Schutz der User: Social Media gehen gegen IS-Propaganda vor

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Schutz der UserSocial Media gehen gegen IS-Propaganda vor

Ist bald Schluss mit Enthauptungsvideos auf sozialen Netzwerken? Facebook, Twitter und Youtube wollen künftig nicht mehr zur Verbreitung von Terrorismus-Propaganda beitragen.

von
sts

Die beliebten sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Youtube wollen die Verbreitung von Propaganda-Videos des Islamischen Staates (IS) eindämmen. Sie scheinen die grossflächige Veröffentlichung eines Clips der Terrormiliz über ihre Plattformen weitestgehend verhindert zu haben, der augenscheinlich die Enthauptung des US-Journalisten Steven Sotloff zeigt. Dabei waren sie erfolgreicher als beim Video der Hinrichtung des Fotoreporters James Foley. Das letztgenannte Video hatte sich im letzten Monat rasant im Netz verbreitet.

«Die Plattformen waren diesmal besser vorbereitet», sagte ein anonymer Branchenkenner der Nachrichtenagentur AP.

Twitter, Facebook und Youtube haben bekundet, ihnen sei nicht daran gelegen, dass ihre Plattformen zum Verbreiten von IS-Propaganda genutzt werden. So kündigte etwa Twitter Mitte August an, gegen die Weitergabe des Foley-Videos vorzugehen. «Wir haben bereits aktiv Nutzerkonten gesperrt und werden dies weiter tun, wenn die Nutzer uns im Zusammenhang mit diesen heftigen Aufnahmen auffallen», schrieb Twitter-Chef Dick Costolo.

Brutale Welt dokumentieren

Ein Facebook-Sprecher erklärt auf Anfrage von «Spiegel Online», das Unternehmen erlaube terroristischen Gruppen wie dem IS nicht, seine Plattform zu nutzen. Ausserdem sei es nicht erlaubt, für Terrorismus zu werben oder bildliche Inhalte mit sadistischer Absicht zu verbreiten. Das Netzwerk wolle seinen Nutzern einerseits ermöglichen, die oft brutale Welt um sie herum zu dokumentieren, anderseits möchte Facebook die User vor besonders einschlägigem Inhalt schützen.

Youtube äusserte sich ebenfalls zu den Vorfällen: «Wir haben klare Richtlinien, die Inhalte wie grundlose Gewalt, Hassreden und Anstiftungen zu gewalttätigen Handlungen verbieten, und wir entfernen Videos, die gegen diese Richtlinien verstossen.» Damit dies geschieht, müssen Nutzer und staatliche Stellen Inhalte melden, die gegen die Youtube-Regeln verstossen.

Zudem entfernten die Plattform-Betreiber jeden Account, der von Mitgliedern bekannter terroristischer Organisationen betrieben werde oder «in einer offiziellen Funktion» zur Verfolgung von deren Interessen genutzt werde.

Es wird nicht mit gleichen Ellen gemessen

Die US-Konzerne handeln sich mit ihrem Vorgehen auch Kritik ein. Jillian York etwa, eine Mitarbeiterin der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), findet, dass Unternehmen wie Facebook oder Twitter Inhalte niemals entfernen sollten, wenn sie nicht das Gesetz dazu zwingt. Das Problem sei, dass die Regeln der Netzwerke bislang konsequent durchgesetzt würden, findet York. Die Accounts mancher Nutzer, die das Foley-Video veröffentlicht haben, habe Twitter blockiert. Als Zeitungen oder der israelische Premierminister dasselbe getan hätten, sei der Konzern aber nicht eingeschritten.

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