Umfrage: So zufrieden sind die Schweizer mit den Corona-Massnahmen
Publiziert

UmfrageSo zufrieden sind die Schweizer mit den Corona-Massnahmen

Gesundheitsminister Alain Berset will bei den Massnahmen gegen das Coronavirus die Schraube anziehen. Eine Umfrage zeigt, dass rund 40 Prozent der Leute eine Verschärfung nötig finden.

von
Daniel Waldmeier
1 / 3
Die Meinungen über die Corona-Politik von Bundesrat Alain Berset gehen in der Bevölkerung auseinander. 

Die Meinungen über die Corona-Politik von Bundesrat Alain Berset gehen in der Bevölkerung auseinander.

Urs Lindt/freshfocus
Thomas Aeschi (r.) geht wegen der geplanten Covid-Massnahmen auf Bundesrat Alain Berset los. 

Thomas Aeschi (r.) geht wegen der geplanten Covid-Massnahmen auf Bundesrat Alain Berset los.

KEYSTONE
Mit der aktuellen Corona-Politik des Bundesrates sind die Stimmberechtigten aktuell zufriedener als mit jener der Kantone.

Mit der aktuellen Corona-Politik des Bundesrates sind die Stimmberechtigten aktuell zufriedener als mit jener der Kantone.

Darum gehts

  • Die aktuellen Corona-Massnahmen spalten die Bevölkerung.

  • Angemessen finden die Einschränkungen laut der Umfrage 40 Prozent. Dem Rest gehen sie zu weit oder zu wenig weit.

  • Die Mehrheit will Weihnachten im kleinen Kreis feiern.

Der Bundesrat könnte am Freitag zusätzliche Corona-Einschränkungen für Skigebiete und private Treffen vor Weihnachten verfügen.

Damit würde für die SVP die Grenze des Erträglichen überschritten. Ganz anders die Interpretation im Ausland: Dort sorgt der Schweizer Sonderweg mit geöffneten Skigebieten seit Wochen für Kopfschütteln. «Eine ähnliche Strategie wie die Schweiz verfolgt nur Schweden – vielleicht muss man sie mit der Verschonung im Zweiten Weltkrieg verstehen», wunderte sich die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» kürzlich.

41 Prozent gehen Massnahmen zu wenig weit

Doch wie zufrieden ist die Bevölkerung mit der Corona-Strategie von Bund und Kantonen in der zweiten Welle? Laut der jüngsten LeeWas-Umfrage von 20 Minuten und Tamedia mit 14’470 Teilnehmern trägt eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer die aktuellen Massnahmen mit. Diese gehen nur 18 Prozent zu weit. 40 Prozent der Stimmberechtigten beurteilen sie als angemessen, 41 Prozent gehen sie eher oder klar zu wenig weit.

Obwohl die Massnahmen in den Westschweizer Kantonen insgesamt strenger sind als in der Deutschschweiz, fällt das Urteil über die Massnahmen in beiden Regionen ähnlich aus. Mit der aktuellen Corona-Politik des Bundesrates sind die Stimmberechtigten aktuell zufriedener als mit jener der Kantone.

Linke unterstützen Verschärfungen eher

Die SVP forderte den Bundesrat am Dienstag auf, für die Festtage von weiteren Corona-Massnahmen abzusehen. «Solange in den Städten vollbesetzte Trams und Busse verkehren dürfen, darf es für Berg- und Sportbahnen keine Beschränkungen geben», heisst es in einer Medienmitteilung der Partei.

Laut der Umfrage finden sich unter den SVP-Anhängern mehr Massnahmen-Skeptiker als bei der Basis der anderen grösseren Parteien. Doch ebenso vielen SVP-Anhängern gehen die Massnahmen zu wenig weit. Insgesamt gilt: Wer SP oder Grüne wählt, befürwortet schärfere Corona-Einschränkungen eher. Mit dem Status quo können sich vor allem die Wähler von FDP und CVP anfreunden.

Mehrheit feiert Weihnachten im kleinen Kreis

Die Mehrheit der Schweizer gibt an, sich für Weihnachten an die aktuelle Situation anzupassen: 54 Prozent wollen sich laut der Online-Umfrage nur im kleinen Kreis treffen zu wollen, sieben Prozent haben die Weihnachtsfeier gar abgesagt. Nur eine Minderheit wartet ab oder passt das Verhalten nicht an.

Die Umfrage liefert auch Hinweise darauf, wie stark die Bevölkerung die sozialen Kontakte reduziert hat. Hier zeigt sich, dass über 65-Jährige, die zur Corona-Risikogruppe gehören, ihr Sozialleben stärker einschränken als Jüngere. Nur 15 Prozent der Senioren haben noch längeren physischen Kontakt zu mehr als fünf Personen, die nicht zum eigenen Haushalt gehören. 29 Prozent geben an, niemanden oder nur eine Person zu treffen. Zum Vergleich: 45 Prozent der 18- bis 34-Jährigen geben an, weiterhin mehr als fünf Personen physisch zu treffen, die nicht zum eigenen Haushalt gehören.

Der Bundesrat plant, die sozialen Kontakte mit weiteren Massnahmen zu reduzieren. So sollen sich vor Weihnachten privat nicht mehr als zehn Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen. Die Regierung entscheidet voraussichtlich am Freitag.

Zur Umfrage

14'470 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 26. und 29. November online im Rahmen der Abstimmungsbefragungen von 20 Minuten und Tamedia aktuelle Fragen zur Corona-Lage beantwortet. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten.

Deine Meinung

398 Kommentare