Anlagetipps auf Twitter: Social Trading macht den Banken Konkurrenz
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Anlagetipps auf TwitterSocial Trading macht den Banken Konkurrenz

Profi-Trader verbreiten ihre Börsentipps über den Kurznachrichtendienst Twitter. Sie erschliessen damit ein neues Geschäftsmodell.

von
Yves Hollenstein

Wer früher Rat in Sachen Aktien und Investments suchte, wandte sich vertrauensvoll an seinen Bankberater. Dieser stand ihm mit seinem Expertenwissen zur Seite und gleichzeitig strich die Bank für jede ausgeführte Handelstransaktion Gebühren ein.

Für Expertenwissen braucht es heute aber längst keinen Bankberater mehr. Auf Twitter veröffentlichen immer mehr Börsenprofis ihre Trades in Echtzeit. «Diese Leute sind in der Lage, bei einem breiten Publikum ihr Können zu demonstrieren und so das Vertrauen der Follower zu gewinnen», sagt der Börsen-Blogger und Buchautor Andreas Braun zu 20 Minuten. Die Profis erschliessen damit ein neues Geschäftsmodell. Denn: Sind sie bekannt genug und zählen sie genug Follower, machen die meisten einen Bezahlservice daraus (siehe Bildergalerie).

Noch spüren die Vermögensverwalter die Konkurrenz laut eigenen Angaben erst in den Ansätzen. «Wer sein Vermögen langfristig sichern will, wird auch in Zukunft dem Bankberater oder Vermögenverwalter vertrauen», sagt Patrick Dorner vom Verband Schweizer Vermögensverwalter zu 20 Minuten. Auch die auf den Börsenhandel spezialisierte Grossbank UBS sieht keine Bedrohung. «Möglicherweise ist der eine oder andere Kunde auf diese Alternativen ausgewichen. In der Beratung von vermögenden Kunden verzeichnen wir aber eine steigende Nachfrage», sagt UBS-Sprecher Yves Kaufmann zu 20 Minuten.

Einfach wird es aber nicht für die Börsenprofis, den Banken die Kunden abzuluchsen. Wer schlecht performe, sei auch dementsprechend schnell weg vom Fenster, so Social-Trading-Experte Lothar Lochmaier. Ein heute noch erfolgreicher privater Tippgeber könne morgen schon wieder vor verschlossenen Türen stehen. Dies bedeutet eine harte Marktauslese der Besten, quasi im Minuten- und Stundentakt.

Commerzbank zeigt Interesse

Im Zuge der Finanzkrise verloren viele Bankkunden das Vertrauen in ihren Berater. Social-Trading-Plattformen befinden sich seither im Aufwind. «Social Trading ist durch die rasante Verbreitung von Facebook & Co. salonfähig und damit massentauglich geworden», so Lothar Lochmaier zu 20 Minuten.

«Früher oder später müssen sich die Geldhäuser auf die neuen Gegebenheiten des Social Trading einstellen», ist Börsenblogger Andreas Braun überzeugt. Nur die wenigsten wüssten aber, wie darauf zu reagieren sei. So zeigte die deutsche Commerzbank jüngst Interesse an einem Kauf der Social-Trading-Plattform Ayondo.

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