Aktualisiert 15.08.2013 13:26

Meyer BurgerSolarspezialist kämpft ums Überleben

Der Solarzulieferer Meyer Burger steckt nach einbrechenden Verkäufen im ersten Halbjahr tief in den roten Zahlen. Die Firmenführung sieht jedoch Anzeichen eines Aufschwungs.

Der Präzisionssägen-Hersteller Meyer Burger sieht Licht am Ende des Tunnels.

Der Präzisionssägen-Hersteller Meyer Burger sieht Licht am Ende des Tunnels.

Noch vor wenigen Jahren galt Meyer Burger als Unternehmen der Zukunft. Jetzt kämpft die Solarenergiefirma ums Überleben. Das Problem der Thuner Industriegruppe ist, dass man derzeit nicht so genau weiss, wohin die Solarindustrie treibt.

2011 war das Boomjahr von Meyer Burger. Das Unternehmen hatte den Umsatz verdoppelt. Ein solcher Wachstumsschub war dem Konzern schon 2007 und 2008 gelungen. Doch 2011 war auch das Jahr, in dem die Erfolgssträhne abriss und der Solarkonzern in eine schwere Krise stürzte.

Derzeit beträgt der Auftragseingang bei Meyer Burger ein Fünftel von dem, was vor der Krise an Neubestellungen hereinkam. Das Unternehmen, das 2011 einen Umsatz von 1,3 Mrd. Fr. erzielte, fuhr im ersten Halbjahr 90,4 Mio. Fr. ein. Von rund 3000 Stellen Mitte 2011 bestanden zwei Jahre später noch gut 1800. Der Wert der Aktie fiel von über 36 Fr. auf zwischenzeitlich unter 5 Franken.

Sehr innovative Produkte

Das wichtigste Produkt des Konzerns sind Spezialsägen, mit denen Silizium sowie Saphir oder andere Kristalle in hauchdünne Scheiben (Wafer) geschnitten werden. Die Siliziumscheiben werden für Solaranlagen benötigt. Saphir-Wafer kommen beispielsweise in der Halbleiterindustrie zum Einsatz.

Diese Produkte sind in hohem Masse innovativ, doch die Märkte dafür sind eingebrochen. Analyst Michael Foeth von der Bank Vontobel sagt: «Das Problem steckt nicht primär im Unternehmen, sondern im Zustand der gesamten Branche.»

Meyer Burger macht 70 Prozent des Umsatzes mit dem Solarmarkt, der Rest sind Halbleiter (20 Prozent) und Optik (10 Prozent). Indem Deutschland und andere Länder 2010 begannen, die Fördergelder zu kürzen, zogen sie der Solarindustrie quasi den Stecker.

Preiszerfall

Dies traf auf einen Markt, der von grossen Überkapazitäten geprägt war. Weil in Europa, vor allen in Deutschland, die Solarenergie stark gefördert wurde, seien die Märkte stark angewachsen, erläutert Analyst Richard Frei von der Zürcher Kantonalbank. Auch China trug mit der Förderung der eigenen Industrie zu den Überkapazitäten bei. Die Folge war ein Preiszerfall.

Modulhersteller und Produzenten von Halbfertigprodukten wie Wafer und Zellen fielen in die roten Zahlen. Meyer Burger hatte seine Produktion aber auf den Boom eingestellt und konnte die Kapazitäten nicht von einem Tag auf den anderen stilllegen.

Mit Erweiterungen wie der Fusion mit dem Modulhersteller 3S Industries 2009 und dem Kauf des Konkurrenten Roth & Rau in Deutschland 2011 entwickelte sich Meyer Burger zum Milliardenkonzern. Das Berner Unternehmen wurde zum Vollanbieter von Solarsilizium bis zur fertigen Solaranlage.

Kostenbremse

Meyer Burger reagierte mit Kostensenkungen und Stellenabbau auf den jähen Umsatzeinbruch. Laut Unternehmenschef Peter Pauli bergen die Sparrunden auch Risiken: «Bauen wir zu stark ab, könnten wir unsere Technologie bei einem Aufschwung gar nicht mehr verkaufen oder weiterentwickeln», sagte er kürzlich in einem Zeitungsinterview.

Pauli will das Unternehmen weiter in einer Position halten, aus der es von einem Aufschwung der Solarindustrie profitieren kann. An die Zukunft des Konzerns glaubt er: Meyer Burger stelle Produkte her, welche die Stromversorgung der Zukunft viel günstiger machten, sagte er am Donnerstag vor den Medien in Zürich.

Nicht nur die Art der Energieversorgung, sondern auch deren Kostenfaktoren seien Bestandteil eines Umdenkens in der Energiewelt. Die Ausrichtung des Unternehmens sei die richtige.

Skeptische Analysten

Experte Frei glaubt auf lange Sicht an den Erfolg der Solarindustrie, äussert aber auch Skepsis: «Ob Meyer Burger dabei auf die richtigen Technologien gesetzt hat, wird sich zeigen. Für das Unternehmen hat das kurz- bis mittelfristige Überleben momentan höchste Priorität, da die Branche wahrscheinlich zwar den Tiefpunkt überwunden hat, die Krise aber noch nicht vorüber ist.»

Dazu brauche Meyer Burger einige grössere Aufträge. Die Skepsis ist auch bei Michael Foeth von der Bank Vontobel vorhanden: «Eine nachhaltige, branchenweite Erholung zeichnet sich momentan noch nicht ab, auch wenn vereinzelte Aufträge zu sehen sind.»

(sda)

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