Primaten-Rechte  – «Sogar in Australien wurde über unsere Initiative berichtet»

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Primaten-Rechte «Sogar in Australien wurde über unsere Initiative berichtet»

Das Basler Stimmvolk will keine Grundrechte für Primaten. Die vom Verein Sentience lancierte Volksinitiative wurde mit mehr als 75 Prozent Nein-Stimmen deutlich abgelehnt. Der Zolli freut sich über das deutliche Nein. Die Initianten geben sich kämpferisch.

von
Jeanne Dutoit
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Sollen 300 Primatenarten Grundrechte erhalten? Nein, findet das Basler Stimmvolk.

Sollen 300 Primatenarten Grundrechte erhalten? Nein, findet das Basler Stimmvolk.

Zoo Basel
Dazu zählen etwa das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit.

Dazu zählen etwa das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit.

Zoo Basel/Torben Weber
Die Initianten, die Organisation Sentience Politics, fordern mit der Initiative, dass Primaten (Affen, Lemuren) für sie angepasste Grundrechte erhalten sollen.

Die Initianten, die Organisation Sentience Politics, fordern mit der Initiative, dass Primaten (Affen, Lemuren) für sie angepasste Grundrechte erhalten sollen.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Mit der Volksinitiative «Grundrechte für Primaten» setzte sich der Verein Sentience dafür ein, dass mehr als 300 Primatenarten das Recht auf Leben und körperliche und geistige Unversehrtheit erhalten sollen.

  • Zu den Gegnern der Initiative gehörten das bürgerliche Lager sowie Roche, Novartis und auch der Zoo Basel.

  • Die Baslerinnen und Basler lehnten die Initiative mit 74,7 Prozent deutlich ab.

Die Baslerinnen und Basler schmettern die Primaten-Initiative ab. Das erste Zwischenresultat zeigte bereits deutlich: Ein Grossteil der Stimmbevölkerung wirft ein Nein in die Urne. Im Basler Rathaus sorgte die Bekanntgabe des Resultats für tobenden Applaus des Nein-Lagers. Mit 74,7 Prozent hatte die Initiative keine Chance.

«Wir sind enttäuscht», sagt Tamina Graber, Kampagnenleiterin der Primaten-Initiative zu 20 Minuten. Das Komitee habe sich einen höheren Ja-Anteil erhofft. «Wir hatten es in den vergangenen Jahren nicht nur leicht.» Stolz sei sie trotzdem, so die Kampagnenleiterin. Der Weg, die Primaten-Rechte vors Volk zu bringen, führte über zwei Gerichte, führt Graber aus. «Selbst in Australien wurde über unsere Initiative berichtet», so Graber glücklich. «Viele Leute haben sich zum ersten Mal Gedanken über den Unterschied zwischen Tierrecht und Tierschutz gemacht», so Graber. 

«Müssen uns fragen, wie wir mit Tieren umgehen»

Michelle Lachenmeier (Grüne) trat im Abstimmungskampf als Verfechterin der Tierrechte auf. Sie zeigt sich vor allem über die wenigen Ja-Stimmen enttäuscht, wie sie zu 20 Minuten sagt. «Ich habe mit einer Ablehnung gerechnet, hoffte aber auf mehr Ja-Stimmen», sagt sie. Insbesondere bei bahnbrechenden Initiativen verhielten sich Stimmbürgerinnen und Stimmbürger eher zurückhaltend. «Im Zweifel stimmen sie eher gegen die Veränderung», so Lachenmeier.

Dennoch, dass über diese Frage abgestimmt werden durften, sei einzigartig. Daher sei sie schon sehr zufrieden: «Die Initiative hat eine Debatte lanciert. Viele Leute finden auch, dass wir umdenken und uns fragen müssen, wie wir mit den Tieren umgehen», so Lachenmeier.

Aufatmen beim Basler Zolli

Erleichtert zeigt sich indes der Zoo-Basel-Direktor Olivier Pagan. Der Zolli mischte im Abstimmungskampf bereits mit und setzte sich gegen die Initiative ein. Denn längerfristig hätte eine Annahme der Initiative durchaus dazu führen können, dass der Zolli keine Affen mehr hätte halten können, kommuniziert der Zoo Basel nach der Bekanntgabe des Zwischenresultats.

Pagan vermutet, der hohe Nein-Anteil sei ein «Commitment» der Baslerinnen und Basler zu «ihrem Zolli», wie er gegenüber 20 Minuten sagt. Es sei ihm ein Anliegen, ab sofort noch intensiver aufzuzeigen, was mit der Institution Zoo für den Tier- und Artenschutz geleistet werde. «Vielleicht ist das für Nicht-Zolli-Besucher noch zu wenig passiert», so Pagan.

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