Mit Strom aus Steckdose: «Solar Impulse» in Paris gelandet
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Mit Strom aus Steckdose«Solar Impulse» in Paris gelandet

Erfolgreicher zweiter Versuch: Das Schweizer Solarflugzeug «Solar Impulse» ist am Abend in Paris angekommen.

Anflug der «Solar Impulse» auf Paris. (Bild SolarImpulse.com)

Anflug der «Solar Impulse» auf Paris. (Bild SolarImpulse.com)

Solar Impulse ist in der französischen Hauptstadt gelandet, wie das Team um Projektinitiator Bertrand Piccard auf seiner Internetseite mitteilte. Das Flugzeug war am frühen Morgen in Brüssel gestartet.

Die Maschine landete am Abend planmässig auf dem Flughafen Paris-Le-Bourget. Ein erster Versuch am Wochenende war gescheitert.

Der Pilot André Borschberg zeigte sich nach der Landung um 21.16 Uhr sehr zufrieden mit dem Flug. «Es war super», sagte er im Livestream auf der Internetseite des Teams um Projektinitiator und Flugpionier Bertrand Piccard. Nun sei er ein bisschen müde, fügte Borschberg nach dem rund 16-stündigen Flug an.

Solar Impulse sicher in Brüssel gelandet

Gestartet war das Solarflugzeug am Morgen um 5.10 Uhr vom militärischen Teil des Brüsseler Flughafens. Die Verantwortlichen nutzten dabei ein schmales Wetterfenster zwischen den Regenfronten aus. Das mit Sonnenenergie betriebene Flugzeug wurde in Paris als Gast an der 49. Pariser Luftfahrtschau erwartet.

Landungszeitpunkt «strategischer Entscheid»

Die Landung war für 21.30 Uhr geplant, obwohl die Maschine die französische Hauptstadt bereits Stunden zuvor erreicht hatte. Dies sei ein strategischer Entscheid, um Turbulenzen auszuweichen, hatte Flugleiter Raymond Clerc im Blog mitgeteilt.

«Während des Tages erwärmt sich die Erde, die Wärme steigt auf.» Tue sie dies unregelmässig und kämen auch noch aufsteigende Luftblasen hinzu - zum Beispiel von Dächern, Autobahnen oder Bahnhöfen -, dann könne das Flugzeug destabilisiert werden, so Clerc. «Dieses Risiko sinkt nach Sonnenuntergang.»

Zudem wich die «Solar Impulse» mit der späten Landung dem dichten Flugverkehr aus, der tagsüber insbesondere über dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle herrscht. Die grossen Flugzeuge verursachen Luftverwirbelungen, die sich auch noch zehn Minuten, nachdem ein Flugzeug vorbeigeflogen ist, bemerkbar machen.

Flugzeug «vollgetankt» abgeflogen

Die Gefahr, dass dem Flieger auf der rund 300 Kilometer langen Strecke der Strom ausgeht, bestand nicht: Weil in Belgien die Sonne nicht genügend schien, wurde der einsitzige Flieger mit den riesigen Tragflächen vor dem Start teilweise mit Strom aus der Steckdose aufgeladen.

Die Tragflächen des Flugzeugs haben eine Spannweite von 63,4 Metern - was etwa der Spannweite eines Langstrecken-Airbus A340 entspricht. Allerdings wiegt die Maschine nur 1,6 Tonnen. Das Flugzeug wird von vier Elektromotoren mit einer Leistung von je etwa 10 PS vorangetrieben, die ihre Energie aus 12'000 Sonnenzellen auf den Tragflächen beziehen.

Payerne - Brüssel - Paris

Ein erster Flugversuch von Brüssel nach Paris am Wochenende war gescheitert. Das Solarflugzeug musste am Samstagabend wegen schlechten Wetters und technischer Probleme auf halbem Weg umkehren.

Die «Solar Impulse» war Mitte Mai in knapp 13 Stunden bereits von Payerne VD nach Brüssel geflogen. Während eines Monats stand das Fluggerät in einem Hangar auf dem militärischen Teil des Brüsseler Flughafens. Dabei wurde es von vielen Schaulustigen begutachtet.

Flugpionier Piccard bezeichnet die «Solar Impulse» als Lobbyingobjekt für neue Ideen und erneuerbare Energien. Für ihn ist sie ein «Symbol für die Welt von morgen, das zeigt, was mit sauberer Energie möglich ist».

(sda)

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