Klassenkampf um Gamestop: So zwingen die Reddit-Nutzer das Grosskapital in die Knie
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Klassenkampf um GamestopSo zwingen die Reddit-Nutzer das Grosskapital in die Knie

Die Kleinanleger und Gamestop-Fans haben ihren ausgerufenen Klassenkampf vorerst gewonnen. Der Schwarm sorgte für Milliardenverluste bei den Hedge-Fonds. Wie kam es dazu?

von
Fabian Pöschl
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Auf Reddit verabredet sich die Community zur Rettung von Gamestop.

Auf Reddit verabredet sich die Community zur Rettung von Gamestop.

REUTERS
Hedge-Fonds haben gegen den Computerspielhändler gewettet.

Hedge-Fonds haben gegen den Computerspielhändler gewettet.

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Das lassen sich die Gamestop-Fans nicht bieten und lassen mit massiven Aktien-Käufen den Kurs der Firma explodieren.

Das lassen sich die Gamestop-Fans nicht bieten und lassen mit massiven Aktien-Käufen den Kurs der Firma explodieren.

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Darum gehts

  • Hedgefonds beklagen Milliardenverluste.

  • Ein Reddit-Schwarm lässt den Aktienkurs von Gamestop explodieren.

  • Es ist der Sieg der Kleinanleger gegen das Grosskapital.

  • Ein Einstieg ist aber mit grossem Risiko verbunden.

Die Wall Street ist im Ausnahmezustand. Zahlreiche Kleinanleger haben sich im Stil eines Flashmobs zusammengetan. Mit Aktienkäufen etwa des Computerspielhändlers Gamestop oder der kürzlich noch als Pleitekandidatin gehandelten Kinokette AMC Entertainment lösten sie heftige Kurskapriolen aus.

Allein am Mittwoch stieg der Wert des Gamestop-Papiers um 150 Prozent. Die Aktie wurde reger gehandelt als die von Tesla. Innerhalb von zwei Wochen gab es ein Plus von 1000 Prozent. Investmentfirmen verbrannten dadurch in kürzester Zeit mehrere Milliarden US-Dollar und gingen fast pleite. Die US-Börse und Plattformen wie Robinhood setzten den Handel mit Gamestop zwischenzeitlich aus.

Was ist am Aktienmarkt passiert? Kann ich mich als Kleinanleger auch gegen die grossen Investment-Fonds behaupten? Und wie gross ist mein Risiko? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum Börsen-Beben.

Was ist passiert?

Die auf Leerverkäufe spezialisierte Analysefirma Citron Research gab vergangene Woche eine Verkaufsempfehlung für die Gamestop-Aktie ab. Die Börse spekulierte schon länger auf den Niedergang des Ladens – es flossen mehr Leerverkäufe (s. Box) von Gamestop-Aktien, als es entsprechende Wertpapiere gibt. Das löste heftige Empörung bei den Anhängern des Computerspielhändlers aus. Sie riefen in Reddit-Foren zum «Klassenkampf» gegen die Investmentfirmen auf. Der Schwarm verabredete Aktienkäufe und trieb so den Kurs nach oben. Ziel war, die Leerverkäufer aus dem Markt zu drängen.

So funktionieren Leerverkäufe

Ein Leerverkäufer, auch Short-Seller genannt, leiht sich Aktien und verkauft sie umgehend. Er hofft, dass der Kurs fällt und er die Papiere zu einem tieferen Preis zurückkaufen kann. Das ist nicht unumstritten, wie Matthias Geissbühler, Investment-Chef von Raiffeisen Schweiz, zu 20 Minuten sagt. So könnten dadurch Abwärtstrends verstärkt und einzelne Firmen kaputt gemacht werden. Genau das befürchteten wohl die Gamestop-Fans.

Wie verlief der Klassenkampf?

Es kam zu einem sogenannten Short Squeeze: Der steigende Aktienkurs brachte die Leerverkäufer unter Zugzwang. Mit jedem Cent mehr, den Gamestop wert ist, steigt ihr Verlust. Sie waren gezwungen, die Short-Positionen zu schliessen und Aktien zurückzukaufen, wie Matthias Geissbühler von Raiffeisen Schweiz sagt. Die Aktie kam in eine Aufwärtsspirale.

Können die Grossinvestoren nichts tun?

Wenn ein Investor für seinen Fonds Geld bei einer Bank ausgeliehen hat, setzt diese eine Deadline, damit der Kredit gedeckt ist. «Dann ist der Leerverkäufer gezwungen, die Aktie zurückzukaufen», so Geissbühler. So haben Hedge-Fonds laut Berichten bereits über 6 Milliarden US-Dollar verloren. Melvin Capital geriet in Schwierigkeiten und brauchte eine Hilfe von Investoren in der Höhe von 2,75 Milliarden Dollar. Weitere könnten laut Geissbühler folgen.

Wie riskant ist das Ganze?

Die Reddit-User haben ihr Ziel erreicht, den Leerverkäufern eins auszuwischen, wie Geissbühler sagt. Die Schwarm-Intelligenz hat gesiegt. Allerdings entsprechen die Kursbewegungen nicht dem Wert des Unternehmens, so Thomas Brandon Kovacs, der auf den sozialen Medien als Sparkojote bekannt ist. Das Unternehmen stagniere und wachse nicht mehr. Die Buchgewinne könnten deshalb bei einer Kurskorrektur so schnell verschwunden sein, wie sie gekommen sind (siehe Box).

Darum wetten Investoren gegen Gamestop

Die Investoren wetten schon länger auf den Niedergang von Gamestop. Die Firma ist im Elektronikeinzelhandel tätig und betreibt weltweit rund 5800 Shops. Das Geschäftsmodell mit physischen Läden sei aber gegen den zunehmenden Online-Handel kaum zukunftsversprechend, sagt Matthias Geissbühler, Investment-Chef von Raiffeisen Schweiz. Mit entsprechend tiefen Margen rutschte die Firma bereits 2020 in die Verlustzone. Wegen den Filialschliessungen im Lockdown dürfte der Verlust laut Geissbühler dieses Jahr sehr hoch sein. Die Leerverkäufer wetten entsprechend auf tiefe Kurse oder einen Konkurs der Firma.

Ist das Vorgehen der Reddit-Community legal?

Ja, Anleger dürfen sich untereinander austauschen und absprechen, so Geissbühler. Problematisch wäre es aber, wenn Insiderwissen miteinfliessen würde oder wenn unerfahrene Anleger bewusst mit Renditeversprechen getäuscht werden.

Kann man mit solchen Spekulationen reich werden?

«Kurzfristig durchaus», so Geissbühler. Allerdings gelte es, sich Limiten zu setzen. Und je später man auf den Zug springe, desto höher sei das Verlustpotenzial bis hin zum Totalverlust. Thomas Brandon Kovacs glaubt, dass sich die meisten die Finger verbrennen werden. «Ich würde es niemandem raten – ein Abend im Casino ist da weitaus lustiger und man weiss, worauf man sich einlässt», so Kovacs.

Kommt wegen des Gamestop-Rummels bald der nächste Börsencrash?

Nein, die Geld- und Finanzpolitik ist momentan eine zu starke Stütze, somit ist ein Crash eher unwahrscheinlich, so Geissbühler. Allerdings erkenne er in gewissen Segmenten «eine enorm hohe Spekulationswelle». Spannend werde es sein, wie die Spekulanten mit einer Korrektur umgehen können. Wenn die Buchgewinne plötzlich schmelzen, dürfte der eine oder andere plötzlich kalte Füsse bekommen, glaubt Geissbühler. Dies könne wiederum eine temporäre Verkaufswelle auslösen.

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