Berner Entwicklung: Software optimiert Analyse von Hirntumoren

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Berner EntwicklungSoftware optimiert Analyse von Hirntumoren

Genauso sorgfältig wie der Arzt, aber schneller und weniger anfällig für Fehler: Das sind die Vorteile einer neuen Software zur Erkennung bösartiger Hirntumore.

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Höchstens zehn Minuten braucht das vollautomatische Computerprogramm namens BraTumIA für die Analyse von Magnetresonanz-Aufnahmen (MRI) von Hirntumoren. Ein Arzt bräuchte für dieselbe Prozedur deutlich länger, nämlich 30 bis 60 Minuten.

Die von Ärzten und Ingenieuren des Inselspitals und des Instituts für Chirurgische Technologien und Biomechanik (ISTB) der Universität Bern entwickelte Software unterstützt Neuroradiologen bei ihrer Arbeit, indem sie die MRI-Bilder eines Patienten mit allen bereits erfassten statistischen Daten abgleicht und die Gewebestrukturen des bösartigen Tumors bis ins Detail bestimmt, heisst es in einer Mitteilung der Hochschule. Und das – anders als bisher – in 3-D.

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Medizinisches Data Mining

«Die präzise Segmentierung des Tumorgewebes ermöglicht uns, die Bildinformationen immer genauer zur Therapie-Optimierung einzusetzen», sagt Roland Wiest, Leiter des Support Center of Advanced Neuroimaging zur Bedeutung der Entwicklung. Dies sei enorm wichtig, weil neue Behandlungsstrategien bei Gliomen – bösartigen Tumoren – auf exakte Wachstumsdaten der Tumore angewiesen sind.

Damit reiht sich BraTumIA in den Trend des medizinischen Data Mining ein. Ähnlich wie beim gewöhnlichen Data Mining, bei dem im Internet Daten zu Kauf- oder Lesegewohnheiten von Kunden gesammelt werden, verbessert sich die Software durch das stete Sammeln neuer statistischer Daten laufend.

Die Forscher erklären ihre Entwicklung. (Video: Youtube/UniBeISTB)

Weniger Fehlschlüsse

Die Möglichkeit, die Software laufend mit neuen statistischen Daten zu füttern, sei für Gehirntumor-Patienten in Zukunft entscheidend, so die Verantwortlichen: Analysieren Ärzte MRI-Bilder von Tumorgeweben manuell, sind theoretisch Analyse-Fehlschlüsse in verschiedene Richtungen möglich. Die Software macht – falls überhaupt – Analyse-Fehler immer in die gleiche Richtung. Das können Ärzte rasch und zielgerichtet überprüfen und die Fehlerquote so auf ein Minimum reduzieren.

In Zukunft soll das Programm auch bei Multipler Sklerose und Schlaganfallpatienten zum Einsatz kommen.

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