzinsreduktion gewähren. Der Mieterverband gibt Tipps, wie das Verhandlungsgespräch erfolgreich verlaufen könnte.

von
Fabian Pöschl
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In der Corona-Krise wird wegen Lohnausfällen in vielen Haushalten das Geld für die Miete knapp.

In der Corona-Krise wird wegen Lohnausfällen in vielen Haushalten das Geld für die Miete knapp.

KEYSTONE
Der Mieterverband glaubt, dass sich das Problem noch vergrössern wird.

Der Mieterverband glaubt, dass sich das Problem noch vergrössern wird.

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Der Mieterverband empfiehlt Verhandlungen mit dem Vermieter.

Der Mieterverband empfiehlt Verhandlungen mit dem Vermieter.

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Darum gehts

  • Die Corona-Krise verschärft die finanzielle Situation vieler Menschen.
  • Anspruch auf Mietzinsreduktionen haben sie trotz Kurzarbeit nicht.
  • Der Mieterverband gibt Tipps, wie das Verhandlungsgespräch mit dem Vermieter erfolgreich verlaufen könnte.

Die Corona-Krise verschärft die finanzielle Situation vieler Haushalte. Besonders betroffen ist, wer sich schon vor der Pandemie knapp über der Armutsgrenze halten konnte und nun wegen Kurzarbeit weniger Lohn erhält. Seit Ende April melden sich immer mehr auf Unterstützung angewiesene Personen bei Caritas, wie das Hilfswerk mitteilt. Viele wüssten nicht, wie sie am Monatsende die Rechnungen und die Miete bezahlen sollen.

Ein von Kurzarbeit betroffener Pilot suchte das Gespräch mit der Vermieterin und erklärte seine Situation. Darauf erhielt er eine Mietzinsreduktion, wie 20 Minuten weiss. Doch für den Mietzinserlass gibt es keinen Rechtsanspruch, Mieter können nur auf die Kulanz der Vermieter hoffen.

An Vernunft des Vermieters appellieren

«Der Bundesrat hat kein Gehör für Mieter», sagt auch Natalie Imboden, Generalsekretärin des Schweizerischen Mieterverbands, zu 20 Minuten. «Das finanzielle Problem wird sich deshalb für viele noch vergrössern», so Imboden.

«Es ist unabhängig vom Mietvertrag, dass ich in der Krise die Miete nicht mehr zahlen kann», sagt Juristin Rebecca Joly vom Mieterverband. Deshalb gebe es aus juristischer Sicht gesehen keinen Grund für eine Mietzinsreduktion. Joly empfiehlt in Verhandlungen mit dem Vermieter, an dessen Vernunft zu appellieren. Denn eine kurzzeitige Mietreduktion sei für alle Parteien einfacher als die Folgen einer Kündigung.

Mieter kann auf Zeit spielen

«Wenn ich seit zig Jahren in der Wohnung lebe und immer pünktlich die Miete gezahlt habe, dürfte es dem Vermieter schwerfallen, mir in der Krise die Wohnung zu kündigen», sagt Joly. Vor allem private Vermieter scheuten den administrativen Aufwand einer Kündigung.

Vor der ausserordentlichen Kündigung müsste der Vermieter dem Mieter eine mindestens 30-tägige Zahlungsfrist gewähren. Zahlt der Mieter dann immer noch nicht, kann der Vermieter mit einer Frist von weiteren 30 Tagen auf das Ende eines Monats kündigen. Der Mieter könnte aber noch ein bisschen Zeit gewinnen und die Kündigung vor Gericht anfechten.

Mehr Aussicht auf Erfolg bei privaten Vermietern

Joly empfiehlt in den Verhandlungen, dem Vermieter eine Ratenzahlung anzubieten. Damit erhöhten sich die Chancen für einen Erfolg. «Solche Verhandlungen können sich insbesondere mit privaten Vermietern lohnen», sagt Joly.

Viele private Vermieter hätten auch bei Geschäftsmieten sofort Mieterlass gewährt, bei grossen Immobilienfirmen werde es schwieriger. Am besten eigne sich bei solchen Forderungen der schriftliche Briefverkehr. Die Juristin empfiehlt betroffenen Mietern auf jeden Fall, einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen.

Mieten für Geschäfte

Politik vertagt Lösung

Wie für Privatwohnungen gibt es auch noch keine Regelung für Geschäftsmieten. Das Parlament konnte sich in dieser Frage an einer dreitägigen ausserordentlichen Session Anfang Mai nicht einigen. Zwar anerkannte eine Mehrheit im Stände- und Nationalrat die schwierige Situation und den Handlungsbedarf. Weil die beiden Räte aber grundsätzliche Differenzen haben, bleibt eine Lösung bis zur Sommersession in der Schwebe.

Der Nationalrat schlug eine Pauschallösung vor, wonach Betreiber von Restaurants und weiteren Geschäften für die Dauer des Lockdown grundsätzlich nur 30 Prozent der Miete schulden. Doch das geht dem Ständerat zu weit, der nur Mieter entlasten will, deren Bruttomiete maximal 8000 Franken beträgt. Einig sind sich die Räte derzeit nur darin, dass der Bundesrat einen Härtefallfonds für Vermieter prüfen soll.

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63 Kommentare

Peter Unglaublich

19.05.2020, 06:47

"Ein von Kurzarbeit betroffener Pilot" nur schon dieser Satz wiederspiegelt genau die heutige Konsumgesellschaft. Wenn dieser "Pilot" knapp bei Kasse ist frage ich mich wie dann "seine" Flight-Attendand und das Bodenpersonal über die Runden kommen. Jammern auf Niveau 100.

Pegi

19.05.2020, 06:32

Je nach Wohnung heisst es dann: Es warten dutzende neuer Nachmieter. Würde umgekehrt der Mieter plötzlich 30% mehr Miete zahlen, wenn der Vermieter mal finanziell knapp ist? Wohl kaum.

Viktor

19.05.2020, 06:54

Absolut linkes Denken. Das macht ja je nachdem Sinn bei Geschäftsliegenschaften. Aber bei privaten Mietern? Schon mal daran gedacht, ob der Vermieter auch finanzielle Verpflichtungen hat?