Virtual Space Station: Software für depressive Astronauten
Aktualisiert

Virtual Space StationSoftware für depressive Astronauten

Lebensgefahr, schlechtes Essen und unerreichbare Familien: Raumfahrer können leicht schwermütig werden. Ein Computer-Psychologe soll das verhindern.

von
Henning Steier

1985 wurde eine Mission auf der russischen Weltraumstation Saljut 7 abgebrochen. Astronauten hatten bemerkt, dass ihr Kommandant die Arbeit verweigerte und stattdessen stundenlang aus der Luke ins All starrte. Bereits drei Jahre zuvor hatte es Probleme an Bord gegeben, weil zwei Raumfahrer immer wieder aneinander geraten waren.

«Ich weiss nicht, was mit uns los ist», schrieb Crew-Mitglied Valentin Lebedew in seinem Tagebuch eines Astronauten, «wir gehen schweigend aneinander vorbei und sind beleidigt. Es wird Zeit, dass wir eine Lösung finden.» Diese könnten schon bald Forscher des US-amerikanischen National Space Biomedical Research Institute (NSBRI) liefern. Denn sie haben im Auftrag der Weltraumbehörde NASA ein Programm für schwermütige Astronauten entwickelt.

Selbstbehandlung am Bildschirm

Die Software namens Virtual Space Station leitet die Raumfahrer dazu an, am Bildschirm eine Liste ihrer Probleme zu erstellen, von denen sie anschliessend jenes auswählen, das sie zunächst lösen möchten. Anschliessend werden Ziele definiert und es wird nach Wegen gesucht, wie diese zu erreichen sind. Ausserdem enthält das Programm Videos von Psychologen und allerhand grafisch aufbereitete Informationen zu zahlreichen Krankheiten.

Anonym bleiben

29 Astronauten wurden nach Angaben der Wissenschaftler vor der Programmierung des All-Psychiaters befragt. Zwar können sie im Weltraum mit Psychologen auf der Erde kommmunizieren. Dies ist aber nur möglich, wenn eine Datenverbindung besteht. Der elektronische Lebenshilfe-Leister kann auf einem USB-Stick mitgenommen werden. Ein weiterer Vorteil: Die Betroffenen behandeln sich selbst und bleiben daher anonym.

Am Südpol getestet

Eine Vorabversion der Software wurde auf einer Forschungsstation in der Antarktis getestet, da dort Arbeitende ebenfalls von der Aussenwelt abgeschnitten und hohen, körperlichen Belastungen ausgesetzt sind. Eine zweite Versuchsreihe soll demnächst in Boston beginnen, denn das Programm soll auch auf der Erde eingesetzt werden - zum Beispiel in Schulen oder Gefängnissen. So könnten auch die Investitionen von bislang rund rund 1,75 Millionen US-Dollar refinanziert werden.

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