02.03.2018 05:44

Wucherpreise bei ZeitschriftenSo zocken deutsche Verlage die Schweizer ab

Die gleiche Zeitschrift kostet am hiesigen Kiosk deutlich mehr als im Ausland. Die Politik nimmt nun einen erneuten Anlauf, dem ein Ende zu setzen.

von
pam
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Lustiges Taschenbuch Spezial: 62 Prozent teurerIn Deutschland kostet das beliebte «Lustige Taschenbuch» 9,50 Euro. Das sind bei einem Kurs von 1.15 umgerechnet 11 Franken. In der Schweiz hingegen verlangt der Verlag Egmont Ehapa 17.90 Franken.

Lustiges Taschenbuch Spezial: 62 Prozent teurerIn Deutschland kostet das beliebte «Lustige Taschenbuch» 9,50 Euro. Das sind bei einem Kurs von 1.15 umgerechnet 11 Franken. In der Schweiz hingegen verlangt der Verlag Egmont Ehapa 17.90 Franken.

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Die beliebten Taschenbücher des Verlags sind in der Schweiz allgemein viel teurer. Die Ausgabe «Ultimate Phantomias» kostet in Deutschland 9,95 Euro (umgerechnet 11.50 Franken). In der Schweiz bezahlt man dafür 18.90 Franken. Das ist ein Preisaufschlag von über 60 Prozent.

Die beliebten Taschenbücher des Verlags sind in der Schweiz allgemein viel teurer. Die Ausgabe «Ultimate Phantomias» kostet in Deutschland 9,95 Euro (umgerechnet 11.50 Franken). In der Schweiz bezahlt man dafür 18.90 Franken. Das ist ein Preisaufschlag von über 60 Prozent.

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Für die normale Ausgabe des «Lustigen Taschenbuchs» bezahlt man in der Schweiz 66 Prozent mehr (12.50 Franken statt umgerechnet 7.50 Franken in Deutschland), für das «Micky Maus Taschenbuch» sogar 75 Prozent mehr (10 Franken statt umgerechnet 5.75 Franken in Deutschland).

Für die normale Ausgabe des «Lustigen Taschenbuchs» bezahlt man in der Schweiz 66 Prozent mehr (12.50 Franken statt umgerechnet 7.50 Franken in Deutschland), für das «Micky Maus Taschenbuch» sogar 75 Prozent mehr (10 Franken statt umgerechnet 5.75 Franken in Deutschland).

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Der Schweiz-Zuschlag bei Zeitschriften ist happig: Das aktuelle «Lustige Taschenbuch Spezial» «Vergessene Welten» kostet in der Schweiz 60 Prozent mehr als in Deutschland. Und das Musikmagazin «Rolling Stone» ist am Schweizer Kiosk fast 70 Prozent teurer als auf der anderen Seite der Grenze (weitere Beispiele in der Bildstrecke).

Nun nimmt die Wirtschaftskommission des Nationalrats einen neuen Anlauf im Kampf gegen die überteuerten Zeitschriften. Am Montag berät der Nationalrat darüber, ob Bundesrat, Weko und Preisüberwacher beauftragt werden sollen, «eine möglichst effiziente Lösung für die unangemessen hohen Differenzen zwischen in- und ausländischen Zeitschriftenpreisen zu finden».

«Überrissenen Preisen ein Ende setzen»

Eine Unterstützerin der Motion ist SP-Nationalrätin und Konsumentenschützerin Prisca Birrer-Heimo: «Die Weko beziehungsweise der Preisüberwacher muss die nötigen Instrumente erhalten, um den überrissenen Preisen ein Ende zu setzen.» Denkbar sei, nochmals die Preisvorgaben der ausländischen Verlage ins Visier zu nehmen, sagt Birrer-Heimo. Demnach könnte die Preisbindung bei Zeitschriften aufgehoben werden, wenn missbräuchlich hohe Preise vorlägen.

Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans begrüsst es, dass die Mehrheit der Kommission Massnahmen fordert. «Die überzogenen Preise sind ein Problem für die Schweizer Konsumenten», sagt er. Zwar fielen in der Schweiz höhere Vertriebskosten an. «Aber ein Aufschlag von 70 Prozent ist nicht nachvollziehbar.» Es sei jetzt wichtig, den Druck aufrechtzuerhalten, sonst passiere nichts. Als mögliche Lösung sieht er ein Spezialgesetz zu Zeitschriftenpreisen oder Anpassungen im Kartellgesetz, damit die Vertreiber wie die Kioske Zeitschriften zu tieferen Preisen verkaufen können. «Damit gäbe es auch eine Debatte über die Margen und die Frage, welcher Player in der Kette was abschöpft.»

Verlage bestimmen die Verkaufspreise

Doch wie kommen die Preisdifferenzen überhaupt zustande? Die Endverkaufspreise geben die Verlage vor. Die Schweizer Kioske kaufen die Zeitschriften in Kommission ein und verkaufen sie im Auftrag für die Verlage. Angaben über die Margenverteilung gibt es nicht. Die Kioskbetreiberin Valora betont, keinen Einfluss auf die Preise zu haben: «Die Preisgestaltung ist Sache der Verlage», so ein Sprecher.

20 Minuten hat deshalb vier grosse deutsche Verlage angeschrieben und nachgefragt, warum sie Verkaufspreise in der Schweiz deutlich höher ansetzen. Bis gestern Abend hatte keiner reagiert. In der Vergangenheit rechtfertigten sie die höheren Preise für die Schweiz jeweils mit dem Aufwand für den Export sowie den höheren Vertriebskosten.

«Problem löst sich mit der Digitalisierung von selbst»

Gegen neue Massnahmen der Weko und des Preisüberwachers spricht sich SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi aus: «Es ist nicht die Aufgabe des Staates, in den Markt einzugreifen und festzulegen, wann eine Zeitschrift als überteuert gilt.» Natürlich wollten ausländische Firmen die hohe Schweizer Kaufkraft abschöpfen, sagt Aeschi. Doch das Problem löse sich mit der Digitalisierung von selbst: «Die Kunden sind intelligent genug, um die hohen Preise zu umgehen und sich das Produkt entweder günstiger digital zu beschaffen oder in den Grenzregionen in ein Postfach liefern zu lassen.»

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