21.06.2019 09:34

Hitzewelle«Sogar Schwimmbäder werden heruntergekühlt»

Heiss, heisser: In Kuwait wurden beinahe 54 Grad Celsius gemessen. Wie lebt es sich bei solch hohen Temperaturen? Wir haben eine Auslandschweizerin in Katar gefragt.

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Auf der Erde gibt es einen neuen Hitzerekord. In Kuwait wurden beinahe 54 Grad Celsius gemessen. Es ist der höchste Wert seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen vor 76 Jahren.

Auf der Erde gibt es einen neuen Hitzerekord. In Kuwait wurden beinahe 54 Grad Celsius gemessen. Es ist der höchste Wert seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen vor 76 Jahren.

World Meteorological Organization
Laut Stephan Bader von Meteo Schweiz sind solche Extremwerte nicht nur aus Kuwait, sondern auch aus Pakistan und Indien bekannt. Solche Hitzerekorde müssten aber mit Vorsicht genossen werden.

Laut Stephan Bader von Meteo Schweiz sind solche Extremwerte nicht nur aus Kuwait, sondern auch aus Pakistan und Indien bekannt. Solche Hitzerekorde müssten aber mit Vorsicht genossen werden.

Julian Stratenschulte
«Heute gibt es viel mehr Messstationen als früher», sagt Bader. Ein Vergleich heutiger mit früheren Extremwerten sei schwierig, da man auf eine viel kleinere Datenmenge zurückgreifen müsse.

«Heute gibt es viel mehr Messstationen als früher», sagt Bader. Ein Vergleich heutiger mit früheren Extremwerten sei schwierig, da man auf eine viel kleinere Datenmenge zurückgreifen müsse.

AP/Gustavo Ferrari

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestätigte am Mittwoch einen neuen weltweiten Hitzerekord: Am 21. Juli 2016 wurden in Mitribah in Kuwait 53,9 Grad Celsius gemessen. Es ist der höchste Wert seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen vor 76 Jahren.

Laut Stephan Bader von Meteo Schweiz sind solche Extremwerte nicht nur aus Kuwait, sondern auch aus Pakistan und Indien bekannt. «Solche Hitzerekorde müssen aber mit Vorsicht genossen werden. Heute gibt es mehr Messstationen als früher», sagt Bader. Ein Vergleich heutiger mit früheren Extremwerten sei schwierig, da man auf eine viel kleinere Datenmenge zurückgreifen müsse.

«Hohe Temperaturen dürfen nicht unterschätzt werden»

Dennoch dürfen diese hohen Temperaturen laut Bader nicht unterschätzt werden. «Sämtliche globalen Modelle aus allen Erdteilen zeigen steigende Temperaturen.» Ein höheres Temperaturniveau bringt oft auch höhere Extremwerte mit sich, so Bader. Das habe gravierende Auswirkungen für Menschen, die in besonders extremen Regionen wie beispielsweise am Persischen Golf lebten. «Bei häufigeren Hitzewellen droht häufiger Wasserknappheit, was sich direkt auf die Gesundheit der Menschen auswirkt.»

Zurzeit herrschen in Kuwait-Stadt Temperaturen von 43 Grad Celsius – übliche Temperaturen für Länder am Persischen Golf in dieser Jahreszeit. So werden auch in Doha, der Hauptstadt Katars, nächste Woche 44 Grad Celsius erwartet.

Von einer Klimaanlage zur nächsten

«Das ist in den Sommermonaten normal. Es kann nämlich locker 50 Grad heiss werden», sagt Martina Lenz (28), Unternehmensberaterin und Mitinhaberin des Suisse Chalet Restaurant & Café. Die Schweizerin lebt seit 12 Jahren in Doha und hat sich an diese extreme Hitze gewöhnt. «Man lebt von einer Klimaanlage zur nächsten. Ohne wären die Sommermonate nicht auszuhalten.» Alle Autos, Büros, Einkaufszentren und Restaurants seien klimatisiert. Sogar öffentliche Plätze werden mittels Luftschächten, die kühle Luft ausströmen, gekühlt. Das Wasser in Pools werde ebenfalls gekühlt, erklärt Lenz. «Möchtest du dich tagsüber ein bisschen bewegen, gehst du in die Mall oder ins Gym.»

«Katarer verbringen die Sommermonate im Ausland»

Doha erwache im Sommer erst Abends zum Leben. «Nur dann können auch die vielen ausländischen Arbeiter die Bauarbeiten wieder aufnehmen. Tagsüber gilt: Hauptsache, man macht keinen Schritt nach draussen.» Die Katarer würden die Sommermonate deshalb meistens im Ausland, zum Beispiel in London oder Genf, verbringen, sagt Lenz. «Auch Expats beziehen besonders im Sommer ihre Ferien. Mein Ehemann und ich reisen dann gern in die Schweiz.» Paradoxerweise fühle es sich an richtig heissen Sommertagen in der Schweiz fast heisser an als in Doha, weil kaum klimatisiert wird.

Auto fahren mit Handschuhen

Gewisse Vorsichtsmassnahmen sind laut Lenz unerlässlich: «Man muss viel Wasser trinken, sich luftig anziehen. Sobald man sein Auto parkiert, kommt der Scheibenschutz zum Zug.» Es sei ihr schon einige Male passiert, dass sie sich die Finger am Auto oder am Lenkrad verbrannt habe. «Beim Autofahren ziehen viele Handschuhe an.» Letzte Woche habe sie für knapp eine Stunde eine Banane im Auto vergessen. Sie habe nur noch Brei vorgefunden.

«Die Schweiz erwartet nächste Woche eine Hitzewelle»

Mit solchen Temperaturen kann die Schweiz nicht mithalten. So gestaltet sich das Wochenende laut Meteonews wettertechnisch noch durchzogen. Doch bereits im Verlauf des Sonntags werde eine Wetterbesserung erwartet. «Nächste Woche wird eine extreme Hitzewelle auf die Schweiz treffen. Die Temperaturen steigen im Flachland im Verlauf der Woche bis auf 34 Grad Celsius», sagen die Meteorologen. In der Nordwestschweiz und im Wallis seien sogar Temperaturen von 35 Grad Celsius und höher zu erwarten.

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