Ausgelastete Intensivstationen - Sogar schwer Herzkranke haben auf den Notfall verzichtet
Publiziert

Ausgelastete IntensivstationenSogar schwer Herzkranke haben auf den Notfall verzichtet

Wie neue Zahlen zeigen, sind die Herzinfarkt-Diagnosen letztes Jahr um 40 Prozent zurückgegangen. Schwer kranke Menschen blieben lieber zu Hause, als den Notfall aufzusuchen.

von
Samina Stämpfli
1 / 2
Die Herzinfarkt-Diagnosen sind 2020 drastisch eingebrochen, rund 40 Prozent weniger als im Vorjahr. (Archivbild)

Die Herzinfarkt-Diagnosen sind 2020 drastisch eingebrochen, rund 40 Prozent weniger als im Vorjahr. (Archivbild)

Kay Nietfeld/dpa
Dies zeigen neue Zahlen des Krankenversicherers Helsana. 

Dies zeigen neue Zahlen des Krankenversicherers Helsana.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Auslastung der Intensivstationen: Letztes Jahr sind die Herzinfarkt-Diagnosen rund 40 Prozent zurückgegangen – vermutlich aus falscher Rücksicht oder Angst sich mit Covid-19 anzustecken.

  • Besonders schlimm war der Einbruch der Zahlen während des Lockdowns im Frühjahr 2020.

  • Auch bei anderen Krankheiten sind ähnliche Muster zu erkennen.

Wie auch dieses Jahr wurden letztes Jahr Operationen abgesagt oder verschoben, weil die Intensivstationen am Anschlag waren. Besonders im Frühjahr 2020 war es besonders schlimm, wie die «Sonntagszeitung» schreibt: Kranke die möglicherweise in Lebensgefahr waren, blieben lieber zu Hause, als den Notfall aufzusuchen – entweder aus Angst sich zusätzlich im Spital mit Covid-19 anzustecken oder aus falscher Rücksichtnahme wegen des Personals.

Rund 40 Prozent weniger Herzinfarkt-Diagnosen als im Jahr zuvor

Daten des Krankenversicherers Helsana zeigen: Im 2019 wurden rund 6700 Patientinnen und Patienten mit einem Herzinfarkt auf Schweizer Notfallstationen untersucht. Letztes Jahr waren es etwas mehr als die Hälfte: Nämlich 3900, also rund 40 Prozent weniger, während des Lockdowns im Frühling 2020 waren es sogar mehr als 50 Prozent.

Die Zahlen basieren auf den Daten von 1,4 Millionen Helsana-Grundversicherten. Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet, sind sie repräsentativ. Gezählt sind all jene Patienten, bei denen ein Herzinfarkt diagnostiziert wurde und die deshalb mindestens eine Nacht im Spital bleiben mussten, die aber nicht unmittelbar nach der Diagnose operiert wurden.

Mehr Herzpatientinnen und -patienten ausserhalb der Spitäler gestorben

Kardiologie-Professor Christophe Wyss vom Hirslanden-Spital in Zürich spricht von der Situation gegenüber der «Sonntagszeitung» als einer «Unterversorgung». Verschiedene Studien aus dem Ausland zeigen, dass aufgrund der Pandemie mehr Herzpatientinnen und -patienten ausserhalb der Spitäler gestorben sind.

Es ist auch möglich, dass es 2020 tatsächlich weniger Herzinfarkte gegeben hat. Der Lockdown verminderte den Stress für viele Menschen. Es gab durch die Hygienemassnahmen zudem weniger Atemwegsinfektionen, die das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen können. Doch auch bei anderen Notfällen wie Herzinsuffizienz, Herzstillstand oder bei den Schlaganfällen stellten die Helsana-Expertinnen ähnliche Muster wie bei den Herzinfarkt-Diagnosen fest.

My 20 Minuten

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

26 Kommentare