08.03.2018 20:42

Projekt «Gumdrop»

Sohlen aus Kaugummi? So geht Recycling

Anna Bullus hat sich vorgenommen, britische Strassen von klebrigen Kaugummis zu befreien. Die Designerin weiss auch, wohin mit ihnen.

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Anna Bullus (33) stellt aus rezyklierten Kaugummis nützliche Objekte her.

Anna Bullus (33) stellt aus rezyklierten Kaugummis nützliche Objekte her.

Facebook/Gumdrop ltd
Ihr Projekt «Gumdrop» startete die Britin im Jahr 2010.

Ihr Projekt «Gumdrop» startete die Britin im Jahr 2010.

Facebook/Gumdrop ltd
Acht Jahre später gibt es zahlreiche Produkte, die aus dem rosaroten Kunststoff hergestellt werden – unter anderem Schuhsohlen.

Acht Jahre später gibt es zahlreiche Produkte, die aus dem rosaroten Kunststoff hergestellt werden – unter anderem Schuhsohlen.

Twitter/BBC

Die Britin Anna Bullus schlägt mit ihrem Projekt «Gumdrop» zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Produktgestalterin rezykliert gebrauchte Kaugummis und stellt daraus nützliche Objekte her. Wie BBC berichtet, gibt es mittlerweile zahlreiche Produkte aus dem rosaroten Kunststoff: von Besteck und Schreibstiften bis hin zu Trinkbechern und Schuhsohlen.

Pro Jahr werden allein in Grossbritannien umgerechnet etwa 65 Millionen Franken ausgegeben, um das klebrige Zeug vom Boden zu entfernen. Nach Zigarettenkippen sind achtlos weggeworfene Kaugummis die zweite Quelle von Strassenabfall. Vor zehn Jahren – damals war sie noch Design-Studentin an der Universität Winchester – überlegte sich Bullus, wie man die Kaumasse wiederverwerten könne.

Vom Uni-Gelände bis nach London Heathrow

«Ich setzte mich mit den Eigenschaften des Materials auseinander und stellte dabei fest, dass es sich um einen äusserst vielseitigen Stoff handelt», erklärt die 33-Jährige der BBC. Doch wie brachte sie die Menschen dazu, die gekauten Kaugummis für ihr Projekt zu «spenden»? Zunächst entwickelte Bullus einen Behälter, den man an Strassenlaternen und Pfosten anbringen kann, um Passanten zu motivieren, gekaute Kaugummis darin zu entsorgen. Die rosaroten Behälter, die sie Gumdrop nannte, sind ebenfalls aus wiederverwerteten Kaugummis hergestellt.

Das Pilotprojekt fand auf dem Gelände ihrer Uni statt. Rund 8000 Menschen arbeiten und bewegen sich auf dem Campus. In einer ersten Phase wurden elf Behälter an Pfosten installiert. Um sie zur Teilnahme zu motivieren, verteilte Bullus unter ihren Kommilitonen Hunderte Trinkbecher, die aus rezykliertem Kautschuk gemacht waren.

Gute Resultate brachten das Projekt weiter

18 Monate später wurden die Resultate des Projekts ausgewertet: Die Uni Winchester stellte einen «markanten Rückgang von am Boden entsorgten Kaugummis» fest und erweiterte das Programm. Auch der internationale Flughafen London Heathrow installierte einige «Gumdrop»-Behälter. Nach drei Monaten waren auch hier die Ergebnisse erfreulich: Die Verwaltung des Flughafens sparte in nur drei Monaten umgerechnet fast 8000 Franken an Reinigungskosten.

Bald fand Bullus eine Kunststofffabrik in Leicester, die bereit war, ihre Designs umzusetzen. Dafür erhielt die junge Frau finanzielle Unterstützung vom weltgrössten Kaugummihersteller Wrigley. Ihre Firma «Gum-Tec» stellt mittlerweile eine ganze Palette von Produkten her. Ausserdem überprüft das britische Parlament eine Gesetzesvorlage, die höhere Steuern für Kaugummi-Hersteller vorsieht, die keine Massnahmen gegen den Kaugummi-Abfall ergreifen.

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