Aktualisiert 10.07.2015 08:10

Drama in Sarmenstorf

Sohn fühlte sich von Eltern bedroht

Im Kanton Aargau wurde am Mittwochabend ein Paar ermordet. Die Polizei hat den Sohn der Opfer und dessen Ehefrau verhaftet. Sie stehen unter dringendem Tatverdacht.

von
chk/fal
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In diesem Haus in Sarmenstorf im Kanton Aargau spielte sich am Mittwochabend ein Familiendrama ab.

In diesem Haus in Sarmenstorf im Kanton Aargau spielte sich am Mittwochabend ein Familiendrama ab.

urs Flueeler
Ein Angehöriger fand den 64-jährigen Mann und seine 60-jährige Frau etwa um 20 Uhr tot auf.

Ein Angehöriger fand den 64-jährigen Mann und seine 60-jährige Frau etwa um 20 Uhr tot auf.

vro
Die Familie hatte sehr zurückgezogen gelebt.

Die Familie hatte sehr zurückgezogen gelebt.

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In Sarmenstorf AG trug sich am Mittwochabend ein Familiendrama zu. Ein Angehöriger fand gegen 20 Uhr die leblosen Körper einer 60-jährigen Frau und ihres 64-jährigen Mannes. Der Rettungsdienst konnte wenig später nur noch den Tod des Schweizer Ehepaars feststellen, wie die Aargauer Kantonspolizei am Donnerstag mitteilte.

Zwei Personen aus dem familiären Umfeld standen bald unter dringendem Tatverdacht. Eine Grossfahndung lief die ganze Nacht über. In den frühen Morgenstunden konnte die Polizei die beiden Verdächtigen in der Umgebung schliesslich festnehmen.

Sohn drohte, gegen Eltern gewalttätig zu werden

Dabei handelt es sich um A.S.*, den 32-jährigen Sohn, und dessen Ehefrau. Die beiden Schweizer stehen laut der Polizei unter dringendem Tatverdacht. Sie sitzen in Untersuchungshaft, sagte Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, der Nachrichtenagentur SDA.

Der Tatverdächtige habe sich vor einiger Zeit selbst bei der Polizei gemeldet, sagte Graser. Er habe sich von den Eltern bedroht gefühlt und zum Teil auch wirre Aussagen gemacht. Laut der «Aargauer Zeitung» habe der Vater seine Söhne früher körperlich misshandelt. A.S. habe gegenüber engen Vertrauten vor ein paar Wochen erklärt, er habe seine Eltern bei der Polizei angezeigt und sie sollten für ihr damaliges Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden. Dass er sie umbringen wolle, habe er aber zu keinem Zeitpunkt gesagt.

Das getötete Ehepaar wohnte offenbar schon seit 30 bis 40 Jahren in Sarmenstorf. Die Nachbarn hätten jedoch nur wenig von ihnen mitgekriegt. «Die Familie hat extrem zurückgezogen gelebt», sagt eine Anwohnerin zu 20 Minuten. Sie beschreibt Familie S. als «komisch» und «seltsam». Die Konversationen zwischen ihr und der Familie beschränkten sich auf ein «Grüezi». Zu Besuch seien kaum Aussenstehende gekommen, lediglich die Tochter habe ihre Eltern regelmässig mit ihren Kindern besucht.

Nachbarin: Heftiger Streit vor paar Wochen

Die Polizei sei öfters vor Ort gewesen, berichtet eine weitere Anwohnerin – zuletzt vor drei bis vier Wochen. Das ging offenbar schon lange so. «Vor ein paar Jahren hat die Familie im Garten derart laut und heftig gestritten, dass sogar Scheiben zu Bruch gingen.»

Zum Tatmotiv und zur Tatwaffe machte die Polizei keine Angaben. Die Tatumstände seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen, heisst es in der Medienmitteilung. Diese liefen trotz der Festnahme der beiden Personen nach allen Richtungen weiter. Bei den Opfern wurde eine Obduktion angeordnet.

Drittes Tötungsdelikt in diesem Jahr

Das Tötungsdelikt in Sarmenstorf ist bereits das dritte, das den Kanton Aargau seit Anfang Jahr erschüttert. Im Mai hatte ein psychisch kranker Mann in Würenlingen seine Schwiegereltern, seinen Schwager und einen Nachbarn getötet, bevor er sich selbst richtete.

Anfang Februar war ein vierjähriges Mädchen tot in einer Wohnung in Niederlenz aufgefunden worden. Der Hauptverdächtige, der Vater des Opfers, nahm sich im Mai mit einem Sprung ins Treppenhaus des Gefängnisses selber das Leben.

*Name der Redaktion bekannt (chk/fal/sda)

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