Schweizer in Mazedonien: «Sofas, Tische – alles wurde weggespült»
Publiziert

Schweizer in Mazedonien«Sofas, Tische – alles wurde weggespült»

Ein Schweizer berichtet, wie er das verheerende Unwetter in Mazedonien erlebte. Er musste eine Nacht in einem überfluteten Haus verbringen.

von
vro
1 / 26
Starke Unwetter haben am Samstag, den 6. August 2016, die Region um Skopje verwüstet.

Starke Unwetter haben am Samstag, den 6. August 2016, die Region um Skopje verwüstet.

Leser-Reporter/Saiti.s
Mindestens 21 Menschen kamen ums Leben, 60 wurden verletzt.

Mindestens 21 Menschen kamen ums Leben, 60 wurden verletzt.

AP/Boris Grdanoski
Möbel, Strassen und Fahrzeuge - der Regen hat vieles weggespült.

Möbel, Strassen und Fahrzeuge - der Regen hat vieles weggespült.

AP/Dragan Perkovski

Im Raum Skopje hat ein schweres Unwetter gewütet. Die Bilanz: Mindestens 21 Tote und 60 Verletzte. Besonders stark betroffen war Singelich nahe der mazedonischen Hauptstadt, wie Leser-Reporter F. B.* berichtet. Er ist derzeit in Skopje in den Ferien, Verwandte von ihm leben im verwüsteten Dorf.

Als das Unwetter über Singelich hereinbrach, war B. gerade zu Besuch. Innerhalb weniger Stunden seien Unmengen an Regen gefallen. «So ein schlimmes Unwetter habe ich noch nie gesehen. Es sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.»

Hilfe kam erst am nächsten Tag

Nach rund zwei Stunden sei das Erdgeschoss des Hauses seiner Verwandten unter Wasser gestanden. «Es gab keinen Handyempfang und keinen Strom mehr, wir verbrachten die Nacht im Obergeschoss des Hauses.»

Während der Regenfälle seien die Einwohner auf sich gestellt gewesen. «Feuerwehr, Militär, Polizei und Ambulanz kamen erst am nächsten Morgen», berichtet B. Zu diesem Zeitpunkt war das Ausmass der Zerstörung schon extrem. «Im Erdgeschoss hat es alles weggespült. Sofas, Tische – alles wurde mitgerissen.» Einige Häuser seien einsturzgefährdet, das Dorf sei mittlerweile menschenleer.

Auch B.s Auto ist nicht mehr fahrbar. Es stand in Singelich, als der Regen kam. Doch auch in Skopje, wo B. mit seiner Familie in einer Wohnung lebt, wäre das Auto wahrscheinlich nicht verschont geblieben. «Das Parkhaus wurde überflutet. Es wäre also so oder so überschwemmt worden.»

«Nicht optimal gewarnt»

Der Zusammenhalt der Betroffenen sei nach der Tragödie stark, sagt B. Während Leichen aus den Häusern getragen würden, würden sich die Überlebenden gegenseitig helfen. «Regen und Schlamm haben bei vielen die Essensvorräte weggespült.» Auch B. tut, was er kann. «Ich ging in verschiedene Läden. Überall waren die Regale leergekauft. Wo ich etwas fand, habe ich alles gekauft.» Schliesslich habe er den Einwohnern von Singelich rund 50 Kilogramm Brot und Käse aus der Hauptstadt bringen können. «Innert Minuten war alles weg», berichtet B.

Frauen und Kinder der Verwandten holte B. nach Skopje. Die Männer sind dageblieben und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. «Gestern Abend hat es wieder geregnet. Doch das eigentliche Problem ist der Schlamm.» Laut Einheimischen sei die Kanalisation vor Ort in schlechtem Zustand und überlaufe bei starkem Regen schnell. Und mit den Regenmengen der vergangenen Tage hat niemand gerechnet, wie B. sagt. «Wir wussten, dass es regnen würde, aber nicht, dass der Regen so stark sein würde.» Die Wassermassen hätten selbst LKW einfach weggeschwemmt. Für B. ist klar: «Die Behörden haben nicht optimal gewarnt.»

Flüge wegen Ferienzeit ausgebucht

Während nun viele trauern und ihr Leben neu aufbauen müssen, muss sich B. auch um seine Familie kümmern. Denn mit dem Auto kann der Schweizer nicht mehr nach Hause. «Ich muss am Montag wieder arbeiten und derzeit sind wegen den Ferien alle Flüge ausgebucht. Ich muss jetzt einen Weg finden, wie wir wieder nach Hause kommen.»

Ein anderer Leser-Reporter stand während des Unwetters im Stau:

Unwetter im Mazedonien, Skopje. 4 Stunden auf der Autobahn an einer Stelle gestanden. Gemäss Socialmedias gab es 40 Todesopfer in der Nacht von Samstag auf Sonntag. In der Stadt selber war es viel schlimmer als auf der Autobahn.

Das Ausmass des Unwetters:

Tote nach heftigem Sturm in Mazedonien

Der starke Niederschlag hatte am Wochenende einen Teil der Ringstraße um die Hauptstadt Skopje unterspült und schließlich mitgerissen.

*Name der Redaktion bekannt

Deine Meinung