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Volker Eckel vor Gericht«Sohn von Saddam» stolpert über Sekretärin

Volker Eckel narrte einst die Grasshoppers als saudischer Scheich. Seine Charade flog wegen seiner Sekretärin auf. Er versprach ihr 77 000 Euro Lohn - monatlich.

von
Melanie Völk
Südkurier
Er linkt gerne mal Behörden und zockt Geschäftspartner ab: Volker Eckel auf einem der seltenen Bilder von ihm

Er linkt gerne mal Behörden und zockt Geschäftspartner ab: Volker Eckel auf einem der seltenen Bilder von ihm

Er hat für die peinlichste Anekdote in der Schweizer Fussballgeschichte gesorgt: Volker Eckel. Der heute 46-Jährige gab sich im Frühjahr 2009 als saudischer Prinz aus und versprach dem Grasshoppers Club Zürich 300 Millionen Franken. Statt Geldsegen gab es für GC aber nur Häme: Die Verantwortlichen waren auf den Betrüger genauso hereingefallen wie später die Thurgauer Behörden, Geschäftspartner und Private.

Am Mittwoch musste sich Eckel nun vor dem Landgericht Rottweil wegen Betrugs in fünf Fällen verantworten. Er wird unter anderem beschuldigt, sich als Grossinvestor ausgegeben und so eine Baufirma aus St. Gallen um 200 000 Franken sowie einen Architekten um 20 000 Euro betrogen zu haben.

Die Masche von Eckel war immer gleich: Er stellte sich als Mohamed Al Faisat vor, Abkömmling eines saudiarabischen Scheichs, und unehelicher Sohn des toten irakischen Diktators Saddam Hussein. Er wolle sein angebliches Vermögen von 700 Milliarden US-Dollar investieren. Allerdings verlangte er zuvor erst einige «Gefallen» oder «Anerkennungsbeträge».

Eckel stolperte über die Sekretärin

Einige Private und Geschäftskunden gingen dem Deutschen auf den Leim und verloren so fünf- und sechsstellige Summen. Doch der grosse Bluff flog auf: Seine ehemalige Privatsekretärin, der er monatlich rund 77 000 Euro Lohn versprochen hatte, stellte Strafanzeige.

Bei der Aufnahme der persönlichen Daten sorgte der Angeklagte gleich zu Beginn des Verfahrens am Mittwoch für eine Überraschung: Die Fragen des vorsitzenden Richters Karl-Heinz Münzer zu seiner familiären Situation und seinem beruflichen Werdegang beantwortet Eckel nur eingeschränkt. Er sagte, er wisse den Vornamen seiner Mutter nicht, die Erinnerung an seine Kindheit und die Geburt seiner eigenen Kinder fielen ihm schwer. Er könne sich nur an zwei von möglicherweise vier - oder laut Unterlagen sogar fünf – Hochzeiten erinnern.

Seine Begründung: 2009 habe er bei einem Unfall kurzzeitig sein Gedächtnis verloren. Der Gerichtspsychiater Ralf Schulte zweifelte jedoch an den Gedächtnislücken und einem angeblichen Schädel-Hirn-Trauma.

Der 46-Jährige, der bereits zehn Einträge im Strafregister hat, liess seine Stellungnahme zur Anklage von seinem Anwalt Werner Haimayer verlesen: Der Mann habe weder einen Schul- noch einen Berufsabschluss und sei Legastheniker. Geltungsbedürfnis und Streben nach Anerkennung hätten seine Lebensgeschichte und seine schwere Kindheit geprägt. Genau deswegen sei Volker Eckel in die Rolle des vermögenden Scheichs und sogar Thronfolgers geschlüpft: Dieser gelte als wohlhabend, der Angeklagte habe reich sein wollen. Weil die Schweiz ebenfalls für Reichtum stehe, habe er sie sich für seinen Bluff ausgesucht. «Er hat es geschickt gemacht, sonst wären ihm die Schweizer nicht auf den Leim gegangen – das ist ein Phänomen», so Haimayer.

Architekt schenkte Eckel 20 000 Franken

Eckel selbst räumte ein, dass er für seine Hochstapelei bei einer Bekannten aus Friedrichshafen die Fälschung eines Bankdokuments in Auftrag gegeben habe. Das Papier trägt den Briefkopf einer Schweizer Bank und bescheinigt ihm ein Vermögen von rund 700 Milliarden US-Dollar. Ein weiteres Dokument – eine falsche eidesstattliche Erklärung – soll seine königliche Herkunft bewiesen haben: Punkt 1 regelt die Bereitschaft, dass er – nach dem Ableben des Regenten – alle Aufgaben des Staatsoberhauptes von Saudi-Arabien erfüllen werde. In einem weiteren Absatz wird seine Frau dann zur Princess of Riad ernannt. Mit diesen Dokumenten soll es ihm gelungen sein, sowohl seine Familie als auch die Schweizer Geschäftswelt zu blenden.

Einer, der auf den Bluff des Angeklagten hereingefallen ist, ist ein 47-jähriger Architekt aus Bussnang TG. Der angebliche Königssohn wurde ihm als milliardenschwerer Investor vorgestellt, der in sein Bauprojekt in Kreuzlingen investieren wolle. Als Anerkennung habe sich der Angeklagte 20 000 Franken schenken lassen. «Ich dachte, dass seien die Gepflogenheiten seiner arabischen Landsleute. Er kam damals völlig glaubwürdig rüber und wurde mir von Geschäftspartnern empfohlen», sagt der Architekt vor Gericht.

Prozess geht am Freitag weiter

Als Mohamed Al Faisat habe Eckel so sein können, wie er es sich gewünscht habe, sagte sein Anwalt. Vor Gericht ist von der staatsmännischen Sicherheit, mit der er Architekten und Investoren das Geld aus der Tasche gezogen haben soll, jedoch nichts zu spüren. Der 46-Jährige sitzt in sich zusammengesunken neben seinem Verteidiger. Er spricht leise und stockend in das Mikrofon oder stiert ins Leere. Die Frage des Richters, ob er nie an das Ende seines Bluffs gedacht habe, beantwortete er nach langem Schweigen: «Ich war wohl zu blauäugig.»

Der Prozess wird am Freitag mit der Vernehmung eines Geschäftsmannes und des früheren Privatchauffeurs des Angeklagten fortgeführt. Mit Spannung wird das Gutachten des Gerichtspsychiaters erwartet: Im Vorgutachten wurde eine verminderte Schuldunfähigkeit nicht ausgeschlossen.

Melanie Völk schreibt für den Südkurier und berichtet vom Prozess gegen Volker Eckel.

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